Man sieht es ihm nicht an, aber Julian Heinz steht schon seit zehn Jahren auf der Bühne, um andere zu unterhalten. Nicht etwa, weil der heute 16-Jährige eine "Rampensau" wäre. Der junge Zaubacher ist eher ein ernsthafter Typ, der genau weiß, was er tut und warum. Dabei geht es ihm erst in zweiter Linie darum, das zu machen, was ihm persönlich Spaß macht.

Dass sich Julian auf der Bühne gut und sicher fühlt, hat etwas mit der fünften Jahreszeit zu tun. Seit der ersten Schulklasse sammelte er Bühnenerfahrung beim Unterzaubacher Schlappenfasching. Daneben ist er bis heute als Ministrant in der Pfarrei St. Michael in Stadtsteinach aktiv.

Früh nahm Julian Gitarrenunterricht, in der Grundschule ist er im Förderprogramm des Stadtsteinacher Musikvereins dann auf Posaune umgestiegen. Der 16-jährige Gymnasiast am Kulmbacher MGF war vor zwei Jahren beim Wettbewerb "Jugend musiziert" Bundessieger seines Jahrgangs mit der Posaune. Im Herbst hat er nebenbei das Gold-Abzeichen des Nordbayerischen Musikbunds abgelegt. Jetzt bereitet er sich konzentriert auf das Abitur im nächsten Jahr vor und ist sich sicher, dass er später etwas mit Musik machen wird.

Trotz Einschränkungen nimmt er den Lockdown in der Pandemie aber nicht als Stillstand, wie er im Gespräch mit der BR verriet.

Wie schwierig ist es zurzeit, überhaupt Unterricht zu bekommen?

Julian Heinz: Erstmal finde es gut, dass die Schulen noch geschlossen bleiben. Dort verbreitet sich das Virus doch sehr schnell, wie wir es im Herbst am MGF gesehen haben. Schüler waren infiziert, auch mein Banknachbar, und verschiedene Lehrer. Wir mussten alle erstmal zu Hause in Quarantäne. Unterricht findet ja, außer in den Ferien, trotzdem statt. Wenn auch in anderer Form.

Wie zum Beispiel?

Mit der allgemeinen Schüler-Plattform Mebis soll es ja Probleme geben. Das trifft uns am MGF aber nicht. Unsere IT-Lehrer Daniel Sandler und Jochen Breiter haben eine eigene MGF-Plattform gebaut, die funktioniert. Wir haben von zu Hause aus Zugriff auf den hinterlegten Lernstoff. Jetzt gibt es immer mehr Videokonferenzen im virtuellen Klassenzimmer. Wir bekommen Korrekturen unserer Hausaufgaben zurück und Erklärungen als mp3-Datei. Distanzunterricht bedeutet viel mehr Arbeit und Aufwand - für Lehrer und für Schüler. Die Lehrer geben sich viel Mühe. Als Schüler muss man da halt auch mitmachen.

Instrumentalunterricht am musischen Gymnasialzweig funktioniert mit hinterlegten Dateien aber wahrscheinlich nicht ganz so gut ...

In der künstlerischen Ausbildung auf dem Instrument sind wir tatsächlich sehr eingeschränkt. Da mussten wir zunächst Erfahrungen sammeln. Erst gab es Onlineunterricht über Skype. Das war weniger gut, weil dort die Tonübertragung schwankt. Anschließend waren wenige Instrumentalunterrichtsstunden in Präsenz möglich; mit Plexiglas zwischen Lehrer und Schüler bei den Bläsern. Dann war wieder Pause. Jetzt habe ich Onlineunterricht, der erstaunlich gut ist. Und zwar über Telefon. Wenn man nicht gerade Anfänger am Instrument ist, dann reicht das vorübergehend aus. Ab diesem Schuljahr mache ich mit Klavier weiter. Über Skype, denn mein Anschlag und Handstellung kann übers Telefon nicht kontrolliert werden. Einen "normalen" Unterricht kann das alles dennoch nicht ersetzen.

Und Auftritte vor Publikum fallen aus.

