Stephan Herbert Fuchs

"Holz ist der Rohstoff der Gegenwart und wird noch mehr der Rohstoff der Zukunft sein." Das sagt Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten. Nach den Worten von Götz von Rotenhan, dem Ersten Vizepräsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbands, ist Bayern ohnehin das "Holzland Nummer eins".
Voll und ganz hinter der heimischen Holznutzung stehen auch die Jäger, wie Ramona Pohl, Referentin beim Bayerischen Jagdverband betont. Und selbst Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz in Bayern, bekennt sich zur Nutzung des heimischen Rohstoffs Holz, wenn auch klar unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.


Ökonomie oder Ökologie?

Eigentlich waren sich alle einig beim "Forum Waldkontroversen", das die Universität Bayreuth zusammen mit dem Ökologisch-Botanischen Garten, dem Zentrum für Ökologie und Umweltforschung sowie der Campus-Akademie veranstaltet hatte. Unterschiedliche Standpunkte gab es trotzdem. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Frage: Ökonomie oder Ökologie? 60 bis 80 Millionen Kubikmeter Holz würden jährlich in Deutschland eingeschlagen, das sei deutlich weniger als nachwachse, so Gregor Aas, Leiter des Ökologisch-Botanischen Gartens in Bayreuth.
Gleichzeitig werde aber deutlich mehr Holz benötigt. Da sei es doch besser, mehr heimisches Holz einzuschlagen, als Holz einzuführen, das in Skandinavien oder in Rumänien unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird, so Götz von Rotenhan.


Es gibt Grenzen

Er erntete damit den Widerspruch von Ralf Straußberger. "Wir können nicht unsere eigenen Wälder plündern mit dem Verweis auf andere Regionen, die eine schlechtere Waldwirtschaft betreiben", sagte der BN-Vertreter und sprach sich klar gegen eine Erhöhung der Holzeinschläge aus. "Wir müssen die Grenzen sehen, und die gibt es zweifellos", so Straußberger.
Vor allem dann, wenn Holz zunehmend nicht mehr nur stofflich, sondern auch energetisch verwertet wird. "Es wird immer populärer, mit Holz zu schüren", sagte Gregor Aas. Holz in großem Umfang zu verbrennen, dafür sei es zu schade, so Straußberger. Da sollte man es doch besser für Dämmplatten verwenden, um den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken.
Dem widersprach Frank Pirner. Holz zu verbrennen sei auf jeden Fall besser als Erdöl. Und Götz von Rotenhan ergänzte, dass bei jeder Waldbewirtschaftung ja auch viel Holz anfalle, das aufgrund seiner Beschaffenheit nicht in die Produktion gelangen könne und damit ideal für die energetische Verwertung sei.


Künftig mehr Mischwälder

Auch das Thema Waldumbau vor dem Hintergrund des Klimawandels nahm beim "Forum Waldkontroversen" breiten Raum ein. Deutschland wäre von Natur aus überwiegend ein Laubwaldgebiet, sagte Carl Beierkuhnlein, Inhaber des Lehrstuhls für Biogeographie an der Uni Bayreuth. Tatsächlich dominierten in den Wäldern aber klar die Nadelbäume.
Das werde sich ändern, versprach Frank Pirner. Die Witterungsextreme nähmen zu, der Wald sei heute nicht mehr so widerstandsfähig, wie er sein sollte. "Der Wald von morgen wird anders aussehen", sagte er und kündigte an, den Fokus künftig immer mehr auf gemischte Wälder zu richten. So soll das Nadelholz in den kommenden Jahren im Bereich der Bayerischen Staatsforsten um zehn Prozent abnehmen, was zulasten von Fichte und Kiefer gehen werde. Der Tannen-Anteil solle allerdings von zwei auf fünf Prozent mehr als verdoppelt und der Douglasien-Anteil von einem auf drei Prozent erhöht werden.
Laubholz solle deutlich zunehmen, wobei die Staatsforsten vor allem auf die Buche und auf Edellaubhölzer setzen wollen.