Eine prekäre Situation in der Landwirtschaft beklagte BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich am Freitagabend zur Kreisversammlung im Gustav-Dietrich-Haus.
Die Preise bei Schweinen und Ferkeln seien im Keller, ebenso der Milchpreis, und auch die Weizenpreise ließen zu wünschen übrig. Die angekündigte Rekordernte in Amerika würde diese Situation noch verschärfen. Seien vor 30 Jahren 505 Millionen Tonnen Milch auf den Markt geflossen, so habe sich diese Menge bis 2015 auf 780 Millionen Tonnen erhöht. Die deutschen Landwirte, so Ehrlich, müssten sich auf dem globalen Markt behaupten und zu Weltmarktpreisen produzieren, hätten aber mit weitaus schärferen Auflagen und Beschränkungen zu kämpfen als ihre Berufskollegen in Europa und darüber hinaus.
"Eine Verordnung nach der anderen", klagt Ehrlich, bei den Einschränkungen beispielsweise aus der Düngeverordnung sei ein qualitativ hochwertiger Weizenanbau fast nicht mehr möglich. Mineraldünger müsse in Größenordnungen zugekauft werden, und dann würde man in der Öffentlichkeit noch mit Glyphosphat im Bier Stimmung machen und Ängste schüren. Von Ohrmarken bis Meldefristen, von FFH-Gebieten bis zum Flächenverbrauch - die Landwirte fühlen sich auf der ganzen Linie kontrolliert und sanktioniert.


Miese Preise für Top-Produkte

Zu all dem kämen noch miserable Preise für hochwertige Lebensmittel und ein Bild in der Öffentlichkeit, das von der Realität weit entfernt sei. Von der Politik sei man bitter enttäuscht und fühle sich im Stich gelassen. Dabei, erklärte der Kreisobmann einmal mehr, sei Landwirt einer der bestausgebildeten Berufe. Aber man müsse jungen Leuten mit Meisterqualitäten auch eine Perspektive bieten und dürfe sie nicht nur gängeln.
In diesem Sinne hatten die Landwirte des Landkreises Coburg im vergangenen Jahr an zahlreichen Demos teilgenommen, hatten ihren Unmut über die Schleuderpreise großer Supermarktketten deutlich zum Ausdruck gebracht, was Geschäftsführer Hans Rebelein in seinem Jahresrückblick resümierte. Auch er sprach von einem katastrophalen Jahr, in dem der Milchpreis unter 30 Cent gerutscht ist und die Preise bei Mastschweinen um 120 Euro, bei Ferkeln um die 30 Euro und bei Getreide bei 13 Euro je Dezitonne "dahin vegetierten". Die Bauern, so Rebelein, fühlten sich in der Zerreißprobe zwischen Preisen, Kritik und Schlagzeilen, zwischen politischem Aktionismus sowie Umwelt- und Tierschützern. Und immer neue Verordnungen würden angekündigt, wie das ganzjährige Verbot der Anbindehaltung bei Kühen. "Wenn das durchgesetzt wird", prophezeite Rebelein, "geben in unseren kleinen Strukturen viele Bauern ihren Hof auf, weil sie nicht mehr mithalten können."
All diese Kritik gingen an diesem Abend in Richtung Europapolitik und an die Europaparlamentarierin Monika Hohlmeier (CSU). Auch Hohlmeier monierte das falsche Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung und den fehlenden Realitätssinn, über das was Landwirtschaft eigentlich ist. Und so käme halt auch ein Glyphosphat-Skandal zustande und mache Angst. "Eine solche Panikmache", erklärte Hohlmeier, "werfe ich den Grünen und auch den Linken vor."
Landwirtschaft habe sich vielmehr global verändert, und das müsse man im offensiven Dialog immer wieder zeigen. Mit Tagen des offenen Hofes oder anderen Aktionen beispielsweise. Mit dem Wegfall Russlands als Exportland würden die Landwirte hierzulande hart getroffen, weil nun auch andere Russlandlieferanten auf den Markt stießen. Neue Märkte müssten erschlossen werden, und Hohlmeier sprach hier von Iran, Ägypten oder Libyen. Die Europaabgeordnete forderte neue Strategien, um europäische Lebensmittel auch offensiv zu vermarkten. Das heiße auch, bei Auflagen und Beschränkungen für deutsche Landwirte zu agieren, auch, weil anderswo eben nicht fair gespielt werde.


Verhältnismäßigkeit passt nicht

Die Verhältnismäßigkeiten würden nicht mehr stimmen, Marktentlastungsmaßnahmen seien dringend erforderlich, wie unter anderem Lebensmittellieferungen in Flüchtlingslager. Dafür müssten die entsprechenden Gelder zur Verfügung gestellt werden. Und es sei auch dringend erforderlich, sich mit den Wettbewerbsrechten im Einzelhandel auseinanderzusetzen.


Vorteile für Populisten

Wer in diesen Tagen simple populistische Lösungen anbiete, der habe die Nase vorn, erklärte Christian Gunsenheimer (FW), stellvertretender Landrat, und appellierte an die Landwirte, die vermeintlichen Gegner zum Dialog einzuladen. Ins Gustav-Dietrich-Haus ebenso wie zum Tag des offenen Hofes. Und dafür sucht der BBV-Kreisverband noch einen Betrieb, der in diesem Jahr seine Pforten öffnet und moderne Landwirtschaft interessierten Mitbürgern aus der Region informativ zu präsentieren weiß.