Ja und nein. Ich hatte das Glück, in das VBW-Festivalorchester als Bass-Posaunist aufgenommen zu werden. Die Proben in einem großen Sinfonieorchester waren eine ganz tolle Erfahrung für mich. Die Konzerte fallen aber aus. Der Stadtsteinacher Musikverein, bei dem ich seit gut fünf Jahren mitspiele, muss pausieren wie auch die anderen Bläsergruppen, bei denen ich mitmache. Aber solistisch ist für mich einiges möglich gewesen. In Kirchen von der Empore darf man spielen; zu Weihnachten in der Kulmbacher Petrikirche und in St. Michael in Stadtsteinach zum Beispiel. Als Ersatz für unsere im vergangenen Jahr ausgefallenen MGF-Konzerte hat sich die Fachschaft Musik, also Hubertus Baumann, etwas einfallen lassen: In Youtube gibt es in der Rubrik "Georg-Friedrich Markgraf" zwei Videos mit uns Instrumentalschülern. Hat Spaß gemacht. Trotzdem: Im Ensemble zu spielen vermisse ich tatsächlich. Das ist ein ganz anderes Klangerlebnis und Spielgefühl, als allein zu Hause zu üben.

Apropos Üben. Deine Kollegen im Musikverein sagen, "was wir erst zwei Wochen üben müssen, das spielt der perfekt wenn er nur die Noten sieht". Hast du ein besonderes Talent?

Das weiß ich nicht. Manches fällt mir halt leichter. Trotzdem muss ich viel mit den Instrumenten üben, also trainieren. Ob das Gitarre, Posaune, Euphonium oder Klavier ist - sich nur hinzusetzen und zu hoffen, man kann es; das funktioniert nicht. Wie alles im Leben. Anders wäre es doch auch langweilig. Man darf nie aufgeben.

Hast du dafür ein Patentrezept?

Für mich ist Optimismus die Lösung: Auch oder gerade mit den jetzigen Einschränkungen sind viele neue Ideen entstanden, es blieb und bleibt Zeit, Neues zu entdecken. Und selbst wenn man vorübergehend auf etwas verzichten muss: Dadurch lernt man, gerade diese Dinge besser zu schätzen.

Was wäre das zum Beispiel? ?

Mein Engagement in der katholischen Kirche war mit den Jahren Routine. Jetzt in der Pandemie mussten wir uns etwas ganz Neues einfallen lassen. Als Sternsinger waren wir immer 20 bis 30 Kinder und Jugendliche, die auszogen. Heuer sollte das ausfallen. Klaus Oberkofler hatte die Idee, dass wir ein Video von vier Sternsingern, natürlich in korrekter Distanz und nacheinander, aufnehmen. Das kann man auf der Homepage von St. Michael sehen. Als jetziger Oberministrant habe ich auch die Sternsingerpakete mit geplant und gepackt. Überhaupt versucht die Kirche, gut mit der Situation umzugehen: Statt Gesang gibt es jetzt viele schöne musikalische Beiträge (Rorategottesdienste), Onlineübertragung der Gottesdienste, Adventskalender und so weiter. Ich habe von einigen Leuten gehört, dass sie dadurch wieder der Kirche näher gekommen sind.

Trotz allem Optimismus: Was ärgert dich?

Fasching fällt aus - schade! Da wird man sich hoffentlich auch noch was ausdenken. Als ich in der ersten Klasse war, hat mich mein Onkel zum Schlappenfasching mitgenommen. Das ist die phänomenale Veranstaltung, bei der so gut wie das ganze Dorf mitmacht und es zu jeder Sitzung ein mit Publikum brechend volles Landjugendheim gibt. Die ersten Jahre war ich bei der Kinder-Tanzgruppe dabei. Die letzten Jahre trete ich mit dem Unterzaubacher Panikorchester auf. Das spielt wunderschön grauslich und falsch und ist inzwischen schon fast bis zur Stadtsteinacher Stadtgrenze weltbekannt.

Fühlst du dich als Coronajahrgang benachteiligt? ?

Ich hoffe doch, dass man die Pandemie in diesem Jahr in den Griff bekommt und dass ich im nächsten Jahr nach dem Abitur die Aufnahmeprüfung für die Musikhochschule schaffe.