Die Folge des Mobbings und der Depressionen sei, dass man krank werde und dann krank geschrieben werde. „Der drücke sich nur“, heiße es dann. Und das sei oft ein weiterer Grund, gemobbt zu werden und tiefer in Depressionen zu sinken. Es werde zum Kreislauf und auch deshalb sei eine Entstigmatisierung so wichtig. „Diesen Menschen bleiben Wunden und die Wunden werden zu Narben. Das ist die Schussverletzung der Seele. Die sieht man aber nicht“, betont Vogel.
Für diese Kinder setzt sich der Verein mit dem Schulprogramm ein, aber auch Fellows Ride mit ihren Ersthelfern. „Sie gehen auf die Kinder zu, bringen sie zum Reden, vermitteln ihnen, dass sie nicht wertlos sind“, erklärt Vogel. Sich wertlos zu fühlen sei eine Folge des Mobbings und der Depression .
Diesen „Ersthelferkurs für mentale Gesundheit“ haben Fellows Ride zusammen mit der Uni Würzburg initiiert. „Man wird somit ein guter Beobachter und erkennt, wie sich die Menschen anders verhalten“, beschreibt Vogel die Ersthelfer, die „Bewusstseinswecker“. So würden kleine Veränderungen schneller gesehen und die Betroffenen könnten angesprochen werden. „Handy weg, erzähl mir, was wirklich los ist“, beschreibt Vogel.
Vor allem könnten sie den betroffenen Kindern und Jugendlichen auch Ratschläge geben, Selbsthilfegruppen nennen und somit erste Hilfe leisten, die Menschen dahin bringen kann, sich herauszuholen. Denn Therapieplätze seien rar und die Wartelisten dafür lang.
Um den Teufelskreis zu durchbrechen, um auf die Not der Betroffenen und auf Hilfeleistungen aufmerksam zu machen, dafür ist die Demo für die Entstigmatisierung von Depressionen gedacht. Diese startet am kommenden Samstag um 10 Uhr bei Louis Motorradshop in Bamberg, wo auch Spenden gesammelt werden. Sie verläuft über die Fränkische Schweiz in Richtung Betzenstein, führt auch durch Gräfenberg und endet in Forchheim. Zweiter Bürgermeister Udo Schönfelder ( CSU ) wird die „Gefährten“ am Paradeplatz begrüßen. Es wird auch ein Grußwort der Schirmherrin, Staatsministerin Judith Gerlach , vorgelesen.
Depressionen sind längst eine Volkskrankheit. Ins Leben gerufen wurde die Fellows Ride von Dieter Schneider , dessen Sohn sich das Leben genommen hatte. Die motorradfahrenden Demoteilnehmer sind Gleichgesinnte, die direkt oder indirekt von Depressionen betroffen sind. Es sind Menschen aus allen Berufsgruppen. Deshalb fahren auch „schwere Jungs“, die Blue Knights – Beamte aus Zoll, Justiz und Polizei – mit. Auch in dieser Berufsgruppe gibt es Menschen mit Depressionen .
Deutschlandweit wird die Zahl der an Depressionen Erkrankten, laut Gesundheitsatlas Deutschland der AOK , mit 9,5 Millionen Betroffenen beziffert. Jährlich erkranken nach Angaben der Deutschen Depressionshilfen 5,3 Millionen Erwachsene neu an der Krankheit.
Nicht alle nehmen sich das Leben. Doch: „Jeder, der sich umbringt, ist einer zu viel. Hinter einem Toten stehen mindestens 100 Betroffene,“ sagt Vogel.
Wer nicht zu den Sammelstellen Bamberg, Forchheim oder Betzenstein kommen kann, jedoch für den Verein „Irrsinnig Menschlich“ spenden möchte, kann das auch online tun unter irrsinnig-menschlich.de/spenden.
Doch auch Fellows Ride bittet um Unterstützung. Um die Bewegung weiter zu stärken, werden Unternehmen, Stiftungen und Institutionen aus der Region gesucht, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die Botschaft unterstützen. Die Spende trage dazu bei, regionale Fellows Rides zu ermöglichen, heißt es von der Organisation, Genehmigungen, Öffentlichkeitsarbeit oder den Ersthelferkurs Mentale Gesundheit (EMG) weiter auszubauen und Menschen in seelischer Not frühzeitig Hilfe zugänglich zu machen. „Jede Unterstützung hilft, die Bewegung am Leben zu halten – und die Botschaft in die Gesellschaft zu tragen: „Motorradfahren und Gutes tun“, betont Vogel.
Weitere Informationen gibt es unter fellowsride.com.