Kai Deckelmann sitzt mit seiner Frau Diana in der Gartenlaube, vor sich die Flyer und Plakate . Er blättert, wirkt unzufrieden. „Aber nicht wegen der Flyer, die sind top“, sagt er, „sondern wegen der vielen Auflagen. Die machen so viel einfach unmöglich.“ Die beiden haben gemeinsam mit dem Künstler Volker Ullenboom die Organistion für den zweiten Kunstsommer übernommen. „Es ist ganz anders als beim ersten Mal, denn da gab es ja noch keine Pandemie.“ Doch die Enttäuschung ebbt schnell ab, denn sie wollen sich an diesem Tag nicht mit dem beschäftigen, was nicht geht, sondern lieber mit dem, was dennoch geht. Und das ist doch eine ganze Menge.

„Die Dauer zum Beispiel. Ganze vier Wochen soll der Kunstsommer in diesem Jahr andauern“, freut er sich. Schluss ist am 22. August. Bis dahin sind zahlreiche Künstler dabei, leer stehende Ladenlokale in temporäre Galerien zu verwandeln. Außerdem sollen Wandbemalungen und Außenateliers zum Stehenbleiben und Zuschauen animieren.

„Künstlerische Hotspots“ soll es dann ebenfalls geben, so jedenfalls stellen sich das die Veranstalter vor. Und sie schwärmen vom „Wiener Beach“, der den Sandstrand nach Nordhalben bringen soll. „Wir fahren das volle Programm mit Liegen, Palmen, einem Grill und gemütlichen Sitzmöbeln .“

Auf internationale Künstler dagegen habe man in diesem Jahr verzichten müssen, ebenso wie auf viele öffentliche Veranstaltungen. „Die Planungen für den Kunstsommer waren eh schon kompliziert bis chaotisch , da wollten wir uns das Ganze nicht noch schwerer machen.“ Diana Deckelmann bedauert das, denn klar habe man nach dem Erfolg des ersten Kunstsommers vor zwei Jahren noch „einen draufsetzen wollen“. Sie sagt: „Er sollte größer und spektakulärer werden, aber das mussten wir uns schnell abschminken.“ Jetzt arbeite man eben mit weniger, statt mit mehr Künstlern und vor allem fast nur mit regionalen und nicht mit internationalen. Auch die offenen Ateliers konnte man so nicht realisieren. „Aber einige Künstler arbeiten auf einer Freifläche, da kann man natürlich zuschauen.“ Die anderen könne man durch Schaufenster beobachten.

All das sei lösbar gewesen, meinen die beiden Mitorganisatoren, die mit einem ganz anderen Vorurteil hadern: „Wir hatten Probleme , dass man uns Leerstände zur Verfügung stellt. Viele wollten keine Künstler ins Haus lassen. Die Menschen denken, wir machen den Kunstsommer für uns, die Künstler – aber wir machen ihn doch für den ganzen Ort.“ Letztlich habe man dennoch genügend Ateliers gefunden, um jeden der zehn teilnehmenden Künstler unterzubringen.

Absagen musste man Konzerte oder Partys . „Dafür gibt es einfach noch viel zu viele Auflagen. Es macht keinen Spaß, alles nur hinter der Maske zu genießen.“ Eingebettet in den Kunstsommer ist in diesem Jahr der „Tag der Städtebauförderung“ am 1. August.