Stephan Herbert Fuchs

Die IG Metall sieht nach der Bundestagswahl die Arbeitnehmerrechte massiv in Gefahr geraten. "Wir müssen aufpassen, dass uns das Fell nicht über die Ohren gezogen wird", sagte der 1. Bevollmächtige Volker Seidel bei der Delegiertenversammlung in Himmelkron. Nicht locker lassen will die Gewerkschaft deshalb auch in den kommenden Monaten bei Themen wie Rente, paritätische Krankenversicherung sowie Bildung und Weiterbildung.
"Die Arbeitgeber wollen etwas anderes", sagte Seidel. Die neuen politischen Konstellationen könnten ihnen dabei hilfreich sein. Die Arbeitgeber beabsichtigten unter anderem, Arbeitszeitgesetze zu verschlechtern, etwa durch die Abschaffung des festen Sonntags oder durch die Möglichkeit der Einführung eines 13-Stunden-Tages. "Wir werden künftig genau darauf achten müssen, dass dies nicht der Anfang ist", so Seidel.


Gewerkschaft und AfD

Als ganz besonders beunruhigend wertete es der Bevollmächtigte, dass laut Umfragen auch große Teile von Gewerkschaftsmitgliedern ihre Stimme der AfD gegeben haben, ein Drittel aus Überzeugung, zwei Drittel aus Enttäuschung.
Gefahr gehe allerdings nicht nur von der AfD aus, auch andere Gruppierungen stellten eine Gefahr für die demokratische Grundordnung in Deutschland dar. Lukas Niemand vom Arbeitskreis Antirassismus in der IG Metall stellte den Mitgliedern die Identitäre Bewegung vor, die zwar nicht zu den Wahlen angetreten war, die aber mit der AfD, der NPD, mit Pegida oder mit schlagenden Burschenschaften eng vernetzt sei. "Sie geben sich als ganz normale Jugendorganisation, die gerne wandert oder Flutopfern hilft, in Wirklichkeit aber ganz klare rassistische Ziele verfolgt."
Bereits zum jetzigen Zeitpunkt wirft auch die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie 2018 ihre Schatten voraus. "Wir sind tatsächlich schon wieder am Beginn", sagte Seidel. Neben der traditionellen Forderung nach mehr Lohn und Entgelt würden diesmal auch Themen wie Schichtarbeit, belastbare Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten oder mobiles Arbeiten eine wichtige Rolle spielen. Erste Forderung aus Ostoberfranken sollen bei einer Funktionärskonferenz am 16. Oktober präsentiert werden.
Die IG Metall hat in Ostoberfranken aktuell 11 486 Mitglieder. 404 Neuaufnahmen stehen seit Jahresbeginn 531 Verluste gegenüber. Wichtig für die Gewerkschaft: Die Zahl der Betriebsangehörigen Mitglieder, der sogenannten Ein-Prozent-Zahler, ist mit 6700 auf einem Hoch.
Um das Jugendamt und den Nachwuchs zu stärken, führten Nadine Piskol und Karina Richter vom Ortsjugendausschuss durch die Versammlung.