von unserer Mitarbeiterin Katja Nauer

Coburg — Die letzte Drogenfahrt des 37-jährigen Jenaers und seiner damaligen Lebensgefährtin wurde ihnen zum Verhängnis: Die Polizei nahm die beiden nach einer rasanten Verfolgungsjagd über 13 Kilometer Autobahnstrecke schließlich fest. Mit im Auto saßen die zwei vier und acht Jahre alten Töchter der Frau. Die Einkaufsfahrt zu einem Vietnamesenmarkt in Tschechien, auf dem das Paar Crystal-Speed besorgt hatte, war als harmloser Familienausflug getarnt. Am zweiten Verhandlungstag sagten zwei Polizeibeamte vor der Ersten Großen Strafkammer aus. Eine Polizistin, die die Frau nach Coburg gebracht und diese anschließend vernommen hatte, erinnerte sich nach Einsichtnahme ins Vernehmungsprotokoll: Die 32-Jährige habe bestätigt, mit ihrem damaligen Lebensgefährten insgesamt dreimal ins Nachbarland gefahren zu sein, sagte sie. Die Einkäufe seien von der Frau als gelbliche, feuchte Kristalle beschrieben worden. Diese hätten sich in einem kleinen Beutel befunden, der in eine Zigarettenschachtel gepasst habe. Da fragte Staatsanwalt Christoph Gillot genau nach: "Wieviel Gramm passen da rein?" Die Beamtin schätzte die Menge auf 20 bis 30 Gramm. Darauf betonte Gillot: "Zehn Gramm passen also auf jeden Fall rein." Alle zwei Wochen sei der Mann, entweder mit dem Auto der Lebensgefährtin oder einem Leihwagen, nach Tschechien zum "Dealer seines Vertrauens" gefahren, sagte die 32-Jährige gegenüber der Beamtin aus. Dabei habe er jeweils zwischen 500 und 1100 Euro an Bargeld mitgenommen.

Zurück über Waldwege

Auf dem Rückweg seien sie über einen Waldweg über die "Grüne Grenze" zurück nach Deutschland gefahren. Die Drogen, jeweils zwischen 10 und 44 Gramm, wurden gewinnbringend an Abnehmer im Raum Kronach und Jena verkauft. Einen Teil des Crystal-Speeds zweigte das Paar zum Eigenkonsum ab. Der Angeklagte räumte ein, einem Abnehmer erzählt zu haben, dass er am nächsten Tag eine Kurierfahrt nach Tschechien geplant hatte, um Nachschub zu besorgen. Dieser Nachschub allerdings landete auf der Straße: Im Laufe der Verfolgungsfahrt wusste sich das Paar wohl nicht mehr anders zu helfen und warf das Crystal durchs Autofenster. Doch vergebens: Die kristallinen Substanzen wurden von der Polizei von der Straße gekratzt und analysiert. Zusätzlich fand der zuständige Beamte bei der Untersuchung des Autos auch ein Klappmesser. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen deshalb bewaffnete unerlaubte Einfuhr und bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge vor. In Jena wurde ebenfalls gegen die Angeklagten verhandelt: Diese Urteile lagen allerdings weder dem Leitenden Richter am Landgericht, Gerhard Amend, noch der Anklage und auch nicht den Verteidigern vor. Deshalb wurde die Verhandlung auf 29. Dezember verschoben.