Was soll man machen, wenn ein befreundetes Ehepaar heftig streitet? Sich raushalten oder einmischen? Eine 27-jährige Frau entschied sich fürs Handeln. Als ihre beste Freundin und deren Ehemann einen heftigen Ehestreit ausfochten, ging sie energisch dazwischen. Dabei schlug ihr der um sich fuchtelnde Mann versehentlich in den Magen. Das Verfahren wegen Körperverletzung gegen den Mann wurde vom Amtsgericht Haßfurt gegen eine Geldauflage in Höhe von 400 Euro, die sie quasi als Schmerzensgeld erhält, eingestellt.

Das Ehedrama spielte sich am Abend des 10. Juni dieses Jahres in der ehelichen Wohnung ab. Wieder einmal stritt sich das Paar, und die Frau hatte schon den Autoschlüssel genommen, um wegzufahren. Damit war ihr Gatte überhaupt nicht einverstanden. Er hielt sie fest, um ihr den Schlüssel abzunehmen. In dieser prekären Situation rief die Ehefrau ihre beste Freundin übers Handy an und schilderte aufgeregt die brenzlige Lage.

Die Freundin, das spätere Opfer, wohnte ganz in der Nähe. Sofort setzte sie sich in ihr Fahrzeug und innerhalb von Minuten war sie zur Stelle. Als sie in die Ehewohnung kam, hörte sie bereits von weitem aus dem Schlafzimmer die Streitgeräusche. Sofort eilte sie ihrer Freundin zu Hilfe und ging dazwischen, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Gut gedacht, aber nicht gut gemacht.

Denn bei dem Handgemenge bekam sie einen Schlag des Mannes ab, der direkt in ihrem Magen landete. "Ich glaube nicht, dass es Absicht war", sagte das Opfer ohne Belastungseifer im Zeugenstand. Ausgesprochenes Pech hatte sie insofern, als sie kurz davor am Magen operiert worden war. So kam es in der Folgezeit zu ständigen Bauchschmerzen mit Erbrechen.

Vom Staatsanwalt Ralf Hofmann gefragt, warum sie denn Strafantrag gestellt habe, antwortete die Geschädigte: "Der Angeklagte soll endlich kapieren, dass er eine Frau nicht schlagen darf." Eine Zivilklage auf Schmerzensgeld will sie aber nicht anstrengen, genauso wenig wie die Ehefrau, die mit ihrem kleinen Kind zwischenzeitlich getrennt von dem Beschuldigten lebt.

Für Richter Wolfgang Titze stand fest, dass es sich bei dem 24-jährigen, eher schmächtigen Angeklagten um keinen notorischen Schläger handelt. Strafrechtlich gesehen trägt er eine blütenweiße Weste, denn sein Auszug aus dem Bundeszentralregister gleicht einer tabula rasa.

Mit Zustimmung aller Beteiligten wurde das Strafverfahren mit der Wiedergutmachungs-Auflage vorläufig eingestellt. Die endgültige Einstellung erfolgt, sobald der Mann die Geldauflage von fünf Monatsraten mit jeweils 80 Euro erfüllt hat.