In 15 von 36 Landkreisgemeinden wurden bei den Kommunalwahlen 2014 neue Bürgermeister gewählt. Darunter sind auch die sieben größten Kommunen im Landkreis. Mit den Bürgermeistern dieser Großgemeinden, die zusammen rund 40 Prozent der Landkreisbevölkerung repräsentieren - sowie dem ebenfalls neu gewählten Landrat - ziehen wir Halbzeitbilanz ihrer ersten Amtszeit. Heute: Wolfgang Desel (CSU), Strullendorf. Er setzte sich im ersten Wahlgang mit 58,32 Prozent gegen Thomas Fischer (SPD) und Alexander Pfister (BBL) durch und wurde zum Nachfolger von Andreas Schwarz (SPD) gewählt.

Herr Desel, Sie sind nun seit gut drei Jahren Bürgermeister. Ist es so, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Wolfgang Desel: Zu 80 Prozent habe ich mir das so vorgestellt. Man hat ja auch den Vorgänger beobachtet. Zu 20 Prozent sind es Sachen, die man von außen nicht sieht. Das geht von Personalangelegenheiten bis zu den Feuerwehrstrukturen. Man muss die Menschen, mit denen man täglich umgeht, erst kennenlernen.

Was hat sich in Ihrem Leben geändert?
Geändert hat sich natürlich das Freizeitverhalten. Ich spiele Trompete und ich jogge. Die ersten zwei Jahre bin ich kaum mehr dazu gekommen. Aber dieses Jahr habe ich mir wieder mehr Zeit genommen, zum Beispiel für den Weltkulturerbelauf. Es ist alles eine Frage der Zeiteinteilung.

Was sehen Sie als größten Erfolg Ihrer bisherigen Amtszeit?
Da gibt es tatsächlich einen, der herausragt: die Südanbindung. Dass wir sie bauen können, bringt eine Verkehrsberuhigung für den ganzen Ort. Und bei den Zuschüssen sind wir von Null auf sechs Millionen gekommen. Bahn und Bund zahlen jetzt je drei Millionen. Zuerst wollten die uns gar nichts geben. Das war sehr Zeitintensiv. Aber man sieht, dass man mit Worten viel erreichen kann. Ich habe viele Briefe geschrieben. Oft spätabends im Rathaus. Um diese Zeit kann ich am besten schreiben.

Was war die größte Enttäuschung?
Es gab keine überraschende Enttäuschung auf der politischen Ebene. Was mich aber unangenehm überrascht hat, war manchmal die Reaktion von Bürgern, von Leuten, die man näher kennt. Die sind mit einer Entscheidung oder einem Beschluss des Gemeinderats nicht einverstanden und nehmen einem das persönlich übel. Da muss man dann zum Vermittler oder Moderator werden anstatt zum Kumpel. Das war auch neu für mich.

Eine der kniffligsten Fragen, die sie schon zu Beginn Ihrer Amtszeit vorgefunden haben, war die einer Ortsumgehung für Geisfeld. Inzwischen gibt es einen eindeutigen Gemeinderatsbeschluss dagegen. Ruhe ist trotzdem nicht eingekehrt. Wie kann es weitergehen?
Ich habe schon das Gefühl, dass etwas mehr Ruhe eingekehrt ist. Für manche überlagert das Thema aber immer noch alles andere - was ich auch verstehen kann. In persönlichen Gesprächen habe ich auch angeregt, dass ein Bürgerbegehren möglich wäre - für das ich eine 50:50-Chance sähe. Die Befürworter müssten nur genügend Leute in der gesamten Gemeinde motivieren. Wir arbeiten jetzt mit dem Staatlichen Bauamt an der Sanierung der betroffenen Straßen und schauen, was machbar ist. Es gilt aber nach wie vor der Gemeinderatsbeschluss. Da stehe ich auch persönlich dazu. Es stehen andere notwendige Investitionen an, mit denen wir uns in den kommenden Jahren mit bis zu 13 Millionen Euro neu verschulden werden müssen.

Eine große Herausforderung in den kommenden Jahren wird der Bahnausbau. Worauf kommt es für Strullendorf an?
Das Wichtigste ist für uns die Barrierefreiheit am Bahnhof. Die fehlt uns jetzt am Westzugang Richtung Gewerbegebiet und für die Zu- und Ausstiege Richtung Erlangen-Nürnberg. Inzwischen sind die Planfeststellungsunterlagen da. Aber es ist nach wie vor vollständig offen, wie es nach dem Ausbau ausschauen soll. Das muss noch verhandelt werden. Natürlich muss auch geklärt werden, wie es um den Lärmschutz bestellt ist und wie es mit dem Baustellenverkehr ausschaut.

Ein Blick noch weiter in die Zukunft: Wie stellt sich Ihre Gemeinde dem demographischen Wandel?
Zum einen brauchen wir ein entsprechendes Angebot für älter werdende Menschen. Wir haben die Angebote da. Sie sollen aber erweitert werden. Etwa mit dem Neubau des Mehrgenerationenhauses. Was entstehen soll, nennen wir jetzt Integratives Generationen-Zentrum, ein Treff für alle Generationen. Auf der anderen Seite werden wir weitere Kita- und Krippenplätze schaffen. Und wir müssen schauen wo noch Wohnbau möglich ist.

Stichwort Bauen: Was hat für Sie Vorrang? Die Innenentwicklung und Stärkung der Kernorte oder die Ausweisung von Bauland und Gewerbeflächen?
In den letzten Jahren hat Strullendorf auf die Innenentwicklung gesetzt und 45 Baulücken geschlossen. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es nicht mehr weitergeht - wenn etwa ein Baugrundstück wirklich nur für den Enkel reserviert ist. Darum müssen wir nun auch wieder in die Fläche gehen. In Zeegendorf werden einige Baurechte entstehen. Und in Strullendorf gibt es eine bebaubare Fläche von etwa zweieinhalb bis drei Hektar an der Hauptsmoorstraße, für die wir auch das Okay der Landesplanung haben. Die Nachfrage ist da. Da müssen wir was ausweisen, sonst laufen uns die Leute weg. Für Gewerbeflächen gibt es seit dem Jahr 2000 einen genehmigungsfähigen Bebauungsplan Stockweg-Süd. Der wurde, bis ich gekommen bin, nicht belebt. Dort sind aber noch intensive Gespräche zu führen. Aber wenn man das Ziel vor Augen hat, dann klappt das auch.

Und welche Herausforderungen wollen Sie in den nächsten drei Jahren noch angehen?
Im Wasserschutzgebietsverfahren stehen wir endlich vor einem Abschluss. Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb des nächsten Jahres zu einer Einigung kommen. Strullendorf braucht diese Rechtssicherheit, um seinen Flächennutzungsplan fortführen zu können. Eine große Herausforderung ist auch die Anbindung an die B 505. Zusammen mit der Südanbindung könnte das zur Entlastung beim gesamten Durchgangsverkehr sorgen und nicht nur beim Schwerlastverkehr zum Gewerbegebiet. Zwei weitere Schwerpunkte werden die bessere Anbindung der Ortsteile an Bamberg sein, unter anderem mit intelligenten Mitfahr- oder Carsharingmodellen, und der Hochwasserschutz mit Schaffung von ausreichend Regenrückhalteflächen.