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Bamberg

Gewaltanwendung nicht nachzuweisen

Ein Student aus dem Landkreis kommt wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes mit einer milden Strafe davon.
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Nach fünf aufreibenden Prozesstagen haben die massiven Vorfälle in einem einsamen Bauwagen im Januar 2014 nun endlich zu einem Urteil geführt. Wenngleich die 15 Monate Jugendstrafe zur Bewährung für den schweren sexuellen Missbrauch an einem Kind vergleichsweise milde wirken. Zudem muss der Student aus dem Landkreis Bamberg 5000 Euro Schmerzensgeld an sein damals noch 13-jähriges Opfer zahlen.

Bis zuletzt hat der 25-jährige Angeklagte kein Wort des Bedauerns gefunden. Geradezu teilnahmslos folgte er dem Geschehen um sich herum. Nur seinen Rechtsanwalt hatte er reden lassen. Einen sexuellen Missbrauch durch seinen Mandanten vor sechs Jahren räumte Thomas Gärtner aus Bamberg ein. Dabei war das angesichts des Chat-Verlaufs, der sich nach so langer Zeit noch hatte finden lassen, gar nicht mehr zu leugnen. "Es ist doch entsetzlich, wie man so mit einer 13-Jährigen kommunizieren kann", so Staatsanwältin Franziska Frohberg.

Zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt

Auch nicht abzustreiten war, dass der Angeklagte um das Kindesalter seines Objektes der Begierde wusste. "Unter 14 Jahren gilt der absolute Schutz des Kindes", bekräftigte der Vorsitzende Richter Martin Waschner. Freilich profitierte auch der Angeklagte davon, zum Tatzeitpunkt gerade 18 Jahre alt geworden zu sein. Statt bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe bei Erwachsenen kam der bislang nicht Vorbestrafte mit einer Bewährungsstrafe nach Jugendrecht davon. Wenn denn das Urteil rechtskräftig wird. Es sieht derzeit danach aus, als ob sich auch das Landgericht Bamberg noch einmal mit der Sache befassen müsste. Bei einer Berufung müsste das Opfer wohl noch einmal aus Jena anreisen.

Mit allen juristischen Mitteln wollte der Angeklagte eine Verurteilung verhindern. Ein aussagepsychologisches Gutachten der Sachverständigen Gabriele Drexler-Meyer aus Nürnberg sollte die Glaubwürdigkeit der einzigen Belastungszeugin erschüttern - tat es aber nicht. Eine erneute Befragung des Opfers sollte solche Widersprüche auftun, um deren Angaben gänzlich in Zweifel ziehen zu können - auch das gelang nicht. Vielmehr dürfte das erneute Verhör an der jungen Frau, die bereits vor dem Ermittlungsrichter ausgesagt hatte, nicht spurlos vorübergegangen sein. Immerhin hatte man deshalb eine Videoaufzeichnung abgespielt, um eine erneute Traumatisierung zu vermeiden.

Auch der Versuch ihrer Rechtsanwältin Martina Leuteritz aus Bamberg, den Angeklagten zumindest für die Dauer der Befragung aus dem Saal zu entfernen, schlug fehl. "Es ist eines der wichtigsten Rechte des Angeklagten, bei seinem Verfahren anwesend sein zu dürfen", so Richter Waschner.

Zuhörer durften nicht in den Saal, als persönlichste, ja intime Dinge zur Sprache kamen. Wie verbissen man hinter verschlossenen Türen um das Strafmaß rang, zeigte die Dauer der Plädoyers, die insgesamt zwei Stunden in Anspruch nahmen. Offenbar spielte dabei weniger die Höhe der Strafe eine Rolle, als vielmehr die Frage, ob die junge Frau durch diesen Vorfall im Bauwagen schwere psychische Schäden davongetragen hat. Denn daran orientieren sich in einem weiteren Zivilprozess die finanziellen Folgen, von den Therapiekosten bis zum Schmerzensgeld.

Bei Küssen blieb es nicht

Letztlich setzten sich beinahe alle Argumente der Staatsanwältin Frohberg durch. Sie sah den schweren sexuellen Missbrauch an einem Kind als erwiesen und forderte eine Jugendstrafe. Mit Erziehungs- oder Zuchtmitteln wie Arbeitsstunden oder einem kurzen Arrest alleine sei es nicht getan. "Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte sie erst an die Brust gefasst, dann in ihre Hose gegriffen und mit dem Finger in sie eingedrungen ist", erklärte Richter Waschner. Das könne man mit Chat-Nachrichten nach der Tat belegen. "Sie schrieb da, das war zu viel." Damit seien die Angaben des Angeklagten, es sei nur zu Küssen und Berührungen gekommen, eindeutig widerlegt. Nur bei der Frage der Vergewaltigung konnte das Jugendschöffengericht sich nicht zu einem Schuldspruch durchringen. Eine Gewaltanwendung, etwa das Werfen auf das Stockbett oder das Auseinanderdrücken der Beine, sei nicht nachgewiesen.

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