"Tolles Vorhaben" (Tobis Schöffel, CSU); "eine gute Sache, man muss auch mal anders denken" (Theresa Will, FW); "gutes Umfeld und generationenfreundlich" (Karin Witzgall, SPD); "mutig, eine andere Art der Wohnbebauung" (Wolfgang Martin, BLS). So und so ähnlich lauteten die Kommentare zu einem neuen "Wohnpark Bergfeldblick", den Uwe Heidel dem Stadtrat am Montagabend vorstellte. Tiny-Houses (zu deutsch winzige Häuser) nennt sich das Wohnbaukonzept, das die Firmengruppe Übler ("Ü-Haus") mit Sitz in Hohenberg an der Eger vertreibt.

"Im Rahmen der Prüfung weiterer Bebauungsmöglichkeiten im Stadtgebiet" sei man auf dieses Konzept aufmerksam geworden, erläuterte Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). "In gemeinsamen Gesprächen" habe man das städtische Hang-Grundstück an der Friedhofstraße gegenüber des Eingangs zum Friedhof ins Auge gefasst. Voraussetzung für eine Realisierung sei, dass der Stadtrat dem grundsätzlich zustimmt und sich genügend Interessenten für diese nicht ganz orthodoxe Bau- und Wohnform finden.

Friedhofserweiterung kommt nicht

Das 2810 Quadratmeter große Areal der Stadt war zunächst für eine Erweiterung des Friedhofs vorgehalten worden. Nachdem sich die Bestattungswünsche - weg vom ausladenden Familiengrab, hin zum kleinen Urnengrab - verändert haben, sei die derzeitige Fläche auch langfristig ausreichend, sagte Wolfrum. Von dem leichten Hang gebe es einen unverbaubaren Blick über die Aue zum Bergfeld. Durch die Hanglage wären die Erschließungskosten allerdings höher als auf flachem Gelände. Schätzungsweise mit 100 Euro pro Quadratmeter sollte man rechnen, "plus den Grundstückspreis", überschlagen mit 120 Euro pro Quadratmeter Grundstück.

Ausgeglichen werden die Gesamtkosten allerdings durch den relativ günstigen Preis für das Haus selbst. Laut Uwe Heidel ist ein Anwesen mit 53 Quadratmetern Wohnfläche für unter 200 000 Euro realisierbar. Die Häuser haben je nach Bedarf eine Wohnfläche zwischen 41 und 110 Quadratmetern und folgen dem Grundgedanken, die Lebensführung zu vereinfachen. "Befreien Sie sich von unnötigen Dingen, die die Flexibilität im Leben nehmen, und Sie fühlen sich freier, glücklicher und unabhängiger. Was Sie in Ihr Ü-Tiny mitnehmen, sind Dinge, die Sie brauchen und lieben", lautet die Philosophie, die hinter dem Konzept steckt.

"Die Menschen, die sich für ein Leben in einem Ü-Tiny entscheiden, bevorzugen einen puristischen und nachhaltigen Lebensstil", so Heidel. Die Häuser böten mit durchdachter Innenausstattung auf ausreichendem Raum alles, was man sich von seinem Zuhause nur wünschen könne: eine Küche, ein Bad, einen Wohn- und einen Schlafbereich. Die vier Grundtypen könnten individuell gestaltet werden - auch barrierefrei oder mit einer Terrasse auf dem Dach. Die Häuser seien mit "smarten Geräten" und der dazugehörigen Steuerungstechnik ausgestattet - von der energieeffizienten Beleuchtung über Sicherheitslösungen bis hin zu Heiz- und Klimaanlagen.

Stellplätze an der Straße

Die Häuser werden laut Heidel in Tschechien von ausgesuchten Zimmereibetrieben gefertigt, folgen den neuesten ökologischen Standards und verbrauchen sowohl für den Bau als auch im laufenden Betrieb weniger Ressourcen als herkömmliche Gebäude. Im ersten Entwurf sieht die Bebauung im oberen Bereich vier Häuser unterschiedlicher Typen vor, im unteren Bereich fünf kleinere Häuser. Dies kann allerdings je nach Nachfrage geändert werden. Vorgesehen sind zudem neun Pkw-Stellplätze an der Straße.

Nachdem sich der Stadtrat am Montag einstimmig dafür ausgesprochen hat, einem solchen innovativen Wohnbauprojekt zustimmen, wird die Firma Übler nun mit der Bewerbung des Vorhabens beginnen. Erst wenn sich genügend Interessenten gefunden haben, wird das neue Baugebiet konkret umgesetzt.

Konkret genehmigt hat der Stadtrat zwei Anträge: den Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage in Triebenreuth und die Erweiterung des bestehenden Hühnerstalls für dann 825 Hühner sowie die Umnutzung des Heulagers mit einer Schlosserei am Gumpersdorfer Weg.

Unverändert lässt der Stadtrat die Hebesätze für die Realsteuern, die vor einem Jahr angehoben wurden. Sie liegen für die Grundsteuer A bei 351 Punkten, für die Grundsteuer B bei 344 und für die Gewerbesteuer bei 343. Diese Sätze liegen nach wie vor über dem Landesdurchschnitt, so dass Stadtsteinach weiterhin mit der Zuweisung von Konsolidierungsbeiträgen rechnen kann.