A uf dem Fußballfeld hat sich Adrian Dußler durch seine filigrane Spielweise einen Namen gemacht. Aktuell kickt er beim TSV Abtswind (nahe Drei-Franken-Eck), schnürte aber auch schon für die Würzburger Kickers und den FC Bayern München die Fußballschuhe. Nun möchte sich der 25-Jährige auch in der Spielewelt etablieren. Mit dem Kartenspiel "Partout" ist dem Studenten während der Corona-Pause der erste große Wurf gelungen.

Eigentlich hat sie Dußler gar nicht getaugt, die lange Fußballpause. "Vier Monate ohne Tore und Zweikämpfe waren schon ätzend", sagt der gebürtige Augsburger. Doch der Mittelfeldstratege hat schnell Ablenkung gefunden. Nicht mit dem runden Leder, sondern mit Karten. "Schon als ich klein war, habe ich Gesellschaftsspiele geliebt. Meine Mutter erzählt, dass ich sie immer so lange genervt hab', bis sie mit mir gespielt hat. Auch mein jüngerer Bruder musste als Spielpartner herhalten", erinnert sich Dußler. Gemeinsam mit seinem Bruder entwickelte er auch erste Spiele selbst. Diese Begeisterung hat sich der Wahl-Würzburger bis heute bewahrt.

Während die gängigen Gesellschaftskartenspiele wie Skat oder Schafkopf immer öfter auf Online-Plattformen gespielt wurden, schloss sich Dußler mit zwei Freunden zusammen und organisierte kleinere, analoge Spielturniere und -abende. "Es ist etwas Anderes, wenn man mit Leuten real am Tisch sitzt. Da kommt ein ganz anderes Feeling auf", findet Dußler. Die gemeinsame Intention war, das Miteinanderspielen wieder sozialer, gesellschaftstauglicher zu machen.

Inspiriert wurde das Trio dabei vom Würzburger "Campus Dinner". Dabei wollen die Veranstalter den Studenten ein besseres Kennenlernen untereinander ermöglichen und junge Menschen aus verschiedenen Studiengängen und Semestern zusammenbringen. "Das ist ein sehr cooles Prinzip. Bei jedem Gang lernt man vier neue Leute kennen", erzählt der 25-Jährige. "Auch Spielen ist eine super Gelegenheit, Leute zu verbinden. Spiele dienen als Eisbrecher. Es entsteht kein peinliches Schweigen, sondern ein Gespräch - durch Spaß und lockere Atmosphäre."

Die Veranstaltungen stießen auf reges Interesse, so dass das Trio eine Unternehmensgesellschaft mit dem Namen "SpielMr" gründete. Ursprünglich leiteten sie die Marke vom saloppen Ausspruch "Spiel mer!" ab. Doch mittlerweile sind die Drei die "Spielmister".

Handlich soll es sein

"Wir hatten die Idee, für die Events ein eigenes Spiel zu kreieren, das ausschließlich für die Veranstaltungen gedacht war", berichtet Dußler von den Anfängen. Aber Corona machte dem Trio einen Strich durch die Rechnung. Persönliche Treffen waren fortan nicht mehr möglich.

Doch Dußler ließ die Idee des eigenen Spiels nicht mehr los. "Wir hatten einige Grundprinzipien. Das Spiel musste im Team spielbar sein und leicht zu bewerten. Die Punktevergabe musste einfach sein, um Turniere spielen zu können." Zudem stand schnell fest, dass es ein handliches Kartenspiel sein soll, das man überall mithinnehmen kann.

Inspiration holte sich der 25-Jährige bei anderen traditionellen Kartenspielen wie Wizard, Schafkopf oder Waddeln. Schnell kristallisierte sich ein Stichspiel für sechs Spieler heraus. Sechs Spieler, die in drei Teams agieren. Die Zusammensetzung ist dem "Campus Dinner" angelehnt. Auch zwei Duos sind möglich. Zusammen mit einem Partner zu spielen, hebt "Partout" von anderen Klassikern ab.

König und Hofnarr

Jeder Spieler bekommt sieben Karten auf die Hand. Danach werden Trumpfzahl von demjenigen, der beginnt, und Trumpffarbe vom Zweiten in der Runde bestimmt. Die Zahl sticht dabei stets die Farbe aus. Auf den mit mittelalterlichen Symbolen versehenen Karten sind die Zahlen 1 bis 9 abgebildet. Sie sind in den Farben Schwarz, Rot, Blau und Grün gehalten. Dazu kommen sechs Spezialkarten, die das Spiel unberechenbarer machen: der König und die Königin, die jede Runde gewinnen; der Hofnarr, der die Wirkung der beiden aufhebt, selbst aber nicht stechen kann; das Verlies, das die Wirkung einer vorhergelegten Karte annulliert; der Mathematiker, der die Trumpfzahl ändert, und die Alchimistin, die die Trumpffarbe ändert.

Jeder Spieler sagt die Stiche voraus, die er sich zutraut. Diese werden dann im Team addiert. Wird diese Anzahl erreicht, gibt es Zusatzpunkte. Zudem wird jeder Stich mit einem Punkt gewertet. "Über das Wertungssystem habe ich mir lange den Kopf zerbrochen, es zig Mal durchgerechnet, bis es gepasst hat", berichtet Dußler.

Testspieler sind zufrieden

Nachbesserungsbedarf sahen die Testspieler wenig. Die ersten Proben verliefen vielversprechend, das Feedback war unerwartet gut. Dußler und seine Kameraden wagten das Risiko, ließen die Spielidee urheberrechtlich schützen und brachten das Kartenspiel auf den Markt. "Wir haben bereits 500 Exemplare verkauft. Das ist schon cool, wie es sich verbreitet und wie mein Freundeskreis es schon spielt", ist der Spieleentwickler stolz.

Neben dem Onlineverkauf ist das Spiel auch in den Würzburger Buchläden "Neuer Weg" und "Zeychen und Wunder" (beide Sanderstraße) zu haben. Allerdings sei die Vermarktung gar nicht so leicht bei der großen Fülle an Spielen. Deshalb bereitet sich Dußler jetzt auf die Spielmesse vor, die Ende Oktober digital stattfindet ("Spiel.digital"). "Da sind wir mit 'Partout' vertreten." Dußler will weitere Kontakte knüpfen - zu potenziellen Kunden, Verkäufern und Spielebloggern. Denn sein Spiel ist noch lange nicht zu Ende. Es hat erst begonnen.

Info: "Partout" kann auf der Homepage von SpielMr (www.spiel-mr.de) für 7,90 Euro bestellt werden.