von unserem Mitarbeiter 
Stephan herbert Fuchs

Schirradorf — Wegen der anhaltenden Trockenheit geht BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bereits zum jetzigen Zeitpunkt von Ernteeinbußen von bis zu 25 Prozent aus. Während es ganz im Norden und ganz im Süden Deutschlands heftige Regenfälle gegeben habe, sei im Rest Deutschlands kaum ein Tropfen gefallen, sagte Löwinger am Freitagabend beim Bauerntag auf dem Gelände des Landtechnikunternehmens Nicklas in Schirradorf.
Sogar der Deutsche Wetterdienst spreche von extremer Dürre. In der Region machten sich die Bauern große Sorgen um das Futter. "Der zweite Grünlandschnitt droht auszufallen", sagte Löwinger, was die Landwirte in der Region unter Umständen in eine ganz schwierige Situation bringen könnte.
Dabei sei es nicht nur das Wetter, das Probleme macht. "Die Luft für uns Landwirte wird in den kommenden Jahren spürbar dünner werden", malte Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), ein düsteres Bild der Zukunft. "Die moderne Landwirtschaft wird immer kritischer hinterfragt, die Rahmenbedingungen für uns Bauern werden sich verschlechtern", so Bartmer.

Der Konflikt

Als Grund nannte er den Konflikt zwischen heiler Welt und historisierender Landwirtschaft in den Köpfen von Gesellschaft und Verbrauchern auf der einen Seite sowie der Realität und den Notwendigkeiten einer modernen Produktion auf der anderen Seite. Da störe die Gülleausbringung, Stallneubauten würden nicht genehmigt, der Mähdrescher sei zu groß und werde als Bedrohung empfunden, und Pflanzenschutzmittel würden als Vergiftung der Natur deklariert.
Die Gefahr sei es, so der Präsident, dass dieses Bild von Agrarromantik seinen Niederschlag in den Programmen sämtlicher politischen Parteien finde, und selbst die Unionsparteien Kompromisse eingehen müssten, um Wähler zu gewinnen. Er habe die Sorge, dass zur Bundestagswahl 2017 auf die abstrusen Wünsche eingegangen werde. "Dabei geht es um nichts anderes als um unsere Existenz", sagte Bartmer, der anführte: "Wir haben wenig Verbündete."
Seine Berufskollegen rief er deshalb auf, das direkte lokale Umfeld für sich zu gewinnen und unermüdlich für gesellschaftliche Akzeptanz zu werben. Die sei schließlich genauso wichtig wie Grund und Boden, denn ohne Akzeptanz nützten die besten Böden nichts.

Ein gesättigter Markt

Auch die Landtechnikbranche habe wenig Grund zur Freude, so Edwin Nicklas, Chef des Landtechnikunternehmens. Die Konjunktur habe sich stärker eingetrübt als befürchtet, Schuld seien der gesättigte Markt, auch die dichten Grenzen zu Russland und der verhaltene Markt in China. Namhafte Traktorenhersteller hätten bereits Entlassungen vorgenommen.
Große Probleme bereite der Landtechnikbranche hierzulande auch der Fachkräftemangel. "Wir brauchen Leute, die mit Herzblut bei der Landwirtschaft sind", sagte Nicklas. Da die Landtechnik heute eine absolute Hightech-Branche sei, sei mittlerweile auch viel Basiswissen gefragt. "Unsere Leute brauchen Köpfchen, nicht nur Muckis", so Nicklas.
Das Schirradorfer Unternehmen zählt heute zu den führenden Landtechnikunternehmen in der Region und beschäftigt 65 Mitarbeiter an drei Standorten in Ober-, Mittel- und Unterfranken.