Die Novemberhilfe lässt immer noch auf sich warten. Vielleicht kommt sie im Dezember. "Das wäre schon gut", sagt Marcus Geuss. Ohne die Corona-Hilfe für Solokünstler werde es langsam eng. Auch, wenn er zaubern kann - soweit gehe es dann doch nicht. Der allerorts als Marcelini bekannte Solist steht hinter dem wackeligen Verkaufstisch des Pop-up-Stores in der Mohrenstraße, umgeben von Weihnachtskrippen-Allerlei.

Liebevoll berät er die Kundin, die noch eine kleine Ziege sucht und einen Strohballen. Seine Freundlichkeit hat er nicht verloren. Auch nicht seinen Optimismus. Dennoch spricht er von einer "speziellen Art" von Melancholie, die er verspürt - und viele seiner Kollegen, wie er weiß. Keine Perspektive zu haben und nicht zu wissen, wann er wieder auftreten kann, das ist es, was ihm zu schaffen mache.

Bis Januar stand er im Da Capo Varieté in Darmstadt in der Show "Die Nacht der Vampire" in 60 Shows vor über 25 000 Zuschauern täglich auf der Bühne und führte durch diese aufwendige Varieté-Produktion. Diese war so erfolgreich, das sie ein weiteres Mal von November bis Dezember in Aschaffenburg gespielt werden sollte. Jetzt: Abgesagt.

Auch Galas, Weihnachtsfeiern und - ganz wichtig für Marcelini - der Karneval fallen aus. Mit dem Förderverein für Kleinkunst und Varieté im Raum Coburg war geplant, das Weihnachtsvarieté "Zimt & Zauber" auf die Bühne zu bringen. "Wir hatten mit dem Kongresshaus einen guten Partner gefunden, doch auch dies musste abgesagt werden." Ebenso wie die Kreuzfahrten, bei denen Marcelini für Unterhaltung sorgt.

Sein Lebensgefährte "Monsieur Chocolat", ein Walkart-Künstler, hat seine laufenden Projekte bereits ad acta gelegt und verdient seinen Lebensunterhalt als Fernfahrer. "Wir führen ein komplett anderes Leben", sagt Marcus Geuss. Ohne die Unterstützung seiner Schwiegermutter hätte das Paar in diesem Jahr nicht überleben können, sagt er. "Wir wussten zwischendurch gar nicht, von was wir uns was zum Essen kaufen sollten", gibt er zu.

In Sprecheratelier investieren

Den Kopf will er nicht in den Sand stecken. "Man muss immer aktiv bleiben und darf nicht auf die Hilfe vom Staat hoffen", so sein Motto. Das Jahr habe gezeigt: "Wir müssen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten." Zusammen mit MäcHärder und dessen Frau Annette von Bamberg setzte Marcelini bei der Demo "Alarmstuferot" in Berlin ein Zeichen aus unserer Region.

Außerdem arbeitet er fleißig weiter an seinem neuen Solo-Programm - zumindest inhaltlich. Die Produktion, die Musik und eine neue Handpuppe (Bundesadler Konrad A.) kann er sich aber nicht leisten, meint er. 34 000 Euro hatte sein aktuelles Programm gekostet. "Das neue wird teurer und liegt damit auf unbestimmte Zeit auf Eis", bedauert er. "Jetzt geht es ums Überleben", sagt er - und es klingt nicht pathetisch. Ein Sprecheratelier, das er daheim bei sich eingerichtet hat, möchte er mit einer verbesserten Technik ausstatten, um Werbespots oder Hörbücher aufnehmen zu können.

Unter anderem dafür würde er auch die Spende verwenden, die ihm der Förderverein Kleinkunst und Varieté zukommen lassen möchte. Der Verein mit etwa 60 Mitgliedern unterstützt Kleinkünstler, Zauberer, Kabarettisten, Sänger und Comedians aus der Region. Das Coburger Tageblatt hat sich entschieden, mit der Weihnachtsspende von "Franken helfen Franken" den Förderverein zu unterstützen.