Stephan herbert fuchs

Auf den ersten Blick ist es eine Polizistenbeleidigung, wie sie nicht selten vorkommt. Die Heftigkeit der Worte aber und die Tatsache, dass derart aggressive Fälle in der Region zunehmen, stimmt nachdenklich. Das Amtsgericht in Kulmbach hat am Dienstag einen 19-jährigen Mann zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte mit 2,16 Promille Alkohol im Blut zwei Beamte der Polizeiinspektion Kulmbach über einen längeren Zeitraum massiv beleidigt.
"Es häuft sich", sagte einer der beiden Beamten, der als Zeuge geladen war. Über einfache Beleidigungen, zu denen es im Eifer des Gefechts komme, könne er hinwegsehen, nicht jedoch über derart massive Beleidigungen, wie sie der 19-Jährige gegenüber ihm und seinen Kollegen ausgesprochen hatte.
Zusammen mit drei anderen war der junge Mann am 23. Oktober kurz nach Mitternacht in einem Tanzcenter im Landkreis Kulmbach auffällig geworden. Er soll sich aggressiv verhalten, randaliert und Gäste angepöbelt haben, ehe der dortige Sicherheitsdienst die Polizei verständigte. Die anderen drei jungen Männer zeigten sich einsichtig, der Angeklagte nicht. Als ein ausgesprochener Platzverweis und ein Hausverbot keine Wirkung zeigten, nahmen die beiden Beamten den Angeklagten fest, wogegen sich der 19-Jährige heftig zur Wehr setzte.
Er habe sich zusammensacken lassen und mehrfach dagegen versperrt, ins Polizeiauto gebracht zu werden, berichtete der Beamte. Schließlich half freilich die gesamte Gegenwehr nichts, der Mann musste die Nacht in einer Arrestzelle der Polizei verbringen. Nicht jedoch ohne die Beamten mit dem üblichen, unter der Gürtellinie angesiedelten Vokabular zu beleidigen. Das war allerdings noch nicht alles, der Angeklagte soll sogar gedroht haben, den beiden Polzisten bei der nächsten nächtlichen Begegnung die Nasen zu brechen.
Der Angeklagte selbst konnte sich vor Gericht an gar nichts mehr erinnern. "Wissen Sie überhaupt noch irgendetwas?", wollte Jugendrichter Christoph Berner wissen, der Angeklagte schüttelte nur mit dem Kopf. Natürlich bereue er das Ganze und reichte dem Polizisten im Gerichtssaal die Hand zur Entschuldigung. Mittlerweile trinke er keinen Alkohol mehr, Grund dafür ist eine Arbeitsstelle, die der Mann im Herbst angetreten hatte und die er auch unbedingt behalten möchte.
Aufhorchen ließ der Blick in das Vorstrafenregister des Angeklagten. Nur elf Tage vor der Tat wurde er wegen eines nahezu identischen Falles zu 80 gemeinnützigen und unentgeltlichen Arbeitsstunden verurteilt. Weil er im Juni des vergangenen Jahres mit dem Auto im Stadtgebiet von Kulmbach mit 1,4 Promille unterwegs war und bei der Kontrolle die beiden Polizisten ebenfalls massiv beleidigt hatte, wurde er damals verurteilt.
Unter Einbeziehung dieses Urteils forderte Staatsanwalt Julius Klug einen Freizeitarrest, 500 Euro Geldauflage und die 80 Arbeitsstunden aus dem Ersturteil. "Nur elf Tage nach einem Urteil wegen einer nahezu identischen Tat, das ist unverzeihlich", sagte der Anklagevertreter.
Richter Berner entschied schließlich auf eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro zugunsten der Jugendsozialarbeit der Geschwister-Gummi-Stiftung. Auch der Richter sah eine gewisse "Tendenz zur Verrohung" in der Gesellschaft. Da müssten Grenzen gesetzt werden, meinte Berner.
Zusätzlich zu der Geldstrafe muss der Angeklagte fünf Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und auch sein Führerschein bleibt gesperrt. Vor Ablauf von vier Monaten darf er keine neue Fahrerlaubnis beantragen. Als Verurteilter hat der Angeklagte außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen. Nachdem der 19-Jährige mittlerweile einer festen Arbeit nachgeht und einen geregelten Tagesablauf hat, verzichtete das Gericht auf die Verhängung eines Freizeitarrestes.