Das zurückliegende Jahr 2020 war kein einfaches für die mainfränkische Wirtschaft - und der Ausblick bleibt, zumindest kurzfristig, auch eher trübe. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie liegen nicht nur an den für so manche Branche wie Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Dienstleister gewaltigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das schreibt die IHK Mainfranken in einer Pressemitteilung.

Viele Unternehmen in der exportorientierten mainfränkischen Wirtschaft drückten vor allem die Folgen der zunehmend brüchigen transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen oder der drohende harte Brexit.

Hinzu kämen hausgemachte "deutsche" Sorgen, weil Fortschritte in einer wirtschaftsfreundlichen Steuerpolitik oder bei der Senkung der Bürokratielast nicht wirklich spürbar sind. Unterm Strich blieben 2020 viele harte und entbehrungsreiche Monate für nicht wenige der 72 000 mainfränkischen IHK-Unternehmen. "Es ist richtig: Die Politik hat die Wirtschaft in der Corona-Krise mit milliardenschweren Hilfsprogrammen unterstützt. Richtig ist aber auch: Für manchen Unternehmer kam oder kommt das Geld aufgrund bürokratischer Hürden schlicht zu spät. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Beziehungsweise schnell versprochen, schleppend umgesetzt, könnte man auch sagen", unterstreicht IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Ralf Jahn.

Auch wenn die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage im Herbst auf ein zartes Licht am Ende des Tunnels hingedeutet haben, bestehe zum Jahreswechsel kein Grund zur Entwarnung für die mainfränkische Wirtschaft, heißt es in der Mitteilung weiter. Der Weg zurück zur wirtschaftlichen Normalität sei lang - und er ist von hoher Unsicherheit geprägt, meint Jahn.

"Auch wenn jetzt der Corona-Impfstoff freigegeben ist, wir werden trotzdem noch mit Einschränkungen im unternehmerischen und gesellschaftlichen Alltag leben müssen", befürchtet Jahn. Wie unser Wirtschaftsleben im kommenden Jahr aussehen werde, sei daher wie ein Blick in die Glaskugel. Und das spiegele sich auch in den Aussichten der mainfränkischen Unternehmen. Die Hälfte von ihnen rechnete vor dem zweiten "Lockdown light" im November noch damit, das Vor-Corona-Niveau spätestens bis Ende 2021 wieder zu erreichen - ein Viertel sah diesen Punkt aber bereits da schon in weiter Ferne - oder überhaupt nicht mehr. Trotz aufgehellter kurzfristiger Geschäftserwartungen bleibt der Saldo mit minus vier Punkten im negativen Bereich, die Skepsis in Mainfranken überwiegt.

Zum Jahreswechsel ist die konjunkturelle Situation also fragil. "Um wieder auf die Erfolgsspur einzubiegen, brauchen wir eine Weiterentwicklung der Wirtschafts- und Industriepolitik", unterstreicht Jahn.

"Es klingt wie eine "alte Leier", doch sie hat gerade nach diesem schweren Jahr weder an Aktualität noch an Dringlichkeit verloren: "Wir brauchen eine grundlegende Steuerreform, wir brauchen eine generell mittelstandsfreundlichere Politik und vor allem auch den lange versprochenen Bürokratieabbau."

Die Politik habe im vergangenen Jahr bedingt durch den "Corona-Katalysator" einiges möglich gemacht - von der Ausweitung der Kurzarbeit über Steuererleichterungen hin zu milliardenschweren Hilfsprogrammen. "Diesen pragmatischen Problemlösungsgeist sollten wir uns bewahren."