2026 kann Stadtstei­nach ein Doppel-Jubiläum feiern: 700 Jahre Stadterhebung und die erste urkundliche Erwähnung vor 875 Jahren. Wolfgang Hoderlein hatte den Stadtrat im vergangenen Jahr auf diese beiden Ereignisse in der Stadtgeschichte hingewiesen.

Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1151 ist klar dokumentiert; die Stadterhebung nur vage in den Jahren zwischen 1323 und 1328 zu verorten. Als einen eigenen Beitrag zur Stadtgeschichte hat Hoderlein jetzt die Nachkriegsgeschichte der Stadt recherchiert. Seit 75 Jahren hat Stadtsteinach ein frei gewähltes Stadtparlament. "In Stadtsteinach begann das Pflänzchen kommunale Demokratie mit den ersten Stadtrats- und Bürgermeisterwahlen am 27. Januar 1946", macht Hoderlein den Stichtag fest. Er geht davon aus, dass der erste Stadtrat kurze Zeit getagt hat. Am 15. März 2020 wurde der mittlerweile 15. Stadtrat gewählt.

Dem Gremium gehörten im Lauf der Zeit insgesamt 101 Personen an. Bislang dienstältester Stadtrat war Eberhard Kotschenreuther (CSU) mit 35 Jahren und zehn Monaten. Er sowie Andreas Köhler, Günter Hönig und Wolfgang Hoderlein (alle SPD) sind je sechsmal in den Rat gewählt worden; Werner Döll und Egid Kotschenreuther viermal. Döll (CSU) war zudem mit 22 Jahren und sechs Monaten von den bisherigen sieben Bürgermeistern am längsten Stadtoberhaupt.

Den "Familienrekord" hält mit dem derzeitigen Stadtrat Bernd die Familie Kotschenreuther. Bei den politisch engagierten Frauen war die CSU mit Grete Zeyer Vorreiter, stellte Hoderlein fest. 1950 rückte Johanna Frauenholz nach. Erste SPD-Frau war und ist heute noch Karin Witzgall; Margit Dittus war die erste Frau der Freien Wähler.

Als mit 20 Jahren bisher jüngstes Mitglied wurde im vergangenen Jahr Lena Badstieber (SPD) in den Stadtrat gewählt. Neben all den statistischen Daten, die Wolfgang Hoderlein zusammengetragen hat, stellte er zudem fest, dass "eine lebendige Gemeinde, eine kreative Zivilgesellschaft darauf angewiesen ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich in ihren Dienst stellen. Fehlen diese Personen, gibt es kein demokratisches Gemeinwesen". Demokratie entwickele sich von unten nach oben, sagt Hoderlein.

Er muss es wissen, schließlich engagiert er sich seit einem halben Jahrhundert politisch. Der gebürtige Steinwiesener gehörte auch 18 Jahre dem Landtag an, war ab 1996 Generalsekretär der Bayern-SPD und von 2000 bis 2003 deren Landesvorsitzender. Dennoch war und ist er kein blinder Parteigänger. 2011 trat er sogar aus der SPD aus, als er Seilschaften im Bezirk ausmachte, die er nicht gutheißen konnte; ein Jahr später ließ er sich von einigen Genossen aber zum Wiedereintritt überzeugen.

Hoderlein denkt langfristig, ohne dabei etwas übers Knie brechen zu wollen. Vielmehr sieht er in die Köpfe der Entscheider, versucht deren Beweggründe zu erkunden. 2007 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden verliehen, 2008 die Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa, 2012 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland und 2018 die Bürgermedaille der Stadt Stadtsteinach.

Politisch jetzt wieder an der Basis angekommen, dem Parlament seiner Heimatstadt, wirbt Hoderlein für bürgerschaftliches Engagement, das er über die vergangenen 75 Jahre penibel aufgelistet hat. "Es würde mich freuen, wenn sie fortgeführt werden könnte", schließt er das Nachwort zu seiner über 60-seitigen Darstellung, die er nun der Stadt übergeben hat. Insgesamt um die weitere Fortschreibung der weiteren Geschichte des Stadtrats geht es Wolfgang Hoderlein. An eine Drucklegung ist deshalb vorerst nicht gedacht. Für eine Einsichtnahme und eventuelle Kopie kann man sich an das Stadtsteinacher Rathaus wenden.