Dass eine Anzeige wegen Körperverletzung auch nach hinten losgehen kann, zeigte sich bei der jüngsten Verhandlung am Haßfurter Amtsgericht.
Ein 28 Jahre alter Mann, der den Inhaber eines Handyladens angezeigt hatte, landete schließlich selber auf der Anklagebank: wegen falscher Verdächtigung. Der "nicht gravierende Fall" (Amtsrichterin Ilona Conver) wurde mit einer kleinen Geldstrafe geahndet: 25 Tagessätze á zehn Euro, also insgesamt 250 Euro.
Die Vorgeschichte: Am 4. September letzten Jahres betrat der 28-Jährige kurz vor Mittag einen Handyshop in der Kreisstadt. Zu dieser Zeit befand sich neben dem Chef (45) eine 19-jährige Auszubildende im Laden. Wie der Geschäftsmann im Zeugenstand aussagte, war ihm der Mann als bis dato freundlicher und zuvorkommender Kunde bekannt. An jenem Tag aber wollte sich der Besucher offenbar wegen eines Handy-Vertrags beschweren.


Unschöner Disput

Doch anstelle einer vernünftigen Aussprache kam es zu einem unschönen Disput zwischen den beiden. Und als der Kunde immer lauter wurde, erläuterte der selbstständige Kaufmann das weitere Geschehen, habe er ihn wiederholt aufgefordert, die Geschäftsräume zu verlassen. Nachdem dies nichts fruchtete, packte der untersetzte, aber kräftig gebaute Kaufmann den nunmehr ungebetenen Besucher mit einer Hand am Oberarm und schob ihn mit der anderen am Rücken zur Ladentür hinaus.
Die Version, die der Beschuldigte präsentierte, hörte sich ganz anders an. Demnach sei er mit der Faust in die linke Seite geschlagen worden, lautete seine Einlassung. Auf dem Heimweg habe er derart massive Schmerzen in Schulter und Rücken bekommen, dass er den Notarzt rief. Die Sanitäter brachten den aufgeregten und hyperventilierenden Mann in die Notaufnahme der Haßberg-Kliniken, wo er eine Infusion bekam und nach kurzer Zeit entlassen wurde. Als in der Ambulanz ein Polizeibeamter erschien, erstattete der angeblich Verletzte Anzeige gegen den Geschäftsmann wegen Körperverletzung.
Der Polizist fuhr daraufhin zu dem Handyladen. Als er hörte, wie der Inhaber und die Auszubildende den Vorfall schilderten, ergab sich für ihn ein völlig anderes Bild. Die Ermittlungen wurden daraufhin quasi "umgedreht": Das Augenmerk des Staatsanwalts richtete sich nicht mehr gegen den Ladenbesitzer wegen Körperverletzung, sondern gegen den 28-Jährige n wegen falscher Verdächtigung.
Dass das Gericht und der Vertreter der Anklage dem Firmenchef glaubten, lag zum einen daran, dass die damalige Auszubildende - die jetzt nicht mehr dort arbeitet - im Zeugenstand ruhig und sachlich den gewaltlosen Ablauf beschrieb. Zum anderen lässt sich aus dem Attest des Arztes, der seinerzeit die Untersuchung vornahm, keine Verletzung herauslesen.


Geldstrafe und Verfahrenskosten

Nach diesem Ergebnis der Beweisaufnahme plädierte Ilker Özalp seitens der Staatsanwaltschaft auf eine Geldstrafe von 300 Euro. Zwar lag der Schuldspruch etwas niedriger, aber der Verurteilte muss zudem die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen. Eine förmliche Erklärung über einen Rechtsmittelverzicht gab es zwar nicht, aber das Verhalten der Prozessbeteiligten lässt darauf schließen, dass das Urteil nicht angefochten wird.