Ist der 47-jährige US-Amerikaner Brian D. (Name geändert) auf der Anklagebank mit seinen vielen kleinen Straftaten für die Allgemeinheit sehr gefährlich oder nur extrem lästig und störend? Damit musste sich die zweite Strafkammer am Landgericht Bamberg auseinandersetzen. Sie hatte die Entscheidung zu treffen, ihn entweder auf unbestimmte Dauer in eine geschlossene Anstalt einzuweisen. Oder ihn für eine überschaubare Zeit ins Gefängnis zu verbannen.

Gegen Auflagen verstoßen

"Hey! Sie fahren falsch!" Mit vermeintlichen Gesetzesverstößen anderer nahm es Brian D. sehr genau. Wer seiner Meinung nach zu Unrecht auf dem Radweg radelte, den beschimpfte und beleidigte er, schubste ihn zur Seite, schlug ihm sogar ins Gesicht. Wer in Bamberg entgegen der Einbahnstraße auf dem Drahtesel unterwegs war, dem verpasste er im Vorbeifahren eine Ohrfeige. Wer des nachts mit seinem Mofa durch Rattelsdorf fuhr, entweder ohne Helm oder hupend, dem zog er sein Longboard über den Kopf. Und wenn Polizisten seine Papiere sehen wollten, dann wurde er laut, unverschämt und widersetzte sich deren Anordnungen vehement. Da brauchte es dann schon drei erfahrene Kräfte und mit Pfefferspray getränkte Handschuhe, um ihm die Handschellen anzulegen. "Er hat ein gewisses Talent, in solche Situationen zu geraten", so Pflichtverteidiger Michael Lange aus Bamberg.

Nur bei sich selbst sah Brian D. absolut keiner Fehlverhalten. Dabei hatte er ständig gegen die Bewährungsauflagen des Landgerichtes Bamberg verstoßen. Vor zwei Jahren hatte man ihm ein striktes Alkoholverbot auferlegt, was ihn nicht am regelmäßigen Biertrinken gehindert hatte. Bei den Drogen, genauer gesagt Cannabis-Produkten, sah es nicht besser aus.

Die medizinischen Voraussetzungen für die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus sah Dr. Christoph Mattern als gegeben. Der Gutachter aus Bayreuth diagnostizierte eine hirnorganische Persönlichkeitsstörung. Durch Gewalt auf das Gehirn habe sich dieses sehr zum Nachteil Brian D.s verändert. Die Folge sei eine Wesensänderung. Diese könne seine exhibitionistischen Handlungen, seine erhöhte Reizbarkeit und sein selbstgefährdendes Verhalten erklären.

Tragische Lebensgeschichte

"Es ist eine tragische Lebensgeschichte", so Mattern. Dahinter dürfte die Mutter des Angeklagten stecken. Sie habe mehrfach versucht, Brian D. als Kleinkind in der Toilette zu ertränken, ihm wiederholt mit einem Baseball-Schläger auf den Kopf geschlagen und weitere Gewalttaten angetan.

"Der Tod meiner Mutter hat mich gerettet, da war ich zwölf Jahre", so Brian D. Bei einem früheren Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus Bayreuth hatte man Hinweise auf einen länger zurückliegenden Schädelbruch gefunden. Es sei auf Grund der irreversiblen Schäden nicht möglich, ihn zu therapieren, so dass weiterhin ähnliche Straftaten zu erwarten seien.

In juristischer Hinsicht reichte es allerdings nicht für die Unterbringung. Die sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte, der nur das letzte Mittel sein dürfe. Denn theoretisch, und oft auch praktisch, kann der Aufenthalt unbegrenzt andauern. Dafür seien die Straftaten nicht schwerwiegend genug, so die Vorsitzende Richterin Kerstin Harpf. Auch wenn es "keine bloße Kleinstkriminalität ist, sondern auch Aggressionsdelikte begangen wurden".

Nach drei Verhandlungstagen hatte man Brian D. wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlicher und versuchter gefährlicher, sowie vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung, aber auch Sachbeschädigung verurteilt. Dabei hatte die Strafkammer auch frühere Urteile miteinbezogen und zwei Freiheitsstrafen mit insgesamt zwei Jahren und drei Monaten verhängt.

Kein gezielter Angriff

Es hätte durchaus auch mehr werden können, wenn es bei dem tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte geblieben wäre. Doch gerade die von ihm so geschmähten Beamten sagten zu seinen Gunsten aus. Es sei kein gezielter Angriff gewesen. Außerdem hatten seine nicht sehr heftig geführten Attacken nur geringe oder gar keine Verletzungsfolgen gehabt. Schürfwunden, eine Beule und leichte Schmerzen waren alles. "Da muss man die Kirche schon im Dorf lassen". Auch der Sachschaden war mit gerade einmal 70 Euro übersichtlich, wie Staatsanwältin Christiane Schütte erklärte. "Sie müssen aber begreifen, dass Sie nicht das Ordnungsamt sind, sonst bekommen Sie immer wieder Probleme."