Beim Friedensgebet gedachten am Freitagabend die Bürger von Adelsdorf im Zentrum des Ortes der jüdischen Bürger der Gemeinde, die durch die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ums Leben kamen.

Auf Einladung von Pfarrer Thomas Ringer, Pfarrer Jens Arnold und Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) versammelten sich viele Bürger am Gedenkstein für die Juden, um sich in Gebeten, Liedern und Lesungen an die Opfer zu erinnern.

Mit dem Friedensgebet von Franz von Assissi eröffnete 2. Bürgermeisterin Jutta Köhler (Pro Adelsdorf) die Gedenkstunde. "Es ist entsetzlich, dass es Antisemitismus auch heute noch gibt. Es ist mir egal, ob die Naziverbrechen 70, 80 oder 90 Jahre zurückliegen. Die Verbrechen der Nationalsozialisten gegen jüdische Mitmenschen werden nie, niemals verjährt sein", betonte sie.

"Wir gedenken heute des Tages vor 80 Jahren, an dem jüdische Mitbürger verfolgt, getötet und in Konzentrationslager transportiert sowie jüdische Wohn- und Gotteshäuser angezündet, zerstört und geschändet wurden", so Pastoralreferentin Dagmar Haas. Man könne angesichts der momentanen Situation im Land und in ganz Europa nicht schweigen. "Angesichts der jüngsten Entwicklungen, bei der Rechtsradikale offen ihren Hass herausschreien und Menschen auf offener Straße verfolgen, müssen wir uns dem entgegenstellen. Wir müssen als Menschen und vor allem als Christen Farbe bekennen!"

Sie erinnerte an Bernhard Lichtenberg, der sich dem Nazi-System entgegenstellte. Er war der einzige katholische Priester in Nazi-Deutschland, der seine Stimme gegen die Verfolgung der Juden erhob.

"Vergessen wir auch nicht, dass jüdische Kinder, Frauen und Männer aus unserer Gemeinde Opfer der NS-Diktatur wurden", so Jutta Köhler am Ende des Gedenkens. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hämmerte es auch an der Schlafzimmertür der elfjährigen Rosi Rindsberg in Adelsdorf. Ihren Vater Felix Rindsberg, den sie stellvertretend für andere jüdische Mitbürger nannte, transportierte man ins KZ Dachau. Nach vier Monaten Lager kehrte er als gebrochener Mann zu seiner Familie zurück und starb im Mai 1939 an den Folgen der KZ-Haft. "Wir sind es den Opfern schuldig, dass wir sie immer wieder beim Namen nennen, ihre Schicksale in Erinnerung behalten und ihre Existenz, ihr Leiden und ihren Tod als Teil unserer Adelsdorfer Geschichte verstehen", so Köhler mahnend.