von unserem Redaktionsmitglied 
Jochen Nützel

Thurnau — Noch musste Siegbert Reuther am Montagabend im Gemeinderat Thurnau seine Informationen in der Möglichkeitsform formulieren. Der Bad Staffelsteiner ist mit seiner Firma Netconsulting im Bereich Datennetze tätig und berät Städte und Gemeinden beim Breitbandausbau, darunter auch die Marktgemeinde. Da die Staatsregierung die neuen Fördermodalitäten für den Ausbau des schnellen Internets in der Fläche noch nicht endgültig verabschiedet hat, hantierte Reuther mit Schätzungen.
Eine davon: Thurnau könnte in den Genuss von rund 800 000 Euro an staatlicher Unterstützung kommen. "Bis zu einer Million Euro sind pro Gemeinde möglich." Mit welcher Summe Thurnau rechnen kann, dürfte noch in diesem Monat feststehen, sagte Reuther. Sicher ist: Der Eigenanteil der Marktgemeinde beträgt 20 Prozent. "Ich vermute, es dürften etwa 150 000 Euro sein. Dazu kämen 20 000 Euro für das Pilotprojekt Leesau." Der Ausbau sei auf fünf Jahre angelegt.
Der Gemeinderat beschloss, ins Förderprogramm des Freistaats einzusteigen und das Erschließungsgebiet in vier Abschnitte (Lose) zu unterteilen. Was die Vergabe angeht, so plädierte Veit Pöhlmann (FDP) dafür, jeden einzeln auszuschreiben, um den Wettbewerbsdruck unter den Providern zu erhöhen. In der Abstimmung aber votierte das Gremium dafür, alle Abschnitte mit einem einzigen Anbieter zu realisieren.
"Für Nordbayern kommt da eigentlich nur die Telekom in Frage", erklärte Reuther. "Sie verfügt über ein großes Volumen an Leerrohren, die andere Anbieter erst anmieten müssten. Das macht es dann für diese Firmen unrentabel." Eine EU-Vorgabe zur Übertragungsgeschwindigkeit besagt laut Reuther: Im betreffenden Gebiet muss die Datenleitung mindestens 30Mbit liefern. "Das wäre mit Funktechnik wie LTE nicht zu schaffen, das geht nur über den fasergebundenen Ausbau." Thurnau verfüge da bereits über eine gute Basis. "In Lochau steht ein Hauptverteiler, das ist quasi schon das Optimum", sagte der Experte.

Neues Kommunalfahrzeug kommt

Gegen die Stimmen der FDP-Räte Veit Pöhlmann und Jürgen Kraus bewilligte das Gremium die Anschaffung eines neuen Kommunalfahrzeugs vom Typ "Ladog" auf Leasingbasis für den Bauhof. Pöhlmann betonte, es widerstrebe ihm, aufgrund der aktuellen Haushaltslage 130 000 Euro auszugeben für ein Gefährt, mit dem man mähen und Schnee räumen kann. "Es müsste doch im Internet bessere Angebote geben."
Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) hingegen sah wie die Mehrheit die Anschaffung als nötig an. "Das ist viel Geld, keine Frage. Aber allein die Reparaturkosten für das vorhandene Fahrzeug beliefen sich 2013 auf fast 18 000 Euro. Und einen gebrauchten Ladog anzuschaffen, würde an unserer Situation nichts verbessern." Zudem sollte man mit Blick auf die Lieferzeit ("Das kann vier Monate dauern, denn die Baywa hat für das Gerät den Exklusivvertrieb") nicht mehr länger warten angesichts der Tatsache, dass das Fahrzeug für den Winterdienst vorgesehen ist.
Einstimmig erfolgte der Beschluss zur Sanierung der maroden Dachhälfte des Töpfermuseums. Eine Firma bekommt den Auftrag, das Dach - inklusive Unterstützung durch den Thurnauer Bauhof - mit neuen Ziegeln einzudecken.