Die Entwicklung vom Ringer-Talent zum gestandenen Athleten, der im Kreise der Männer national und international mithält, hatte der aus Klosterlangheim stammende Hannes Wagner bereits abgeschlossen. Nach Erfolgen und Medaillen im Jugend- und Juniorenbereich sowie in der U23-Klasse fehlte nur noch ein Treppchenplatz bei den Männern. Dies gelang dem Bundesliga-Ass des AC Lichtenfels im Februar dieses Jahres. Nachdem Wagner 2019 in seinem ersten Jahr in der Männerklasse den Europameisterschaftskampf um Platz 3 gegen den Weißrussen Stanislaw Schafarenka noch verloren hatte, gewann er in Ostia (Italien) diesmal Bronze - und zwar gegen den gleichen Kontrahenten. Nach spannendem Kampf behielt der Oberfranke verdient mit 8:3 die Oberhand. Beim letzten Angriff des Weißrussen riss er bereits jubelnd die Arme hoch. "Ein unglaubliches Gefühl", meinte Wagner hinterher.

Dass der damals 24-Jährige nicht in der im September beginnenden Bundesliga-Saison für den AC Lichtenfels auf die Matte gehen konnte, wusste Wagner im Februar noch nicht.

Beim ACL liefen bereits die Planungen für die neue Kampfzeit auf Hochtouren. Nach der sieglos beendeten Saison 2019 wollten die ACL-Verantwortlichen mit zahlreichen Neuzugängen und einem neuen Sponsoring- und Wirtschaftskonzept erfolgreicher mitmischen.

ACL sagt Bundesliga-Start ab

Nachdem der Bundesliga-Start auf Anfang Oktober verschoben worden war und keine Zuschauer vorgesehen waren, riss ACL-Vorsitzende Britta Beier Anfang August die Reißleine und sagte die Teilnahme an der Bundesligarunde ab. "Keiner hat sich die Entscheidung leicht gemacht", beteuert Beier, "natürlich wollen wir ringen. Schließlich sind wir ein Ringerverein".

Die Gründe waren vielfältig, ebenso wie die vielen offenen Fragen. Schließlich trage man eine Verantwortung gegenüber den Aktiven, Zuschauern und Sponsoren, hieß es. All das führte letztlich zur Entscheidung gegen eine Teilnahme an der Bundesligarunde 2020.

Bundesliga-Saison abgebrochen

Wagner musste sich als Nationalmannschaftsringer somit nach einer Alternative umsehen. Der 25-jährige, im Polizeidienst stehende Ringerprofi wurde vom ACL an den ASV Schorndorf verliehen und wollte sich dort für die internationalen Aufgaben in Form bringen. Zweimal durfte Wagner in der 86-Kilo-Klasse griechisch-römisch auf die Matte. Beide Male gewann er (7:1 gegen Nürnberg, 5:0 in Hösbach).

Anfang November beschlossen die Bundesliga-Vereine, die Saison abzubrechen. Ohne Zuschauer wäre der Betrieb zu einem Draufzahlgeschäft geworden. 2021 will der ACL im 100. Jahr seines Bestehens wieder in der Bundesliga dabei sein.