340 Gramm leicht, 26 Zentimeter lang, acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin kam Fritz im Dezember letzten Jahres zur Welt. Das kleinste Frühchen, das bisher am Klinikum Coburg geboren wurde. Ein knappes Jahr später lacht er in die Kamera. Die Kulisse: die lilafarben beleuchtete Veste Coburg. Er ist der kleine Star des Welt-Frühgeborenen-Tages, der am Dienstag auch in Coburg gefeiert wurde.

Seine Eltern, Jennifer Backert und Simon Hümmer, sind überglücklich: "Fritz entwickelt sich prächtig. Lacht, grinst, flirtet den ganzen Tag." Er robbt durchs Zimmer, möchte am liebsten sitzen und seinen Brei essen.

Die Erinnerung an die Tage nach der Geburt, die Ängste, ob alles gut geht, ob der Sohnemann das alles es schafft, kommen immer wieder mal hoch. "Einmal hatte er eine Lungenentzündung, da waren wir in großer Sorge." Nach fast einem halben Jahr, kurz nach seinem ursprünglich errechneten Geburtstermin, konnte der kleine Kämpfer mit dem fast Zehnfachen seines Geburtsgewichts das Klinikum verlassen. Mittlerweile wirkt Jennifer Backert sehr entspannt. Zweimal die Woche geht sie mit Fritz zur Frühförderung. Auch an den Augen musste er schon operiert werden. "Das kommt bei Frühchen öfters vor und hängt mit der Sauerstoffversorgung zusammen", erklärt der Vater.

Die Geschichte des kleinen Fritz ist eine Erfolgsgeschichte. Nicht nur für die glücklichen Eltern - auch fürs Klinikum Coburg.

Extreme Frühchen wie Fritz stellen auch im Perinatalzentrum Coburg die Ausnahme dar.

In einem Perinatalzentrum, wie Coburg es ist, ist das gesamte Personal speziell auf die Betreuung von Risikoschwangerschaften und Frühgeburten geschult. Das beginnt bei den Hebammen, setzt sich bei den Pflegekräften auf der Frauenstation fort und endet bei den Kinderkrankenschwestern und Kinderärzten der Neugeborenenstation der Kinderklinik.

Schon vor der Geburt nehmen die Neonatologen - das sind Kinderärzte, die speziell für die Behandlung von Frühgeborenen ausgebildet wurden - mit den Eltern Kontakt auf und klären diese gemeinsamen mit den Pflegekräften der Kinderklinik auf. Kommt es dann zu einer Frühgeburt, so werden die Frühgeborenen durch eine hochtechnisierte Intensivstation aufgefangen. "Neben High-Tech gibt es bei uns aber auch High-Touch", betont Chefarzt Peter Dahlem. "Vom ersten Tag an können die Eltern bei ihrem Kind sein und es emotional unterstützen. "Schon einige Tage vor der Entlassung, wird dieser Tag mit den Eltern vorbereitet. Damit ermöglichen wir eine sanfte Landung für die junge Familie zu Hause. Aber auch zu Hause lassen wir die Eltern nicht alleine, denn unsere Nachsorgeteams des ,Bunten Kreises' und ,Harl.e.kin' pflegen den Kontakt mit den Eltern, bieten Unterstützung und Hilfe an und besuchen die Familien zu Hause," erläutert der Mediziner.

Weniger Frühgeborene

Auf ein besonderes Phänomen möchte Dahlem angesichts seiner Aktualität noch hinweisen: "Aktuell zeigen Untersuchungen aus benachbarten Ländern wie Dänemark, dass der Covid-19 bedingte Lockdown mit der Entschleunigung vieler Lebensprozesse zu einem sehr deutlichen Rückgang der Frühgeborenenrate geführt hat." Dies sei ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die familiären, psychosozialen und beruflichen Lebenssituationen auf die Frühgeburtlichkeit einen Einfluss haben."