Veronika Schadeck

Mitwitz — "Nichts bleibt wie es ist". Das war das Thema, über das die Professorin Doris Rosenkranz am Mittwochnachmittag beim siebten Expertenworkshop des Betreuungsnetzwerks "Lebensqualität für Generationen" (LQG) im Wasserschloss referierte.
Der Titel trifft auch hervorragend auf LQG zu. Fünf Jahre ist es her, dass dieses Netzwerk gegründet wurde. Und das Fazit des Mitinitiators und Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes lautet: "Ich bin richtig stolz über die Gesamtentwicklung".
Landrat Klaus Löffler, der einst als Steinbacher Bürgermeister LQG mit aus der Taufe hob, sprach von mittlerweile über 10 000 Mitarbeitern der rund 20 beteiligten Unternehmen, die LQG in Anspruch nehmen können. Kaum einer dachte damals daran, dass sich aus LQG heraus, das ursprünglich als eine Anlaufstelle für Mitarbeiter gegründet wurde wenn es um Beratung für die Betreuung ihrer Angehörigen geht, Mehrgenerationenhäuser, Kinderkrippe, Ferienbetreuungen, Projekte wie FSJ digital etc. entwickeln würden.
Projektleiterin Antje Angles berichtet von 284 Beratungen in 2017, bei 236 Anfragen ging es um die Pflege beziehungsweise um die Unterstützung bei der Suche nach Kurzzeitpflege. Das sei oftmals mit viel Zeitaufwand verbunden. In einem Fall habe man 26 Heime kontaktiert, erzählte sie. 731 Kinder wurden in Ferienzeiten betreut. Sie kündigte an, dass im kommenden Jahr die Ferienbetreuung an den Standorten in Buchbach, Steinwiesen und Kronach ausgebaut wird. Sieben Wochen, also die Hälfte der Ferienzeit, sollen Kinder dann betreut werden.
Zuvor ging es im Vortrag der Professorin um Demografie, um die Erwartungen an ein gutes Leben, um gesellschaftliche Veränderungen vor Ort. "Der Wandel der Struktur ist die große Herausforderung". Es ging darum, welche Maßnahmen möglich beziehungsweise erforderlich sind, um den Bevölkerungsumfang, beziehungsweise die Altersstruktur der Bevölkerung längerfristig auf einem für die Stabilität der Gesellschaft angemessenen Niveau zu halten.
Rosenkranz ging auf Veränderungen ein. Demnach sind die Zeiten vorbei, als man lebenslang einen Job hatte beziehungsweise ausführte. Der private Bereich gewinnt zunehmend an Bedeutung. "Der Beruf ist zwar auch wichtig, aber nicht bestimmend." Das typische Familienbild gibt es immer weniger und somit auch das gegenseitige Verantwortungsbewusstsein füreinander. Künftig werden Netzwerke und Gemeinschaften Unterstützungen leisten müssen, die bisher innerhalb der Familie getätigt wurden. Es müssen mehr Menschen fürs Ehrenamt gewonnen werden. Es sei auch wichtig, den Kontakt zu abgewanderten Bürgern zu halten.
Klientel für eine Zuwanderung sah die Soziologin in Senioren, die aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen sind, in jungen Menschen, die ihr Studium abbrechen beziehungsweise beenden. Auch die Vorteile einer Metropolregion Nürnberg - zu dieser gehört der Landkreis - sollten mehr bekannt gemacht werden. "Wer weiß schon, dass man mit einem VR-Ticket bis nach Kronach fahren kann!"
Rosenkranz meinte, dass auch die Kommunen und die Politik ihren Anteil leisten müssten. "Warum sollte einer aufs Land ziehen, wenn er hohe Beiträge für Straßen und Wasser zahlen muss!"
Mitmachen würden viele, denkt der Vorsitzende von Kronach Creativ, Rainer Kober, aber wer organisiert das Ganze? Er denkt dabei an einen "Kümmerer". Und wer bezahlt den? Franz Seuling von Dr. Schneider regte eine verstärkte Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen an. Was spreche dagegen, dass Studierende verstärkt Uni-Projekte in Firmen tätigen. Es wurde auch von Service-Learning an Schulen als eine Lehrform, die gesellschaftliches Engagement mit fachlichem Lernen verbindet, gesprochen.
Und wie geht es nun weiter mit LQG. Mittlerweile, so erklärte Roland Beierwaltes, lägen Anfragen von Unternehmen aus benachbarten Landkreisen vor. Ziel ist es, noch mehr Nutzen für alle Beteiligten zu generieren, aber auch die Netzwerke zu erweitern beziehungsweise zu intensivieren und die Vorteile der Region bekannter zu machen, damit der eine oder andere den Weg in den Frankenwald findet.