Vor 400 Jahren, am Palmsonntag, 27. März 1616, übersandte der Würzburger Fürstbischof und Landesherr Julius Echter dem Haßfurter Bürgerspital die Spitalordnung. Aufgrund dieses Jubiläums befasste sich Volker Grumbach aus Haßfurt mit der Geschichte des Spitals. Sein Buch "Das Bürgerspital zum Heiligen Geist in Haßfurt - 400 Jahre Spitalordnung Julius Echters", erschienen in der Schriftenreihe des Historischen Vereins Landkreis Haßberge, stellte er nun vor. Musikalisch bereichert wurde die Präsentation von dem Gesangsquartett "Cantabile" aus Schweinfurt mit Liedern aus der Renaissance.
Das Interesse der Bürger aus dem Landkreis war groß - rund 80 Zuhörer wollten mehr über das Bürgerspital erfahren. Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Wolfgang Jäger, erklärte, der Verein habe bereits 15 Bände veröffentlicht. "Sechs davon hat alleine Volker Grumbach geschrieben", betonte er. Für das Buch über das Bürgerspital betrieb Grumbach zwölf Jahre intensive Archivrecherchen und akribische Quellenarbeit.


Anfänge im 15. Jahrhundert

In seinem Bilder-Vortrag erläuterte Grumbach die Anfänge des Spitals im 15. Jahrhundert, den Bau 1597/98 unter Julius Echter, die Spitalordnungen, die Spitalgeschichte, den Tagesablauf eines Pfründners und die Spitalkapelle mit dem Flügelaltar.
Der Beginn des Spitalbetriebs, über den es keine Urkunde gibt, begann laut einem Bericht der Bürgermeister und des Rats der Stadt Haßfurt an Fürstbischof Franz von Hatzfeld vom 9. Dezember 1636 im Jahr 1434 und jährt sich heuer damit zum 500. Mal. 1594 war dieses Spital marode, seine Einkünfte unzureichend. Dies kam dem Landesvater und Fürstbischof Julius Echter zu Ohren, und so ließ er 1597 einen Neubau beginnen, der die bestehende Kapelle einbezog. Die Stadt musste Korn und Weizen so teuer wie möglich veräußern. Die 1490 Gulden reichten zur Finanzierung aus. 1598 stand der 25 mal zehn Meter große Renaissancebau mit Treppengiebeln, dessen Dachstuhl noch original erhalten ist. Julius Echter sorgte dafür, dass es mit 2500 Gulden einen ausreichend großen Kapitalstock gab, den den Unterhalt der Pfründner lieferte "Echters Verdienst war es vor allem, die Stadt zum Bau des Spitals gedrängt und alle Bedenkenträger verdrängt zu haben", sagte Volker Grumbach. "Ohne ihn wäre das Spital eingegangen."
Das Leben im Spital regelte die Spitalordnung, die Julius Echter 1599 vorläufig und am 27. März 1616 endgültig formulierte. Sie legte fest, wer in den Genuss einer Pfründe kam, dass die Pfründner Gottesdienste und Andachten besuchen, täglich Rosenkranz beten, an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Mariae Himmelfahrt beichten und kommunizieren und für die allgemeinen Anliegen der Christenheit sowie für alle Wohltäter und für Julius Echter beten sollten. Die Verpflegung sollte sättigend und ausreichend sein. Fleisch kam dreimal pro Woche auf den Tisch. "Das ist bemerkenswert, pflegte doch selbst im Mittelstand noch 200 Jahre später ein Braten nur an Sonn-und Feiertagen auf den Tisch zu kommen", kommentierte das der Autor.


Essen und Wein

Zudem sollten die Pfründner freitags und sonntags je eine halbe Maß Wein erhalten. Ihre Mahlzeit mussten sie gemeinsam einnehmen. Ein Frühstück gab es erst ab 1862. Auch für geheizte Räume im Winter sorgte Julius Echter. Ohne Erlaubnis durften die Pfründner das Spital nicht verlassen. Um Wirtshäuser und Glücksspiele sollten sie einen großen Bogen machen. Klagen, etwa über das Essen, waren dem zuständigen Beamten zu melden, und nicht im Städtchen zu verbreiten.