Zum Artikel "Streit um Gesetz für Schlachthöfe" vom 28./29.11.2020, Seite 4:

Der erwähnte Artikel greift erneut ein eklatantes Problem auf, das es zwar schon lange gibt, aber erst in diesem Jahr wegen Fällen von Corona bei Mitarbeitern des größten deutschen Schweine-Schlachtbetriebs in NRW durch Medienberichte in seiner ganzen schrecklichen Dimension publik geworden ist.

Zwar taten Parlamentarier wie auch Funktionäre verschiedener Verbände scheinheilig erschrocken, so als ob sie das erste Mal davon hörten. Politiker, insbesondere der SPD, forderten sogleich ein Gesetz, das die Ausbeutung der Mitarbeiter solcher Betriebe künftighin nicht mehr zulassen soll.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, die Skandal genannt werden muss. Dem obigen Bericht war auch ein Foto beigefügt, das etliche Schweinehälften am Haken in einem Schlachthof zeigt. Aber da sind wir in der Abfolge am, ich sage bewusst, Ende eines Dramas, welches beim Ferkel-Erzeuger seinen Anfang nahm. Dort werden Mutter-Sauen sozusagen als "Gebär-Maschinen" in relativ engen Boxen gehalten und die Ferkel - immer noch - ohne Betäubung kastriert. Unglaublich!

In einem Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die ich ebenso für unfähig halte wie ihren Vorgänger auf diesem Posten, Christian Schmidt, sowie deren "Chefin" habe ich die bewusst provokative Frage gestellt, "wie sie sich denn fühlen würden bei dem Gedanken einer bevorstehenden Operation bei sich selbst - ohne Narkose?" Wie erwartet, habe ich bis heute keine Antwort erhalten von beiden Damen. Aber zurück zur "Produktionskette" Schweinefleisch. Die Ferkel gehen an Groß-Mastbetriebe, wo sie in kürzestmöglicher Zeit oft in Ställen wieder mit unzureichendem Platzangebot bis zur "Schlacht-Reife" gehalten werden. Nun folgt das Absurde: Einerseits werden die Tiere mit Futter aus Amerika gefüttert, während andererseits im Binnenland angebautes, gar noch mit EU-Geldern subventioniert, in Bio-Gasanlagen landet.

Daraus folgt wegen des Preisdruckes im Agrarbereich, speziell beim Schweinefleisch, eine Überproduktion, wovon ein Großteil nach Asien exportiert wird, bzw. in den Kühlregalen der Discounter angeboten wird.

Fleisch aus deutscher Viehhaltung sollte überhaupt nur beim Metzger bzw. höchstens noch in Supermärkten mit Frisch-Fleischabteilung angeboten werden dürfen.

In diesen Zusammenhang darf nicht vergessen werden zu erwähnen, dass sowohl in der Vergangenheit als auch ganz aktuell in Baden-Württemberg über die Medien schlimme Zustände bei der eigentlichen Schlachtung in der Weise vorkommen, dass unzureichend betäubte, sich noch im Todeskampf befindliche Tiere bereits der Zerlegung zugeführt werden. Bei dem oben erwähnten Betrieb im Schlachthof Biberach soll es an der unsachgemäßen Anwendung wie an Mängeln an technischem Gerät zur Betäubung liegen. Klöckner als zuständige Bundesministerin auf das Ergebnis der Recherche von Reportern des TV-Teams auf die Situation angesprochen, sieht keine Veranlassung zum politischen Handeln und ausschließlich die Hersteller solcherart technischen Geräte sowie die Schlachthöfe in der Pflicht. Und die EU-Parlamentarier wie auch die Bürokraten, die sich sonst um jeden "Sch..." kümmern, sehen weg/bleiben tatenlos.

So bleibt mir als Fazit festzustellen: Das Niveau einer Nation mit tiefen kulturellen Wurzeln lässt sich unter anderem auch daran festmachen, wie es mit seinen tierischen Mitgeschöpfen umgeht. Harald Scheubel

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