Seit einem Vierteljahrhundert lebt Siegfried Streng in dem Haus direkt am Sendelbach in Dorgendorf. Doch das hat er nie erlebt. Überschwemmte Wiesen, ja, aber dass der Bach hier über die Schutzmauer tritt, nicht nur sein Haus, sondern auch noch etliche andere und die ganze Dorfstraße überflutet, das hat es noch nicht gegeben - bis zum Freitag, 17. Juni 2016. Gegen sechs Uhr früh wurde Familie Streng von der Feuerwehr aus dem Schlaf gerissen. Kurz darauf stand draußen das Wasser bis an die Unterkante der Fenster. Dank eilig aufgebauter Sperren mit Sandsäcken, Planen und anderem stieg es im Haus selbst nur auf etwa 20 bis 30 Zentimeter.
Als das Wasser am Abend wieder weg war, fehlte zum Bach hin zwar ein Stück vom Hinterhaus - eine Mauer, die die Flut mitgerissen hatte - doch ansonsten schien Familie Streng Glück gehabt zu haben. Aber schon am nächsten Tag begann sich alles aufzulösen, was erst zwei Jahre zuvor renoviert worden war: Sandstein- und Rigipswände, Türstöcke und Türen ...


Großartige Nachbarschaftshilfe

Siegfried und Bettina Streng und ihr Sohn Christoph hatten immer noch Glück. Schräg gegenüber hatten Nachbarn eine Einliegerwohnung frei, in die sie ziehen konnten. Und sie hatten - anders als manch andere Betroffene - eine Elementarschaden-versicherung.
"Die Hilfe der Freunde, der Nachbarn, der Feuerwehren - das war bombastisch", erinnert sich Siegfried Streng. Doch das, was danach kam, führte dazu, dass sich bei ihm einiger Frust aufgebaut hat. Die Meldung, dass die Flutgeschädigten im Landkreis Bamberg auf staatliche Hilfe verzichten müssen, weil "ihr" Hochwasser eben kein 100-jährliches war, brachte dann das Fass zum Überlaufen. "Statt einer unkomplizierten Soforthilfe bekommt man nach acht Wochen Bescheid, dass die Region nicht stark genug betroffen sei und es deswegen keine Unterstützung gebe", schrieb er in einem Brief an den FT.


Andere noch schlechter dran

Siegfried Streng weiß, dass es andere noch schwerer getroffen hat. Zum Beispiel Familien, die neu gebaut, aber keine Elementarversicherung haben. Er will nicht nur für sich sprechen, sondern für alle, die durch das Unwetter in Not geraten sind. Er erwartet auch nicht, dass jemand mit dem Geldkoffer vorbeikommt und alles bezahlt. "Soforthilfe muss nicht immer finanziell sein", stellt er klar. Obwohl sich die Rechnungen und Kostenvoranschläge inzwischen auf 112 000 Euro summieren. Und auch vonseiten der Versicherung herrscht derzeit Funkstille, weil die der Ansicht ist, das beschädigte Rückgebäude sei nur eine Terrasse und daher laut Police nur mit 10 000 Euro versichert.
Es sind vor allem alltägliche Probleme, bei denen sich die Strengs von den Behörden allein gelassen vorkommen - und die wohl auch andere so erlebt haben dürften. Wohin etwa mit all dem Müll und unbrauchbar gewordenen Hausrat, dem angespülten Unrat und den Ästen? Hätten nicht die Stadt oder der Landkreis einen Container aufstellen können für all die Betroffenen im Ort? Stattdessen musste sich Siegfried Streng skeptische Nachfragen anhören, wenn er zum x-ten Mal Bauschutt zum Wertstoffhof nach Breitengüßbach brachte. Es würde schon helfen, wenn mal jemand vorbeikommen und fragen würde, was gebraucht wird, meint Siegfried Streng.