Die Gründung des "Heimatvereins Rödental" fand in der Gaststätte "Wildpark" statt, wo Helmut Tischer und Oskar Wohlleben zu den ersten beiden Vorsitzenden gewählt wurden. Dreieinhalb Stunden dauerte die Versammlung.

Das war vor 70 Jahren. Jetzt wurde das 70-jährige Bestehen am Donnerstagabend richtig historisch gefeiert, im Refektorium des Klosters Mönchröden. Zu Beginn schritt Helene Bartholmeß, Ehefrau des ehemaligen Pfarrers Günther Bartholmeß, ehrwürdig im langen Gewand vor die Festgäste. "Um euch zu helfen, bin ich da, ich bin die Historica Poetica. So will ich der alten Zeiten gedenken und euch das ersehnte Festspiel schenken. Ich führ' euch in die Gründungszeit und lüfte den Schleier der Vergangenheit."

Nach der Historica Poetica ergriff Vorsitzender Prof. Günther Ott das Wort: "Ich möchte euch kundtun: Der Heimatverein Rödental e.V. wurde am 20. 8. 1949 in seiner heutigen Form gegründet." Dass dieser Geburtstag in diesem historischen Rahmen gefeiert werde, dazu hätten die Mitglieder und Freunde beigetragen, dankte Prof. Ott. Stets habe sich der Verein an den Ausspruch seines Vereinsgründers Helmut Tischer gehalten: "Die Stadt ist nicht für uns da, sondern wir sind für die Stadt da." In vielfältiger Weise sei in gemeinschaftlicher Arbeit die Erforschung der Heimat auf naturkundlichem, geschichtlichem und kulturellem Gebiet betrieben worden. Es gab und gibt Mundartabende, 1.-Mai-Feiern, Mittelalterfeste, Heimatspiele, das Dorffest Mönchröden, das Familienpicknick, Ausstellungen. Viel war da aufzuzählen, was der Verein und seine Mitglieder bewirken. Man habe den Fahnenmast auf die Lauterburg gebracht. "Unser allerneuestes Werk wurde gerade letzte Woche enthüllt, der Mönch auf dem Kreisel Mönchröden", sagte Ott stolz. Dies sei nur dank der Unterstützung zweier Mönchrödener Firmen möglich gewesen. Eintritte Jugendlicher gebe es zwar nicht so oft, aber dank einiger Neuanmeldungen in letzter Zeit sei der Fortbestand gesichert. "Unser Verein steht auf soliden Füßen, ist aktiv, attraktiv, bodenständig und sympathisch, und ich bin stolz und dankbar, der Vorsitzende zu sein", sagte Prof. Ott.

Was der Heimatverein alles auf die Beine gestellt und getan habe, sei außergewöhnlich, sagte Bürgermeister Marco Steiner (FW) und dankte für die Arbeit des Vereins, sie sei wichtig. Der Ideenreichtum der Mitglieder beeindrucke ihn. Eine gelungene Kooperation mit Schulen, Vereinen und der Stadt Rödental sowie gegenseitige Unterstützung zeichneten den Verein aus. Voller Anerkennung lobte Steiner die unermüdliche Arbeit des Vorstandes, jenes harten Kerns, in dem oft Familien über Generationen hinweg als Motor mitwirkten und dies weiterhin noch täten.

"70 Jahre HV Rödental, das ist ein Grund, auf die Vereinsgeschichte zurückzuschauen und sich auf die Zukunft zu freuen. Und für alle Mitglieder und ehrenamtlich Engagierten ein guter Grund, darauf stolz zu sein", sagte Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk). Weiter betonte er: "Ihr seid ein aktiver Verein, dem ich für die Zukunft ein gutes Gelingen und Miteinander zum Wohle unserer Heimat wünsche." Die Stimmung von 1949 präsentierte Heimatchronist Hans-Joachim Lieb in groben Zügen aus dem Buch "Die Perle des Coburger Landes" von Wolfgang Schunk. Damals feierte die Gemeinde 800 Jahre Kloster Mönchröden, ihre erste große Veranstaltung nach dem Krieg, mit einem beeindruckenden Festumzug und Festbetrieb. Und es war die Zeit, als es noch den Kino-Karl gegeben hatte, als die Frau Knoch die Trachtengruppe leitete und der "Ed" ein begeisterter Sportler war. Vieles bleibe noch zu tun. Die Jugend an den Verein heranzuführen, werde die größte Aufgabe sein. Jedoch: "Die Kraft dafür wird uns aus der Liebe zur Heimat gegeben", war sich Lieb sicher.

Pfarrer i. R. Günther Bartholmeß zitierte Goethe und sagte dann: "Schon über zwei Generationen werden die Erinnerung an das Geschehen in der Vergangenheit und die heutige Liebe zu unserer Heimat Mönchröden-Rödental aufrechterhalten. Möge unser Verein auch in Zukunft seinen Beitrag leisten können." Vor 70 Jahren seien die Menschen nach dem verlorenen Krieg bemüht gewesen, wirtschaftliche Grundlagen für ihr Leben zu schaffen. "Aber sie waren auch hungrig nach Kultur", betonte Bartholmeß.

Holger Tischers Mundartgedichte garnierten den Festakt und Harald Tischers Vortrag des Gedichts "Mönchröden" von Richard Hauptmann ließ das Herz vor Heimatliebe springen. Altbürgermeister Gerhard Preß umrahmte auf Orgel und Klavier den heiteren Festabend. Zum Ausklang lud Organisatorin Ingrid Ott zum Büfett ein.