Am 20. Juli sind alle in der Bundesrepublik wichtigen Militärs und Wissenschaftler in Berlin versammelt, um der Opfer des 20. Juli 1944 zu gedenken. Der bekannteste Mann des nationalkonservativen Widerstands gegen das Hitler-Regime ist Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Seine Lebensgeschichte ist bekanntlich eng mit Bamberg verknüpft. Die Willy-Aron-Gesellschaft, die Katholische Erwachsenenbildung in der Stadt Bamberg und die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) laden bereits am kommenden Dienstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr zu einem Vortrag in die KHG (Friedrichstraße 2) ein, in dem auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum 20. Juli 1944 dargelegt werden. Unsere Zeitung sprach vorab mit dem Referenten, Oberst Professor Dr. Winfried Heinemann, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam.
Graf Claus von Stauffenberg und seine Mitstreiter sind 1944 mit ihrem Staatsstreichversuch gescheitert. Bis heute gibt es Stimmen, die diesen Männern einen "Aufstand des Gewissens" absprechen. Was sagen Sie diesen Leuten?
Winfried Heinemann: Widerstand entsteht zunächst aus politischem und militärischem Sachverstand, als Protest gegen die Entpolitisierung der deutschen Gesellschaft und gegen Hitlers Eingriffe in die Operationsführung. Je mehr aber die konkreten Erfolgsaussichten schwinden, umso deutlicher tritt hervor, dass dahinter auch sehr grundsätzliche ethische und religiöse Motive stehen.

Welche ethischen und religiösen Motive können den Widerständlern zugesprochen werden?
Die Angehörigen des nationalkonservativen Widerstands sehen, dass Deutschland durch die begangenen Verbrechen friedensunfähig geworden ist: Mit diesem Regime wird die Welt keinen Frieden schließen. Darüber hinaus empfinden sie aber die Weiterführung eines sinnlos gewordenen Krieges auch als Verbrechen am deutschen Volk, das von Hitler in die Vernichtung geführt wird.

Nach militärischen Motiven für den Widerstand wurde bislang kaum gefragt. Gab es solche Motive?
Die Militärs unter den Verschwörern sehen, dass Hitlers dilettantische Führung unnötige Verluste fordert. Die mehrfache Zersplitterung in Heer, Waffen-SS, Erdkampfverbände der Luftwaffe, "Volksgrenadierdivisionen" und dann auch noch den "Volkssturm" erscheint ihnen als aberwitzig. Aber dahinter steht dann immer mehr, dass Hitler sie alle zu Komplizen in einem Menschheitsverbrechen gemacht hat - das treibt sie letztlich, den Umsturz auch dann noch zu versuchen, als die Aussichten mehr als ungewiss sind.

Stauffenberg war Soldat. Könnte er in seiner Motivation für Widerstand ein Vorbild sein für den Soldaten heute?
Ja, das kann er - deshalb sieht sich die Bundeswehr ja auch in seiner Tradition und jener der anderen Verschworenen. "Soldat" im Sinne der Inneren Führung ist eben nicht "Söldner", sondern der Staatsbürger in Uniform, der weiß, wofür er kämpft und was er verteidigt. Im Letzten geht es um "Recht und Freiheit", wie es das Soldatengesetz formuliert - und das galt auch für Stauffenberg, Major Roland von Hößlin, Graf von Marogna-Redwitz, General von Thüngen, Major von Leonrod und die anderen.

Die Fragen stellte
Marion Krüger-Hundrup.