Helmut Will

Als er mit seiner Familie im Jahr 2015 aus einer Mietwohnung auszog, war die Einbauschrankwand weg, wie der Vermieter danach festgestellt hat. Daher stand ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Haßberge vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Unterschlagung warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. 14 000 Euro solle die Schrankwand wert gewesen sein, sagte die Anklagevertreterin Sofia Schütz. Viele Ungereimtheiten (es war kein Übergabeprotokoll vom Ein- oder Auszug vorhanden) und unterschiedliche Aussagen führten schließlich zu der Einstellung des Strafverfahrens.
Der Angeklagte hatte die Wohnung von einer Vormieterin mit Einverständnis des Eigentümers übernommen. Allerdings wurde alles durch seinen von ihm beauftragten Bruder abgewickelt. Und der Vermieter ließ wissen: "Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr krank."
Wie alles "abgewickelt" wurde, erschloss sich dem Gericht nach Vernehmung von drei Zeugen nicht wirklich. Da der Angeklagte vor Beginn des Mietverhältnisses arbeitsbedingt länger nicht zu Hause war, haben alles seine Frau und sein Sohn geregelt. Besichtigungstermine der Wohnung mit Vermieter und dem Angeklagten hatten nie stattgefunden und schriftliche Unterlagen hierüber lagen auch nicht vor.


Als Ersatz für Arbeitsleistungen?

Der Angeklagte und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Jürgen Borowka, gaben an, dass der Angeklagte der Meinung war, er habe die Schrankwand mitnehmen können als Ausgleich für Renovierungsarbeiten, die er in der Wohnung vornahm, als noch die Vormieterin dort wohnte.
Diese gab als Zeugin an, sie habe der Familie des Angeklagten, also ihren Nachmietern, verschiedene ihr gehörende Sachen überlassen. "Von der Schrankwand, die war ja auch fest eingebaut, war mit mir nie die Rede", sagte die 66-Jährige als Zeugin.
Die Sachbearbeiterin der Polizei in Haßfurt wurde gerufen, nachdem die Schrankwand weg war. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass man das Möbel aus einer Wohnung so einfach mitnehmen konnte. "Es war ja eine Einbauwand, die mit dem Haus geliefert wurde", sagte sie.
Der 70-jährige Vermieter gab an, dass das betreffende Haus als Musterhaus von seinem Vater gekauft wurde. Da sei die Schrankwand mit eingebaut gewesen. Er stellte klar, dass der Angeklagte zu keinem Zeitpunkt die Erlaubnis erhalten habe, die Schrankwand beim Auszug mitnehmen zu können. Er konnte sich auch nicht vorstellen, dass die Vormieterin dem Angeklagten die Stellwand geschenkt habe, und das durfte sie nach seiner Darstellung nicht.


Eingestellt

Da letztlich Missverständnisse aufgrund des unüblichen Wohnungswechsels nicht ausgeschlossen werden konnten, stellte Richterin Ilona Conver das Verfahren mit Zustimmung der Prozessbeteiligten vollends ein. Privatrechtliche Forderungen bleiben hiervon unberührt.