Das aus dem südlichen Teil Bayerns stammende Schafkopf-Spiel gehörte auch in der fränkischen Region zur Wirtshauskultur. Als eines der beliebtesten Kartenspiele Bayerns kann es als Kulturgut betrachtet werden. Trotz fester Regel gibt es deutschlandweit verschiedene Spielvarianten, die von Ort zu Ort in Nuancen voneinander abweichen. So wird auch in Sand am Main eine eigene Variante gespielt, die man "Sander Schafkopf" nennt. Eine Besonderheit ist etwa das Ruf-Solo.
Der Sander Ehrenbürger Hugo Ackermann, ein begeisterter Schafkopfspieler, hat sich Gedanken gemacht. "Wenn man früher ins Wirtshaus ging, war es kein Problem, eine Schafkopfrunde zusammenzubringen. Fast jeder Wirtshausgast konnte Schafkopf spielen. Wenn man sich heute nicht vorher abspricht, kommt kaum noch etwas zusammen." Laut Ackermann sind es meistens die "Alten", die den "Schafkopf" noch beherrschen. Die Jüngeren tippen nur auf dem Handy herum. Ackermann befürchtet, dass Schafkopf eines Tages ganz in Vergessenheit gerät.
Grund genug, die Spielregel des "Sander Schafkopfs" in einem zehnseitigen Din-A5-Heftchen zusammenzufassen. Schwarz auf weiß können Anfänger und Interessenten sich Wissen aneignen oder auffrischen. Auch Kart-Kurse regt Ackermann an. Die Spielregelheftchen kann man bei ihm kostenlos erhalten. Ackermann beschreibt die Regeln; zum Beispiel: Das Unterhaltungsspiel wird mit 32 Karten von vier Spielern gespielt. Die vier bayerischen Kartenfarben unterscheiden sich in die Farben Eichel, Grün, Herz und Schellen. Die höchsten Trümpfe sind Eichel-Ober (Alter), Grün-Ober (Blauer), Herz-Ober und Schellen-Ober. Es folgen in gleicher Reihenfolge die jeweiligen Unter. Die Wertung der Karten sieht so aus: Ass (elf Punkte), Zehn (zehn Punkte), König (vier Punkte) sowie Neun, Acht und Sieben (alle drei ohne Wert). Ober haben einen Wert von drei Punkten, Unter einen Wert von zwei Punkten. Außer den Obern und Untern ist die normale Trumpffarbe Herz. Bei einem Solo kann das Spiel aber auch in eine andere Trumpffarbe "umgetauft" werden. Der oder die Spieler haben gewonnen, wenn sie 61 der insgesamt 120 Punkte angesammelt haben.
Bei einem Solo spielt ein Spieler alleine gegen seine drei Mitspieler. Bei einem Assen-Spiel arbeiten zwei Spieler gegen die anderen zusammen. Eine der Besonderheiten beim Sander Schafkopf ist das Ruf-Solo: Ein Spieler darf eine Karte seiner Wahl bei seinen Mitspielern gegen eine andere Karte austauschen. Beim anschließenden Solo-Spiel darf er aber nur sechs Trümpfe auf der Hand haben.
Ackermann erklärt auch das "Schafkopf-Fachchinesisch": Ass-Spiel, Bettel, Wenz, Solo, Ruf-Solo, Null-ouvert, Ober-Wenz, Ober-Solo, Revolution, Wenz-Tout, Solo-Tout, Solo-Sie. Wenn keiner spielt, gibt es einen Ramsch und oder ein Muss-Spiel.
Beim Solo-Tout dürfen die Gegner keinen einzigen Stich machen. Beim Solo-Sie hat der Spieler alle Ober und Unter, also die acht höchsten Trümpfe auf der Hand und kann sein Blatt gleich auf den Tisch legen. Das selbe gilt bei den Wenz-Spielen, bei dem nur die Unter (einschließlich der Herzfarbe) Trumpf sind. In diesem Fall werden die Ober wie normale Karten gewertet. Beim Bettel darf der Spieler keinen Stich machen. Gleiches gilt für den Null-ouvert, jedoch muss der Spieler in diesem Fall nach dem ersten Stich seine Karten offenlegen. Bei der Revolution gelten die gleichen Regel wie beim Bettel. Der Solist muss jedoch sofort seine Karten offenlegen, und die Gegenspieler dürfen ihre Karten untereinander austauschen. Bei einem Ramsch spielt jeder für sich alleine. Hier gilt es, möglichst wenig Punkte zu machen. Das Muss-Spiel ist eine Variante beim Schafkopfrennen. Wenn keiner spielt, muss der der Besitzer des Eichel-Ober spielen.
Gegen den oder die Spieler kann "geschossen" werden. Jedes Schießen oder Kontra erhöht den Spielpreis um das Doppelte. Weitere Spielvarianten des Schafkopfspieles sind das Über-Kreuz-Spiel oder das Schieber-Spiel. Mancherorts wird auch Geier, Hochzeit oder mit kurzem Blatt (ohne die Sieben und Acht) gespielt.
Üblicherweise wird um Cent-Beträge gespielt. Aber wer nicht aufpasst, kann auch da einiges verlieren...