Johannes Höllein Schöne Bescherung: Unter dem Dach des Carports am Forchheimer Tierheim - so vor einem Auto platziert, dass es auch garantiert nicht übersehen wird - fanden Mitarbeiter eine Styropor-Kiste, fest verschlossen mit Klebeband. Der Inhalt sorgte für Staunen und etwas Ratlosigkeit. Ein Dutzend Schlangen kam zum Vorschein, einzeln verpackt in kleinere Plastikschachteln. Wahrscheinlich Würgeschlangen. Womöglich Pythons, vermuteten die Finder.

Schlangen-Experte Jürgen Mirschberger aus Langensendelbach klärte nach einem prüfendem Blick auf die Fotografien, die inFranken.de veröffentlicht hatte, schnell auf: "Es handelt sich um eine Unterart der Boa constrictor." Die Abgott-Schlange aus Zentral- und Südamerika, die - je nach Art - bis zu drei Meter lang werden kann und ihre Beute so einschnürt, dass diese durch einen Kreislaufkollaps stirbt.

"Für den Menschen ist die Boa eigentlich nicht gefährlich. Aber sie ist als gefährlich eingestuft, weshalb es in einigen Landkreisen verboten ist, sie zu halten", weiß Mirschberger. Nicht so in Forchheim. Papiere braucht der Halter aber trotzdem, denn die Boa constrictor ist im Washingtoner Artenschutzabkommen aufgelistet. "Bei der Unteren Naturschutzbehörde sind diese Papiere normalerweise problemlos zu bekommen", erklärt der Experte, der zwei Szenarien für möglich hält.

Aktuell einen halben Meter lang

Entweder sind die Tiere illegal gehalten und dann aussortiert worden oder - und das sei wahrscheinlicher - der Halter wurde überrascht und war hinterher überfordert mit dem Dutzend Jungtiere. "Boas legen keine Eier, sondern gebären lebend. Wenn man nicht merkt, dass das Weibchen trächtig ist, kann es ein böses Erwachen geben", berichtet Mirschberger. Er schaute nach Bekanntwerden des Funds im Tierheim vorbei, um den Mitarbeitern Tipps zur Erstversorgung zu geben und mit ihnen zu beratschlagen, wie es weitergeht mit den kleinen Schlangen, die aktuell jeweils rund einen halben Meter lang sind.

Im Normalfall würde das Forchheimer Tierheim die Reptilien-Auffangstation in München einschalten - zumindest, um die Art des Tiers zu klären. So wäre das Vorgehen zum Beispiel auch bei einer Schildkröte, die der Halter im Rhein-Main-Donau-Kanal entsorgt hat und die dann in der Unterkunft an der Staustufe landet. Diese ist nicht für Reptilien ausgelegt, weshalb die Tiere nach München gebracht werden, wenn sich in der Region niemand findet, der Fachwissen hat und bereit ist, die Findlinge aufzunehmen. So wie es Mirschberger bereits getan hat.

Für den Experten ist aber auch denkbar, das Dutzend Boas an einen Reptilien-Großhändler zu verkaufen. "Bei einem vernünftigen Angebot kommen da bestimmt ein paar Euro zusammen, die das Tierheim gut gebrauchen könnte. Zum Beispiel für Futter", sagt Mirschberger.