Jede Schwammspinner-Raupe frisst, bis sie zum unscheinbaren und harmlosen Nachtfalter geworden ist, einen Quadratmeter Eichenblätter (befällt allerdings auch andere Bäume). Auch in Waldstücken der Marktgemeinde Maßbach knabbern die haarigen Vielfraße an den Eichen. Der Marktgemeinderat entschied sich schließlich einstimmig für die Bekämpfung der Schwammspinner aus der Luft mit chemischen Mitteln.

Keine Panikmache

Vorher hatte fast eine Stunde lang Oberforstrat Hubert Türich vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bad Neustadt die Mitglieder des Marktgemeinderates über die "Schwammspinnerkalamität 2019", wie das Problem amtlich heißt, informiert.

Der Oberforstrat warnte aber ausdrücklich vor Panikmache und betonte mehrfach "das ist nur punktuell, auf einer Minifläche". Jedoch gelte der Grundsatz "wehret den Anfängen".

"Wir haben möglicherweise Probleme mit dem Schwammspinner und müssen eventuell Maßnahmen ergreifen" betonte Bürgermeister Matthias Klement (CSU). Oberforstrat Hubert Türich hob hervor, der Schwammspinner habe die Neigung zur Massenvermehrung, was dann gravierende Auswirkungen auf die befallenen Eichen habe. Aus einem einzigen Gelege ("Schwamm") gehen 300 bis 500 anfangs winzige Raupen hervor, deren Gefräßigkeit in den befallenen Bäumen großen Schaden anrichten und sie in manchen Fällen zum Absterben bringen kann. "Die Falter, die aus den Raupen hervorgehen, sind nicht schädlich. Sie gehören zum Ökosystem und ihnen anderen Tieren als Nahrung" , hob Türich hervor.

Tricks der Eiche

Die Eiche lebt seit Jahrmillionen mit dem Schwammspinner zusammen und hat deshalb einen Trick entwickelt, um zu überleben, erklärte er. Kahl gefressene Bäume entwickeln, wenn die Raupen zu ungefährlichen Nachtfaltern geworden sind, im Juni Johannistriebe und überleben damit, wenn auch geschwächt.

Im Amtsbezirk des AELF Bad Neustadt, zu dem die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld gehören, sind 23 Flächen mit 600 Hektar durch die Schwammspinner gefährdet, so der Oberforstrat. Es gibt in der Nähe allerdings Waldgebiete, die stark befallen sind. "Die Kollegen in Kitzingen und Schweinfurt sind nicht zu beneiden" sagte Türich. Auf dem Gebiet des Marktes Maßbach sind nur zwei Flächen mit Schwammspinner-Problemen bekannt. Diese Wälder gehören der Marktgemeinde.

Möglich ist eine Bekämpfung aus der Luft, aber die wird nur ausnahmsweise und nur mit zugelassenen Mitteln genehmigt. Es gebe europaweit auch nur eine Handvoll Firmen, die mit ihren Hubschraubern diese Arbeit durchführen können. Die Mitglieder des Marktgemeinderates hörten es gerne, dass der Freistaat zur Erhaltung der Eichenwälder die Kosten übernimmt. Es gibt allerdings einige Vorschriften. Zum Beispiel müssen Grenzabstände zu Bächen, Tümpeln oder Flächen mit Bio-Anbau eingehalten werden. In diesem Jahr würden die Eigentümer nicht mehr zur Bekämpfung "verdonnert", das ist jetzt erstmals ein Problem des Waldbesitzers. Aber das AELF bietet seine Hilfe dafür an und nimmt Anmeldungen entgegen.

Kein Rechtsanspruch

Einen Rechtsanspruch auf Bekämpfung des Schwammspinners haben Waldbesitzer allerdings nicht. Bekämpfung ist von Ende April bis zur zweiten Maiwoche möglich und sinnvoll. Das hängt auch von der Temperatur und Niederschlägen ab. mdb