Stephan Herbert Fuchs

Für seine ehemalige Lebensgefährtin war es die Hölle: Immer wieder soll ein 29-jähriger Kulmbacher seine 33-jährige Freundin schwer verprügelt und misshandelt haben. Wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung in zahlreichen Einzelfällen muss sich der Mann jetzt vor Gericht verantworten.
Dazu kommen weitere Anklagen wegen einer Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad und weil er mit einem Bekannten zwei Flaschen Rum und Weinbrand in einem Supermarkt gestohlen haben soll. Auch eine Sachbeschädigung steht in der Anklage, weil er im Fritz-Parkhaus eine Tür eingetreten hatte.
Der Angeklagte räumte alles außer den tätlichen Übergriffen ein. Dazu machte er keine Angaben. Laut Anklage soll er die Frau aber zwischen März und Oktober mehrfach öffentlich so heftig mit Fäusten traktiert haben, dass sie teilweise bewusstlos zu Boden ging. Allen Taten gemeinsam ist, dass der Angeklagte jeweils deutlich über zwei Promille Alkohol im Blut hatte. Auch die junge Frau soll dabei alkoholisiert gewesen sein.
Den heftigsten Übergriff listet die Anklageschrift für den 30. Oktober auf. Gegen Mitternacht soll er die Frau durch den halben Stadtpark geschleift, sie gegen das Toilettenhäuschen geknallt und dann so heftig geschlagen haben, dass sie zu Boden gegangen war. Doch damit nicht genug, dann soll er seinem wehrlosen Opfer auch noch mit Füßen in den Bauch getreten und eine halbvolle Bierflasche über den Kopf geschlagen haben.
Die Frau erlitt bei sämtlichen Übergriffen erhebliche Verletzungen am gesamten Körper. Mehrfach musste sie im Klinikum behandelt werden. Zumindest während des vergangenen Jahres war sie dennoch immer wieder zu dem Mann zurückgegangen. Erst jetzt ist das Paar offiziell getrennt, was aber auch daran liegen könnte, dass der Angeklagte derzeit eine Haftstrafe in anderer Sache in der JVA Bayreuth verbüßt.
"Wahrscheinlich steht in der Anklage nur ein Bruchteil von dem, was wirklich war", sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Soll heißen: Zur Anklage kommt ohnehin nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich habe es immer wieder Auseinandersetzungen gegeben, berichtete die 33-Jährige in ihrer Zeugenaussage. "Immer wenn er trinkt, fängt er zu stänkern an", so die Frau. Zu Gewalttaten sei es alle zwei bis drei Tage gekommen.
Problem bei der Zeugenaussage der Frau war, dass sie sich an Einzelheiten der Übergriffe gar nicht mehr erinnern konnte oder wollte. Geschweige denn daran, wann welcher Übergriff war. Erst auf intensive Nachfrage blitzten dann doch noch einige Einzelheiten auf. Offen bekannte die Frau, dass auch sie im vergangenen Jahr ein Alkoholproblem gehabt habe. Dies sei mittlerweile aber überwunden. Für die Verhandlung waren insgesamt zwölf Zeugen geladen. Sie wird fortgesetzt.