Stephan Herbert Fuchs

Kulmbach — Die Vorwürfe wogen schwer: Ein 53-jähriger Mann soll seiner Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung im nördlichen Kulmbacher Landkreis mit vorgehaltenem Messer gedroht haben, sie zu töten. Wenig später soll er einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst haben, indem er per Notruf mitteilte, seine Frau werde sich umbringen.
Die Anklage wegen Bedrohung und Missbrauchs von Notrufen wurde vor dem Kulmbacher Amtsgericht aber relativ schnell wieder fallen gelassen. Zum einen stritt der Angeklagte die Vorwürfe ab, teilweise konnte, oder wollte er sich auch nicht mehr daran erinnern. Zum anderen machte die mittlerweile getrennt lebende Frau vor Gericht keine Angaben. So blieb Richterin Sieglinde Tettmann nichts anderes übrig, das Verfahren auf Antrag von Staatsanwalt Florian Losert kurzerhand und ohne Auflagen einzustellen.
Zwischen den Eheleuten hat es offensichtlich schon länger Auseinandersetzungen gegeben. Mittlerweile wohnt der Mann auf einem Campingplatz in Berlin. Die 31 Jahre alte Frau ist wieder liiert und lebt in Kulmbach. Geschieden sind die beiden allerdings noch nicht, so dass die Frau vor Gericht keine Angaben machen musste und von diesem Aussageverweigerungsrecht überraschenderweise auch Gebrauch machte.
Die Situation zwischen den beiden war am 6. September des vergangenen Jahres eskaliert. Gegen Mittag soll sich der Mann ein Küchenmesser geschnappt und angekündigt haben, dass er zunächst die Frau, dann sich selbst umbringen werde. Bis zum Eintreffen der Polizei soll es der Frau gelungen sein, sich im Badezimmer einzusperren.


Nicht mal ein Streit ...

Nichts davon sei wahr, sagte der Mann. Er habe seine Frau nicht bedroht. Er könne niemandem etwas zu Leide tun. Nicht mal einen Streit habe es an diesem Tag gegeben. Später räumte der Angeklagte ein, dass er seiner Frau allenfalls Vorhaltungen gemacht hatte, weil sie kurz davor die Trennung angekündigt hatte.
Ein weiterer Anklagepunkt bezog sich auf den 24. September des vergangenen Jahres. Per Notruf 110 soll der Angeklagte die Polizei verständigt und mitgeteilt haben, dass sich seine Frau umbringen möchte. Ziel sei es gewesen, einen größeren Polizeieinsatz auszulösen, so Staatsanwalt Florian Losert bei der Verlesung der Anklage.
Auch das sei nicht wahr, behauptete der 53-Jährige. Er habe lediglich von seinem damaligen Arbeitsort München, die Polizei verständigt, weil er sich Sorgen um seine Frau gemacht habe. Sie hätte ihn zuvor weinend angerufen und verrückt gemacht. Er habe sich große Sorgen gemacht und geglaubt, dass sie irgendwo festgehalten werde. Erst später habe erfahren, dass die Frau damals bei ihrem neuen Freund war. Allerdings habe seine Frau vorher schon öfter von Suizid gesprochen. Sie sei sehr labil gewesen, sagte der Angeklagte. Angeblich soll die Frau sogar schon einmal Rattengift genommen haben.


Psychisch stark belastet

Die Frau selbst machte überraschenderweise keine Angaben vor Gericht. Sie sagte lediglich, dass es schon öfter mal vorgekommen sei, dass sich ihr Mann nicht mehr genau an bestimmte Vorfälle erinnern konnte. Seit den Geschehnissen habe sie allerdings keinen Kontakt mehr zu ihm. Wegen ähnlicher wirrer Anrufe bei der Polizei wurde der Angeklagte im vergangenen Oktober schon mal vom Landgerichtsarzt untersucht. Der Mediziner war damals zu der Feststellung gekommen, dass der Angeklagte wegen der Trennung unter einer starken psychischen Belastung leide und sich in einer Lebenskrise befinde.
Das sollte vor Gericht letztlich auch der Grund für die Einstellung sein. Der Mann muss keine Verfahrenskosten tragen, lediglich für die Fahrt von Berlin nach Kulmbach muss er selbst aufkommen.