Karl-Heinz Hofmann Küps — Pfarrer Reinhold König kämpft um den freien Sonntag. Vor einigen Jahren schon wurde von der evangelischen Kirche der Kampf um einen kommerzfreien Sonntag ausgerufen. Der internationale Tag des freien Sonntags war Anlass für Pfarrer König zu einem starken Plädoyer für den freien Sonntag als Ruhetag.

Weil der internationale Tag des freien Sonntags diesmal auf den Faschingssonntag fiel und an diesem närrischen Sonntag traditionsgemäß die Predigt in Reimen und Pointen gehalten wird, setzte sich Pfarrer König in einer bemerkenswerten Predigt in der St. Jakobi- Kirche mit dem Sonntagsschutz auseinander. Der Geistliche rief in gereimter Form den Gründungstag des modernen Sonntagsschutzes am 3. März 321 durch Kaiser Konstantin I. in Erinnerung: manchmal mit Humor, aber gar nicht zum Lachen.

Seit fast 1700 Jahren

Und das am Faschingssonntag, wenn die Narren los sind. Seine Predigt stützte er auf ein Edikt Kaiser Konstantins I. von 321. Pfarrer König verwies auf eine uralte Erklärung: "Alle Richter, Stadtbewohner und Gewerbetreibenden sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen!"

Mit diesem Edikt verfügte der römische Kaiser vor fast 1700 Jahren, am 3. März 321, den ersten staatlichen Sonntagsschutz in Europa. Der evangelische Pastor rief Groß und Klein, die Freude am Leben haben, zum Feiern auf, allzumal im Gottesdienst und beim Karneval.

Und so malte Pfarrer König ein Bild vom Sonntag, wie er von Gott gedacht sei: Am Sonntag kann viel Gemeinschaft sein, in Familie und Kirche, in Dorf und Verein. Sonntag hilft aus Einsamkeit und Isolation. Am Sonntag gibt es keine Inspektion. Am Sonntag siehst du keine Plastiktüten, keine Leute, die im Kaufhaus wüten. Keine Hetze und Eile, kaum einen Lkw.

Die heutige Realität aber sei anders: "Manche aber wollen sonntags viel Geld verdienen, rundum sollen laufen, Menschen wie Maschinen. Staub, Lärm und Hetze jeden Tag. Kein arbeitsfrei, nur Müh' und Plag?" Aber es müsse natürlich Ausnahmen geben: im Krankenhaus, Notdienst oder in der Gastronomie, als Polizist, Bauer, Busfahrer oder in der Theologie.

Einhalt gebieten

Seinen leidenschaftlichen Appell für den freien Sonntag beendete der Geistliche: "Liebe Christen, lasst euch den Sonntag nicht verwehren, wenn sich Sonntagsarbeiten vermehren. Dann sagt ganz klar: Stop! Mit uns geht das nicht. Der Mensch verliert sonst sein menschliches Gesicht!"

Der Sonntag öffne Augen, Ohren und die Herzen. Er sei der Tag zum Lieben und zum Scherzen. Der Tag zum Lachen und zum Erleben, der Tag zum Schenken und zum Geben.

Damit beendete Pfarrer Reinhold König nicht mit Helau und Alaaf, sondern mit Gottes reichem Segen die Predigt am Faschingssonntag.