Der Bereich Pflege, Betreuung und Richtwerte für angemessene Aufwendungen der Unterkunft sowie die Einrichtung einer Netzwerkstelle beim Landratsamt zur strukturierten Zusammenarbeit in der Pflege waren Punkte, mit denen sich der "Ausschuss für Arbeit und Soziales" des Landkreises Haßberge bei seiner Sitzung zu beschäftigen hatte.

Lebensqualität erhalten

Kathrin Glaubrecht vom Pflegestützpunkt erläuterte dabei das Ziel der Netzwerkarbeit damit, die Lebensqualität von Menschen mit Unterstützungsbedarf und deren Pflegepersonen zu erhalten und möglichst zu verbessern. Schwerpunktmäßig sollen folgende Themen bearbeitet werden: Pflege zuhause, Alltagsbegleitung, hauswirtschaftliche Hilfen, ambulante Betreuung von Menschen mit zunehmender Verringerung der kognitiven Leistungsfähigkeit sowie Kompetenzentwicklung zum Thema Demenz. Die Landkreise und kreisfreien Städte erhielten hierfür von den Pflegekassen einen Zuschuss in Höhe von bis zu 20 000 Euro im Jahr.

Hinsichtlich der Pflegebedarfsplanung empfahl der Ausschuss dem Kreistag die Aufhebung von zwei Beschlüssen aus den Jahren 2011 und 2012, weil der Freistaat ab dem Jahre 2020 seine Förderung geändert habe. Das neue Programm "Pflege im sozialen Nahraum" (PflegesoNah) bringe zwar keinen Paradigmenwechsel ein, sondern ein "sowohl als auch". Erstmals würden in der Fläche neben etablierten Formen der stationären Pflege auch neuartige Ansätze zur Vollversorgung von pflegebedürftigen Menschen öffentlich gefördert.

Allerdings könnte dies von Akteuren am Pflegemarkt zum Anlass genommen werden, auch für einen Heimneubau oder Ersatzneubau neben der staatlichen Zuwendung einen Zuschuss des Landkreises zu beantragen. Dies liefe den Interessen des Landkreises jedoch in mehrfacher Hinsicht entgegen. Die Bautätigkeit in den vergangenen Jahren habe dazu gezeigt, dass Heime in der ländlichen Struktur bereits jetzt kostenwirtschaftlich errichtet und betrieben werden können. Für modellhafte Projekte in der Fläche müsse aber der Einzelfall berücksichtigt werden.

Angemessene Kaltmieten

Der Leiter des Amtes für Soziales und Senioren, Dieter Sauer, ging auf einige Änderungen nach dem Sozialgesetzbuch ein. Dabei ging es um die Prüfung und Berechnung der Richtwerte für angemessene monatliche Kaltmieten. Die bisherige Vorgehensweise des Sozialamtes habe Akzeptanz gefunden und eine genauere Prüfung der Angemessenheit der Miete hielt sich in Grenzen. Die Verwaltung schlug deswegen vor, die bestehenden Richtwerte auf der Grundlage des Preisindex fortzuschreiben und bei Notwendigkeit flexibel den Einzelfall zu beleuchten.

Der Landkreis fördert außerdem weiter das gemeinsame Projekt Haßberg-Card, Wohnungsbörse "Fair Mieten", Migrations- und Sozialberatung. Der Ausschuss stimmte der Gewährung von Zuschüssen zu für die Haßberg-Card bis zu 19 260 Euro, für die Migrations- und Sozialberatung beim BRK bis zu 50 900 Euro und für die Wohnungsbörse "Fair Mieten" bis zu 24 705 Euro.

Auch der Fortsetzung der Maßnahme "Integrationslotse" ab 1. Januar 2021 durch den weiteren Einsatz der Integrationslotsin Siza Zaby sowie dem stundenweisen Einsatz einer Assistenzkraft wurde zugestimmt. Bei der Regierung von Mittelfranken soll eine Förderung beantragt werden, die auf einen maximalen Zuschuss von jährlich 60 000 Euro beschränkt ist. Ebenso wird die Flüchtlings- und Integrationsberatung des Caritas-Kreisverbandes mitgefördert. Für das Haushaltsjahr 2021 sind dies 35 500 Euro, die auch in die Finanzplanung für die Jahre 2022 und 2023 eingestellt werden.

Schließlich wird auch die Förderung des "Netzwerkes Betreuungsverein Haßberge" fortgesetzt. Im Rahmen dieses Projektes wurden im Zeitraum von 1. Januar bis 10. September 2020 vom Betreuungsverein 17 Personen begleitet mit dem Ziel, eine rechtliche Betreuung zu vermeiden.

Der jährliche Zuschuss soll sich unverändert auf bis zu 19 800 Euro belaufen, abzüglich 10 Prozent Eigenanteil des Vereins. Der Erhöhung des Stundensatzes von 44 Euro auf 48,85 Euro wurde ebenfalls zugestimmt.