Die Fenster sind herausgerissen, Decken und Böden auch. Die Tage der Kujath-Villa sind gezählt. Der einst imposante Jugendstil-Bau, der viele Jahre als Jugendzentrum diente, wird nächste Woche abgerissen. Die Vorarbeiten hat ein Baunacher Abrissunternehmen bereits mit vollem Einsatz erledigt. Ursprünglich sollte der Abriss bereits im August über die Bühne gehen.

Damit wird Platz für einen (größeren) Ersatz-Neubau geschaffen, der für zwei Millionen Euro an gleicher Stelle hochgezogen wird, und künftig Grundschul-Mensa, Mittagsbetreuung und Ganztagesklassen aufnehmen soll, die nun übergangsweise in den einstigen Akademie-/VHS-Räumen untergebracht sind.

Die Kujathvilla ist nach ihrem ersten Eigentümer, dem früheren Gerichtsvollzieher August Kujath benannt, der aus Regensburg stammte. 1932 plante der damalige Bezirks- und Kreisbaumeister Hans Hillemeir das Haus, das nach Recherchen des jetzigen Architekten Günter Pollach auf einem aufgefülltem Areal nahe dem Bahndamm errichtet wurde.

Wie Kreisheimatpfleger Günter Lipp herausgefunden hat, war das Gebäude für damalige Verhältnisse modern ausgestattet - mit Bad und zentraler Warmwasserheizung.


Von Amerikanern beschlagnahmt

Eine Tatsache, die zum Kriegsende auch die US-Soldaten schätzten, die das Haus - wie alle anderen mit Zentralheizung - beschlagnahmten, wie sich Altbürgermeister Rolf Feulner erinnert.

August Kujath starb 1950, seine Ehefrau Maria 1984. Sie hinterließen zwei Töchter, die das Elternhaus zunächst vermieteten und 2001 an die Stadt verkauften.

Der Plan der Stadtväter, dort eine Arztpraxis anzusiedeln, erfüllte sich nicht. Zunächst war das Haus an eine Familie aus der Stadt vermietet. Danach zog 2001 der offene Jugendtreff "Obendrin" vom Dachgeschoss des Ämtergebäudes in die Villa darunter ein, der sich im Verlauf der Jahrzehnte immer mehr zur Mittags- und Hausaufgaben-Betreuung unter dem Schirm der Arbeiterwohlfahrt entwickelte.

Aufgrund der baulichen Mängel wie der ständig verschärften Anforderungen zu Feuerschutz und Fluchtwegen entschloss sich der Stadtrat im November 2013 zu einem Neubau, nachdem sich die Pläne, eine gemeinsame Mensa für Real- und Grundschule auf dem einstigen Gelände der Schwimmhalle zu bauen, zerschlagen hatte. Der Landkreis Haßberge hatte sich aus dem Gemeinschaftsprojekt verabschiedet.