Stellen Kinderbetreuungsstätten eine Gefahr für eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 dar? Welchen Einfluss hat die Covid-19-Pandemie auf die Kindergesundheit? Diese zentralen Fragen soll die flächendeckende Studie "Covid Kids Bavaria", an der laut eigenen Angaben auch das Universitätsklinikum Erlangen beteiligt ist, beantworten.

12 000 Abstriche

Bis Januar 2021 werden über 12 000 Corona-Abstriche in 138 bayerischen Grundschulen, Kinderkrippen und Kindergärten gesammelt und auf das Virus untersucht. Getestet werden Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sowie Lehrer und Betreuer. Erste Ergebnisse gibt es voraussichtlich im Frühjahr 2021.

"Covid Kids Bavaria" wird von der Ludwig-Maximilians-Universität München koordiniert; die Uni-Kliniken Erlangen, Augsburg, Regensburg und Würzburg sowie das Klinikum rechts der Isar sind Kooperationspartner. Der Freistaat Bayern trägt die Studienkosten in Höhe von einer Million Euro.

Nach den Pfingstferien besuchten die ersten Schüler in Bayern wieder die Schule. Im Juli durften auch alle Kindergarten- und Krippenkinder in ihre Einrichtungen zurückkehren. Seitdem begleiten Forschungsteams an den sechs bayerischen Uni-Kliniken die Öffnung von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen wissenschaftlich.

"Wir haben bisher keine umfassenden und wissenschaftlich belastbaren Daten zu der Frage, wie infektiös Klein- und Schulkinder tatsächlich sind. Dieses Wissen wollen wir jetzt gewinnen", erklärt Prof. Dr. Joachim Wölfle, Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Uni-Klinikums Erlangen.

Geleitet wird das Erlanger Studienteam von Prof. Dr. Antje Neubert. Die Forschungsgruppe ist für die Probenentnahme in den acht Bundestagswahlkreisen Erlangen, Bamberg, Bayreuth, Hof, Fürth, Nürnberg Nord, Nürnberg Süd und Roth zuständig.

"Wir machen Rachenabstriche in je einer ausgewählten Grundschule und ein bis zwei Kinderbetreuungseinrichtungen pro Wahlkreis. Natürlich sind die Abstriche freiwillig - Elternbeiräte, Erzieher und natürlich auch die Eltern und die Kinder selbst müssen zustimmen", erklärt Antje Neubert, Leiterin der Zentrale für Klinische Studien in der Kinderklinik.

Allein das Erlanger Forschungsteam sammelt so an drei Erhebungszeitpunkten im Oktober 2020, zum Jahresende 2020 und zu Beginn des Jahres 2021 ca. 1500 bis 2000 Abstriche. "Wir sind immer noch auf der Suche nach Grundschulen und Kindertagesstätten, die an der Erhebung teilnehmen wollen. Denn der Status quo der Öffnungen kann nur erhalten bleiben, wenn wir auch wissenschaftlich begründen können, dass das jetzige Prozedere tatsächlich unproblematisch ist", appelliert Prof. Neubert.

Fragebögen

Daneben wird mit Online-Fragebögen untersucht, ob und wie stark sich die Pandemie auf die Befindlichkeit und die Gesundheit von Kindern ausgewirkt hat - ob geplante Arztbesuche aus Sorge vor einer Ansteckung abgesagt wurden oder ob das Kind Probleme mit dem Mund-Nasen-Schutz hatte. red