Ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bamberg hätte diesen Prozess am Amtsgericht eigentlich vermeiden sollen. Doch weil der Angeklagte dagegen Einspruch eingelegt hatte, musste Strafrichterin Christine Schäl sich mit einem illegalen Kraftfahrzeugrennen im vergangenen Juni auf dem Berliner Ring auseinandersetzen. Am Ende wurde eine Geldstrafe von 2400 Euro fällig. Außerdem ist der Führerschein für zehn Monate weg.

Auf dem Berliner Ring ist um zwei Uhr nachts nicht viel los. Das machen sich zwei junge Männer, nennen wir sie Timo (26) und Gary (24), aus dem Landkreis Coburg zunutze. Sie haben ihre aufgebrezelten Golfs mit bis zu 250 PS an einer roten Ampel auf Höhe der Memmelsdorfer Straße nebeneinander in Startposition gebracht. Als die Anlage auf Grün umspringt, treten sie voll aufs Gas. Man hört Reifen quietschen. Dann läuft das Wettrennen mit teilweise über 130 Stundenkilometern.

"Einer hat voll Stoff gegeben", so ein Verkehrspolizist. Dabei sind auf der Strecke gerade einmal 70 Sachen erlaubt. Erst als nach rund 800 Metern die nächste Ampel mit wartenden Verkehrsteilnehmern in Sicht kommt, werden die beiden Autos langsamer. Plötzlich ist Blaulicht zu sehen. Eine "Stop! Polizei! Bitte folgen!"-Anzeige erscheint.

Was die beiden Rennfahrer nämlich nicht bemerkt haben, zumindest nicht zu Beginn ihrer Aktion: Hinter ihnen hat eine Streife der Verkehrspolizei Bamberg die Verfolgung aufgenommen. "Sie waren wohl ganz schön abgelenkt." Die zwei erfahrenen Beamten wissen während der waghalsigen Fahrt genau, worauf es ankommt. Möglichst immer den gleichen Abstand von zwei bis drei Fahrzeuglängen halten und ab und zu auf den Tacho blicken. Damit später kein Rechtsanwalt Zweifel an der Geschwindigkeit wecken kann.

Das nämlich versuchte Verteidiger Wolfgang Hörnlein aus Coburg. Immerhin hatte sein Mandant Timo erzählt, er sei "vielleicht ein wenig sportlicher", aber mit höchstens 80 km/h gefahren, um sich etwas bei einem Schnellrestaurant zu holen. Und durchdrehende Reifen seien bei seinem Allrad-Golf gar nicht möglich. "Auch den Motor habe ich nicht aufheulen lassen". All das wollte Staatsanwalt Stürmer nicht recht glauben. Die Tuning-Szene treffe sich im Sommer jede Nacht in Bamberg, so einer der Verkehrspolizisten. "Besonders am Wochenende übertreiben sie es." Die Fahrer kämen dabei nicht nur aus Bamberg, sondern aus Ebern, Coburg, ja sogar Hof. Wie magisch würden die jungen Männer vom Berliner Ring mit seinen Ampeln angezogen. "Da wird sehr unvernünftig gefahren." Die Anwohner und Hotelgäste beschwerten sich ständig, dass vor ihrem Schlafzimmerfenster verbotene Rennen stattfänden. "Wir fahren in einer Nachtschicht unter Umständen die Strecke acht bis zehn Mal rauf und runter."

Dabei gehen den Ordnungshütern wie bei Timo und seinem Freund Gary immer wieder auch Autos ins Netz, die ein Gewindefahrwerk für mehr Bodennähe oder einen offenen Luftfilter für ein lauteres Motorengeräusch eingebaut haben, ohne dass es im Fahrzeugschein eingetragen ist. Solche Ordnungswidrigkeiten kosten.

Bei dem verbotenen Kraftfahrzeugrennen kam glücklicherweise niemand und nichts zu Schaden. Das und seine bislang blütenweiße Weste sind es, die verhindern, dass Timo sein Fahrzeug, mit dem er eine Straftat begangen hat, ohne Entschädigung abgeben muss. Für eine Einziehung als Tatmittel ist es einfach zu wertvoll. Das wäre angesichts der Geldstrafe von 2400 Euro auch nicht verhältnismäßig.

Noch im Gerichtssaal übergibt Timo seinen Führerschein an Strafrichterin Schäl. Zehn Monate lang darf er sich nun nicht mehr hinters Steuer setzen. Danach entscheidet die Führerscheinstelle, ob und unter welchen Auflagen er seine Fahrerlaubnis wiederbekommt.

Seinem Freund Gary droht demnächst ähnliches Ungemach.