Nachdem die Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen Anfang Juli den weltweit ersten erfolgreichen Heilversuch bei einem 59-jährigen Long-Covid-Patienten verkündet hatte, sind nun zwei weitere Patienten dank des Medikaments BC 007 auf dem Weg der Besserung.

Das Team der Augenklinik hat erneut zwei Therapieversuche durchgeführt. Ein 51-jähriger Mann aus dem Allgäu und eine 39-jährige Frau aus Mittelfranken erhielten den Wirkstoff BC 007 im Rahmen einer einmaligen 75-minütigen Infusion und blieben danach drei Tage unter stationärer Kontrolle. Seitdem wird ihr Gesundheitszustand ambulant weiter überwacht. Die verbesserte Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ist bei beiden Betroffenen deutlich spür- und messbar.

Medikament verbessert Zustand

Wie schon bei dem ersten behandelten Patienten führte BC 007 auch bei Patient zwei und Patientin drei zeitnah zum Abklingen der Long-Covid-Symptome.

„Nach einer Covid-19-Erkrankung zirkulieren spezielle Autoantikörper im Blut . Diese richten sich gegen den eigenen Organismus und können zum Beispiel bestimmte Körperstrukturen schädigen und die Durchblutung beeinträchtigen“, erklärt Augenärztin Dr. Bettina Hohberger. Das Medikament BC 007 wurde vor einigen Jahren eigentlich für eine schwere Herzerkrankung entwickelt und könnte nun gegen Long Covid zum Einsatz kommen. „Bei den beiden aktuell Behandelten sehen wir: BC 007 neutralisiert die schädlichen Autoantikörper, und die Durchblutung in den feinsten Blutgefäßen des Auges verbessert sich. Außerdem haben die klinischen Symptome abgenommen“, bestätigt Bettina Hohberger.

Von 100 auf null

Die bisher am schwersten betroffene Long-Covid-Patientin ist eine 39-jährige Grundschullehrerin aus Mittelfranken. Sie litt infolge ihrer Covid-19-Erkrankung unter Abgeschlagenheit, Gleichgewichts-, Koordinations-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und dem sogenannten Gehirnnebel im Kopf, von dem viele Long-Covid-Betroffene berichten. Außerdem war ihr Gang unsicher und sie hatte Geschmacksstörungen. Dazu kamen zeitweise Lähmungserscheinungen in einer Hand und in einem Fuß. „Vor meiner Erkrankung war ich ein gesunder Mensch. Ich war dreimal in der Woche joggen und leidenschaftliche Fahrradfahrerin.“ Danach lag sie die überwiegende Zeit im Bett, konnte nicht einmal lesen.

Auch die 39-Jährige bekam BC 007 in der Erlanger Augenklinik . „Schon an Tag eins nach der Gabe des Medikaments ließ der Gehirnnebel deutlich nach“, sagt Bettina Hohberger. Zudem bessern sich seitdem die neurologischen Einschränkungen und die Erschöpfung zusehends.

„Allem Anschein nach führt das Medikament BC 007 zu einer besseren Durchblutung und damit zum Abklingen der Long-Covid-Beschwerden. Die genauen Wirkmechanismen wollen wir in Zukunft noch genauer erforschen“, so Hohberger. red