Am Freitag, 19. Dezember 2025, sollen die Details in einer Sondersitzung des Stadtrats im Hegelsaal der Bamberger Konzert- und Kongresshalle vorgestellt werden. Auch Innenminister Herrmann wird persönlich vor Ort sein. Bereits am Vortag, dem 18. Dezember, trifft sich der Ältestenrat der Stadt, um die Sitzung vorzubereiten. Zudem findet eine Informationsveranstaltung für die direkten Anwohnerinnen und Anwohner des Ankerzentrums statt.
Sondersitzung des Stadtrats live im Internet
Wie es in der Mitteilung der Stadt heißt, können Interessierte die Sondersitzung am 19. Dezember 2025 auf der offiziellen Seite der Stadt Bamberg live im Internet verfolgen. Anmeldedaten würden dafür nicht benötigt. Der Einlass findet jeweils eine halbe Stunde vor Beginn der Sitzung statt. Alle Tagesordnungen und Sitzungsunterlagen sind im städtischen Sitzungskalender zu finden.
Die Bedeutung der Einigung erstreckt sich über das Ankerzentrum hinaus: Für Bamberg-Ost werden zusätzliche Projekte realisiert. Neben einer neuen Bushaltestelle im Eingangsbereich der Einrichtung und der Fortsetzung der "Anker-Verstärkerlinie" durch die Stadtwerke wird auch die Sanierung des Stadionbads und des Volksparks großzügig gefördert. Darüber hinaus ist der Bau eines Geh- und Radwegs in der Armeestraße geplant.
"Die entscheidenden Weichen sind nun gestellt", erklärt Oberbürgermeister Starke. Er unterstreicht, dass mit diesen Maßnahmen "über Nacht langfristige Entwicklungsperspektiven insbesondere für den Bamberger Osten eröffnet werden". Auch der Bürgerverein Bamberg-Ost begrüßte die Einigung. In einem Gespräch mit dem Vorstand des Vereins betonte Starke, dass die Stadt durch diese Lösung gestärkt werde und positive Impulse für die gesamte Region setzen könne.
10 Jahre Ankerzentrum: Vom Armeegelände zur Unterkunft für Geflüchtete
Das heutige Ankerzentrum in Bamberg wurde im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Sein Standort liegt auf einem ehemaligen Gelände der US-Army in Bamberg-Ost. Dieses weitläufige Areal, das zuvor militärischen Zwecken diente, wurde nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte für zivile Nutzung verfügbar. Mit der Einrichtung des Zentrums entstand ein zentraler Ort zur Erstaufnahme von Geflüchteten, der verschiedene Behörden und Dienstleistungen an einem Standort bündelte.
Die Bewohner des Ankerzentrums sind Geflüchtete, die sich in Bayern in einem Asylverfahren befinden. Das Zentrum bietet ihnen eine erste Unterkunft und dient als Dreh- und Angelpunkt für die Bearbeitung ihrer Anträge. Hier arbeiten unter anderem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländer- und Justizbehörden eng zusammen.
Seit seiner Gründung stand das Zentrum wiederholt im Fokus politischer und gesellschaftlicher Diskussionen. Kritiker bemängelten die Bedingungen für die Geflüchteten und die Auswirkungen auf die umliegenden Wohngebiete. Die Stadt Bamberg hatte lange eine Schließung bis Ende 2025 gefordert, wie vertraglich vereinbart. Es wurden sogar rechtliche Schritte angedroht, während das Innenministerium eine Fortführung der Einrichtung favorisierte. Argumentiert wurde, dass es in Oberfranken keine vergleichbare Immobilie gibt, die für den Betrieb eines Ankerzentrums geeignet wäre. Erst im vergangenen Juli hatte Innenminister Herrmann (CSU) bei einem Treffen mit Bambergs Oberbürgermeister Starke betont, dass der Freistaat Bayern weiterhin auf die zentrale Funktion des Ankerzentrums setze und sein Betrieb auch 2026 fortgesetzt werden solle.
Rückgang der Belegungszahlen
Auf der Suche nach Alternative hatte die Stadt Bamberg geplant, nach einer möglichen Schließung des Ankerzentrums auf eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten zu setzen. 26 mögliche Standorte im Stadtgebiet sind bereits identifiziert worden, doch einige gelten als ungeeignet.
Die Belegungszahlen in der Einrichtung sind zuletzt deutlich zurückgegangen. Während im Mai 2024 noch rund 1500 Geflüchtete dort lebten, waren es im Mai 2025 nur noch etwa 700. Ursächlich hierfür ist unter anderem die sinkende Zahl an Syrern, die nach Deutschland kommen, da Syrien das Hauptherkunftsland der Geflüchteten war. Die Auslastung der Einrichtung hat sich somit erheblich entspannt.
In Bayern existieren Ankerzentren in allen Regierungsbezirken. Ihre Aufgaben besteht darin, verschiedene Behörden an einem Standort zu bündeln. Ziel ist es, Asylverfahren effizienter zu gestalten und Abschiebungen von Menschen ohne Bleiberecht zu beschleunigen.
Die Einigung zwischen der Stadt Bamberg und dem Freistaat Bayern beendet eine jahrelange Diskussion über die Zukunft der Einrichtung. Während der Betrieb befristet weitergeführt wird, kann die Stadt das Gelände übernehmen und langfristig entwickeln. Damit wird ein Kompromiss erzielt, der sowohl die Interessen des Freistaats als auch die Pläne der Kommune berücksichtigt. sl/mit dpa
Vorschaubild: © Ralf Welz / inFranken.de (Archivbild)
Man kann davon ausgehen, dass in den nächsten 10 Jahren alles beim alten bleiben wird.
Der Stadtrat und der Oberbürgermeister haben versagt - sind aber alle unschuldig, wie immer!
@skowro
der Fußboden, in den Wohnungen, war/ist, damals von den Amerikanern mit einem speziellen Kleber verlegt worden, welcher nicht so gesund ist. Mein Stand.
Ich finde es ungerecht, dass die 70 Wohnungen am Ankerzentrum nur für Beamte reserviert sind. In Bamberg gibt es rund 30.000 Familienhaushalte, aber gleichzeitig stehen auf dem Wohnungsmarkt oft nur etwa 100 bis 150 Mietwohnungen zur Verfügung. Viele Familien suchen dringend ein Zuhause, und jede einzelne Wohnung zählt. Auch wenn 70 Wohnungen nur 0,2 % des gesamten Bestandes ausmachen, könnten sie für 70 Familien sofort Entlastung bringen. Deshalb wirkt es unfair, wenn dieser Wohnraum nicht allen offensteht.
Warum werden die alten (niedrigen) Belegungszahlen aus dem Mai 205 genannt und nicht die aktuellen ? Diese dürften sich nach Ankunft von Personen aus der Ukraine mindestens wieder bei 1500 Personen bewegen.
Der BR hat aktuelle Zahlen: „Insgesamt ist die Erstaufnahmeeinrichtung für 3.400 Menschen ausgelegt. Aktuell (Stand: 05.12.25) sind 1.247 Flüchtende im AEO untergebracht.“
Das ist aber lediglich eine Momentaufnahme, denn:
„Von Juli bis November stiegen die Zahlen dann wieder auf durchschnittlich 426 Aufnahmen pro Monat. Die Regierung von Oberfranken erklärt das mit speziellen Zuständigkeiten für die Aufnahme von Menschen aus Syrien, Georgien, Russland und Marokko und temporär auch für Flüchtende aus Afghanistan und der Türkei. "Diese temporäre Zuständigkeit ist derzeit aber wieder entfallen“, schreibt die Regierung.“