Wegen der Verbreitung und des Besitzes von kinderpornografischen Bildern und Videos hat das Amtsgericht einen 41-jährigen Mann aus dem Kulmbacher Landkreis zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich muss der Angeklagte 3000 Euro an die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Avalon in Bayreuth zahlen und er darf eine bereits begonnene psychotherapeutische Behandlung nicht eigenmächtig abbrechen.

Über eine halbstaatliche Organisation in Amerika, in der sich Messaging-Dienste, Softwareunternehmen und staatliche Ermittler zusammengeschlossen haben, waren die deutschen Fahnder auf den Mann aus dem Kulmbacher Land gekommen. Die amerikanischen Ermittler hatten die Dateien mit den auffälligen Inhalten festgestellt und die IP-Adresse des Angeklagten den deutschen Kollegen übermittelt.

Unglaubliche Menge an Fotos und Videos

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Juni des vergangenen Jahres fanden sie auf verschiedenen Speichermedien, wie externen Festplatten, über 4000 Bilder mit eindeutig kinderpornografischem Bezug. Zusätzlich wurden rund 900 Videodateien mit ebenfalls kinderpornografischem Inhalt sichergestellt. Sie hatten eine Spielzeit von über 50 Stunden. Über eine externe Sachverständigenfirma konnte die Polizei nachvollziehen, dass der Mann auch selbst über bestimmte Internetplattformen verschiedene Bilder hochgeladen hatte.

Über seinen Verteidiger Tobias Liebau aus Bayreuth ließ der Angeklagte die Vorwürfe in vollem Umfang einräumen. Sein Mandant habe bereits aus eigenem Entschluss eine Therapie bei einem Psychiater begonnen. Dem entschädigungslosen Einzug seines PCs, der externen Festplatten und seiner Mobiltelefone stimmte er noch im Gerichtssaal zu.

Gegenüber den Beamten hatte der Angeklagte anfangs noch versucht zu leugnen und behauptet, dass er keine kinderpornographischen Bilder besitzt. Er betreibe ein offenes W-LAN, in das sich auch ein anderer hätte einwählen können, behauptete der Mann nach Angaben des Sachbearbeiters von der Kriminalpolizei in Bayreuth. Doch schon bald konnten die Beamten den Angeklagten überführen, zu erdrückend war die Beweislast. Eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren beantragte Staatsanwalt Eik Launert, während Verteidiger Liebau zwölf Monate als ausreichend einstufte. Mit ihrem Urteil wählte Richterin Sieglinde Tettmann die goldene Mitte. Als Hauptgrund für die Bewährung nannte sie das Geständnis des Mannes, mit dem eine "umfangreiche und unschöne Beweisaufnahme" erspart werden konnte.

Psychiatrische Behandlung begonnen

Ohne Geständnis hätten alle Beteiligten sämtliche der unappetitlichen Bilder und Videos sichten müssen, was wahrscheinlich mehrere Verhandlungstage in Anspruch genommen hätte.

Die Bewährungsstrafe sei auch deswegen gerechtfertigt, weil der Angeklagte gezeigt habe, dass er an sich arbeite und eine entsprechende Therapie begonnen habe. Die muss er allerdings laut richterlichem Urteil nun auch fortsetzen und darf sie auf keinen Fall von sich aus beenden.

Frau hat sich bereits getrennt

Ebenso muss er die 3000 Euro an Avalon zahlen. Macht er das nicht, muss er mit einem Widerruf der Bewährung rechnen. Eine bedeutende Konsequenz für den Angeklagten hat allerdings nicht das Gericht, sondern die Ehefrau des Mannes gezogen: Sie hat sich bereits von dem 41-Jährigen getrennt.