Aus den Nachrichten ist mir ein Satz hängen geblieben. Eine Betroffene der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands stand mit Tränen in den Augen vor den Trümmern ihres Hauses und sagte und zittriger Stimme: "Wie kann uns der liebe Gott sowas antun?"

Beim Nachdenken über diesen Satz muss ich sagen: Die Frau macht es richtig. In all dem Leid, all der Trauer und allem Verlust weiß sie, dass Gott ein Adressat für ihre Gefühle ist. Gott ist ein Adressat für ihre Anklagen. "Warum? Wie kannst du?"

Ich kann verstehen, wenn diese Frau an einem "lieben Gott" zweifelt, enttäuscht ist und ihm Vorwürfe macht. Mit diesem Verhalten steht sie in einer langen Tradition von Menschen, die Gott nicht nur lobpreisen, sondern ihm auch schwere Vorwürfe machen.

Nehmen wir Hiob oder die Psalmen, in denen Gott heftig angeklagt wird. Doch trotz allen Zweifeln an Gottes Liebe und Fürsorge beenden die Psalmenbeter oder Hiob die Auseinandersetzung mit Gott nicht mit der Anklage. Mit ihren Zweifeln an seinem Handeln wenden sie sich an gerade diesen Gott, der sie so enttäuscht hat. Paradox. Vielleicht aber auch heilsam? Alle Klagepsalmen enden mit dem Bekenntnis, dass Gott trotz aller Trauer und aller Verzweiflung ein tröstender und heilender Gott ist.

Neben allen Spenden, durch die wir den vom Hochwasser betroffenen Menschen helfen können, ist eines ebenfalls eine Not wendende Hilfe: unsere Fürbitte. Unser Einstehen bei Gott, damit Er den Menschen in ihrer Not begegnet. Unsere Bitte darum, dass Er wahren Trost und neuen Lebensmut schenkt. Beten Sie mit für die Menschen, denen gerade jedes Gebet im Halse stecken bleibt und die nicht wissen, ob sie noch an einen mächtigen Gott glauben können.