Am Amtsgericht Bamberg mussten sich zwei junge Eritreer aus Bamberg für tätlichen Angriff auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie einige Beleidigungen verantworten. Sie hatten sich nach fünf Jahren in Deutschland ohne jede Auffälligkeit Ende September 2019 auf offener Straße mit sechs Streifenpolizisten angelegt. Einer von ihnen muss jetzt eine Geldstrafe von 1350 Euro zahlen, der andere 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Alkohol zeigt Wirkung

"Wir wollten Spaß haben." Die Gruppe junger Eritreer ist in Hochstimmung. In der ostafrikanischen Heimat wird gerade einer der höchsten Feiertage begangen: das Meskel-Fest. Es erinnert an das Auffinden des Kreuzes Jesu durch die heilige Helena, die Mutter Kaiser Konstantins. In Bamberg haben die fünf Eriteer dagegen einige Flaschen Whisky gefunden. Als deren Inhalt zur Neige zu gehen droht, beschließen sie, sich kurz vor ein Uhr nachts in die Stadt aufzumachen. An einer Bushaltestelle in der Memmelsdorfer Straße ist der Ausflug nach einem Streit mit einem Passanten vorzeitig zu Ende.

Drei uniformierte Polizeistreifen möchten gerne die Ausweise sehen. Auf Seiten der jungen Männer beginnt man mit den Ordnungshütern zu diskutieren. Doch bald schon hat man genug von Worten. Die Polizisten wollen die jungen Männer zur Feststellung der Personalien in Gewahrsam nehmen. Bei einem der Nachtschwärmer, nennen wir ihn Dawit, scheinen eineinhalb Promille Alkohol und einige Marihuana-Joints ihre ganz eigene Wirkung zu entfalten. Er kann sich aus der Fixierung durch einen Polizeibeamten lösen und beschließt, auf einen anderen zuzurennen - mit aufgezogener Faust. Nur dass er Dank der Betäubungsmittel im Blut offenbar nicht schnell genug ist. Ein gezielter Fußtritt des Streifenpolizisten gegen den Oberkörper bringt den Angreifer zu Boden.

Faustschlag zeigt Wirkung

Derweil hat ein zweiter Eritreer, er hätte Issajas heißen können, sich durch geschickte Körperdrehungen aus der Fixierung zweier Polizisten entwinden können. Dummerweise löst sich dabei der Einsatzgürtel eines der Streifenbeamten, an dem auch die Dienstwaffe befestigt ist. Für einen kurzen Augenblick ist er abgelenkt. Das nutzt Dawit, um sich zu befreien und seinem Begleiter zur Hilfe zu eilen. Der wird gerade von einer Oberwachtmeisterin auf den Asphalt gedrückt. Doch auch der zweite Versuch scheitert, mit körperlicher Gewalt die Uniformierten anzugehen. Ein Faustschlag ins Gesicht streckt Dawit nieder.

Als Dawit dank der Handschellen nicht mehr mit Fäusten oder Füßen auf andere losgehen kann, besinnt er sich wieder auf das Wort. Übrigens können sowohl Dawit als auch sein Freund Issajas sehr gut deutsch sprechen und hätten den Tigrinya-Dolmetscher aus Freising bei der Verhandlung gar nicht gebraucht.

Auch in Sachen Beleidigungen kennt sich einer bestens aus. Vier Beamten gegenüber fallen die Bezeichnungen "Hurensöhne" und "Schwuchtel". Dabei mag auch eine Rolle gespielt haben, dass Dawit sich bei seinen unüberlegten Aktionen selbst verletzt hat. Schürfwunden und Prellungen an beiden Armen und im Gesicht sind das eine. Beim Sturz auf den Gehweg ist er zudem mit einer Hand in eine Glasscherbe gefallen. Das muss später im Klinikum Bamberg genäht werden.

Geständnis hilft

Am Ende des Prozesses verhängt Strafrichterin Christine Schäl eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 15 Euro. Damit gibt es keinen Eintrag im Führungszeugnis und Dawit kann seine Ausbildung fortsetzen. Vor schlimmerer Strafe rettet ihn ein Geständnis. "Er ist kein typischer Trinker und Schläger", so sein Rechtsanwalt Oliver Teichmann aus Bamberg. Das zeigten die inzwischen mehr als sechs Jahre in Deutschland, in denen Dawit sonst nie auffällig geworden sei.

Freund kommt glimpflich davon

Das Verfahren gegen seinen ebenfalls nicht vorbestraften Freund Issajas wird sogar eingestellt. Schließlich ist keiner der Ordnungshüter irgendwie verletzt worden. Issajas muss als Auflage 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit über den Verein Lifeline Bamberg ableisten. Das wird einige Monate dauern, denn der gelernte Handwerker hat die ganze Woche über alle Hände voll zu tun.