Lisa Kieslinger

Gerade einmal 20 Minuten dauert diese Verhandlung am Amtsgericht in Kulmbach. Zwei Jugendlichen wird vorgeworfen, dass sie am 6. August 2016 nachts zwei Mountainbikes am Kulmbacher Bahnhof entwenden wollten, um damit zu sich nach Mainleus zu fahren. "So stimmt das nicht", macht der 19-jährige Angeklagte gleich klar, als er von Richter Christoph Berner zu seiner Meinung dazu gefragt wird. "Ich habe das Rad genommen, aber nie mit der Absicht, heimzufahren", erklärt er. Warum er jetzt hier sitze, verstehe er nicht.
Er und sein 18-jähriger Freund seien damals vom Bierfest zum Bahnhof gelaufen, da sie dort von der Mutter abgeholt werden sollten. "Wir haben gut getrunken, so fünf Maß, und wollten lustig sein", sagt der 19-Jährige. Und dann standen dort am Bahnhofsvorplatz zwei Räder, die nicht abgeschlossen waren. "Ich habe mir eines genommen und habe auf dem Vorplatz zwei, drei Runden gedreht." Das sei es gewesen.
Sein 18-jähriger Freund, der auch des Diebstahls beschuldigt wird, nahm sich nach eigenen Aussagen auch ein Rad. "Ich bin nicht mal zum Fahren gekommen, weil dann die Beamten schon da waren", erklärt er. Eine vorbeifahrende Streife ist auf die Jungs am Bahnhof aufmerksam geworden und hatte den Eindruck, dass diese die Mountainbikes stehlen wollten. Auch die missverständliche Aussage des 18-Jährigen bei der Polizei am nächsten Tag machte die Situation für die beiden Jugendlichen nicht besser. "Bei der Polizei haben Sie ausgesagt, dass Sie nicht laufen, sondern lieber mit dem Rad heimfahren wollten", betont der Staatsanwalt. "Nein, so war das nicht gemeint", entgegnet der 18-Jährige. Das sei ein Missverständnis gewesen. Bereits am Mittag habe er mit seiner Mutter ausgemacht, dass sie ihn vom Bierfest abholt. "Sie hat sich lediglich verspätet - und wir wollten uns die Zeit vertreiben."


Verfahren wird eingestellt

"Das nächste Mal müssen Sie genau lesen, was Sie bei der Polizei unterschreiben. Sie haben diese Aussage damals nämlich bestätigt", warnt Berner.
Alles in allem sei das laut Berner jedoch kein Fall von schwerer Kriminalität. "Beenden wir das ohne weitere Konsequenzen", schlägt Berner vor. Auch der Staatsanwalt ist damit einverstanden. Nach gerade einmal 20 Minuten wurde das Verfahren eingestellt.