Stephan Herbert Fuchs

Weil er zwei Schreckschusswaffen, einige Patronen und ein Springmesser besessen hat, ist ein 31-jähriger Mann aus Kulmbach zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro (120 Tagessätze zu je 50 Euro) verurteilt worden. Der Mann hatte die Waffen allerdings nicht nur bei sich zu Hause in der Vitrine. Am 12. November des vergangenen Jahres kurz nach Mitternacht benutzte er eine der Waffen und schoss damit mindestens einmal in die Luft.


"Es hat einfach gereicht"

Ganz ohne Grund geschah dies freilich nicht. Gegenüber seiner Wohnung am Hallenbad hielt sich zu mitternächtlicher Stunde eine Gruppe auswärtiger Azubis auf, die gerade im BRK-Wohnheim übernachteten. Die jungen Leute hörten dabei nicht nur Musik, sondern grölten lautstark rechtsradikale Parolen wie "Sieg Heil" oder "Heil Hitler". Da reichte es dem Angeklagten, der als Arbeiter tätig ist und regelmäßig früh aufstehen muss. Er ging nach draußen und feuerte zum Schrecken der jungen Leute in die Luft. Die Schreihälse verzogen sich zwar, kamen aber wenig später zurück und traten die Tür des Mehrfamilienhauses ein.
"Es hat mir einfach gereicht", rechtfertigte sich der Angeklagte. Er habe lediglich seine Ruhe haben wollen. Die Pistolen habe er zum Selbstschutz mitgenommen, schließlich habe die Gruppe aus mindestens acht Leuten bestanden. Scharfe Kritik übte der Mann an der Polizei. Dort habe er bei bisherigen Ruhestörungen keine Hilfe erfahren, im Gegenteil, die Beamten hätten ihn ziemlich lebensfremd geraten, doch besser mit den meist betrunkenen Ruhestörern zu diskutieren.
Zwei der Ruhestörer, beide Auszubildende zum Berufskraftfahrer, gaben an, sich Bier in der Tankstelle besorgt und auf dem Parkplatz beim Hallenbad lautstark gefeiert zu haben. Vor Gericht machten sie sich gar keine Mühe, die rechten Parolen in Abrede zu stellen. Irgendwann hätten sie dann den lauten Knall gehört.
Ob der Angeklagte wirklich auf einen der beiden gezielt hatte und dann einen zweiten Schuss abgab, wie es die beiden behaupteten, konnte nicht wirklich bewiesen werden. Schließlich habe ja auch nur eine Patrone in dem Magazin gefehlt, so der Angeklagte.
Die beiden jungen Männer sind für die Ruhestörung und das Eintreten der Türe bereits mit einem Bußgeld verwarnt worden.


Mehrere Vorstrafen

Ein als Zeuge geladener Polizist bestätigte, dass sich auf dem Parkplatz am Hallenbad öfter Jugendliche aus dem Wohnheim in der Flessastraße aufhalten und lautstark Musik hören. Zu den Vorwürfen seitens des Angeklagten gegen die Polizei wurde der Beamte nicht befragt.
Wenn der Angeklagte so deutlich bestraft wurde, dann vor allem deshalb, weil er nicht wie ein Ersttäter behandelt werden konnte. Im Gegenteil: Er hatte bereits mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen Diebstahls. Sogar eine Freiheitsstrafe auf Bewährung hatte er schon erhalten, allerdings lag die bereits über zwölf Jahre zurück.
Staatsanwalt Florian Losert beantragte in seinem Plädoyer die letztlich auch verhängte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro. "Wir sind hier nicht im Wilden Westen", sagte er zum Angeklagten. Der Staatsanwalt zeigte aber auch ein wenig Verständnis für die Reaktion. Schließlich habe sich die Gruppe ziemlich aufgeführt, da sei es schon nachvollziehbar, dass man sich gestört fühle.
Auch Richterin Sieglinde Tettmann sagte in ihrer Urteilsbegründung, dass den Taten nicht unerhebliche Provokationen vorausgegangen seien. Auch für die Richterin war es nachvollziehbar, dass der Angeklagte wütend gewesen sei. Seine Reaktion sei aber eindeutig die falsche gewesen.