Rekordpreise bei Benzin und Diesel: Nur selten lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto nicht

Tanken wird immer teurer. Mit Elektroautos könnte man den hohen Benzin- und Dieselpreisen entkommen. Ein Energieberater aus Straubing sagt, wann es sich nicht lohnt.

Am Wochenende (12./13. September 2026) war der Preis für Superbenzin der Sorte E10 auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete ein Liter 2,273 Euro, wie der ADAC am Montag mitteilte. Das waren 1,7 Cent mehr als am Freitag.

Diesel legte sogar um 3,5 Cent zu. Ein Liter kostete am Sonntag im Tagesschnitt 2,404 Euro und war damit nur noch 4,3 Cent von seinem Rekord aus dem April entfernt.

Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder neue Entlastungen beim Spritpreis fordert, überlegt so mancher Bürger, ob er nicht dem teuren Benzin und Diesel einfach im wahrsten Sinne des Wortes "davonfährt" und sich ein Elektroauto anschafft.

Häufig lohnen sich Elektroautos schon ab dem ersten Tag

"Wenn der Neuwagen zum selben Preis wie ein vergleichbarer Verbrenner angeschafft werden kann, lohnt sich dies ab dem ersten Tag", sagt Daniel F. Eisel aus dem niederbayerischen Straubing im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Er ist Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern und nach eigenen Angaben langjähriger E‑Mobilist. Als solcher weiß er auch zu berichten, dass ein Elektroauto inzwischen oft nicht mehr kostet als ein ähnliches Benziner- oder Diesel-Modell.

Mittlerweile gebe es für fast jeden ein passendes Elektroauto – "von klein bis groß, familientauglich bis Sportwagen alles als E-Variante und oft auch schon gebraucht", sagt er. 

Diese Fahrer schauen bei der Suche nach einem E-Auto noch in die (Auspuff-)Röhre

Lediglich in einer Fahrzeugkategorie beziehungsweise bei einem speziellen Nutzungsprofil sei es aktuell noch schwierig – und die entsprechenden Autofahrer schauen in die sprichwörtliche (Auspuff-)Röhre: Bei "alten" und günstigen Fahrzeugen mit hoher Anhängelast – zum Beispiel in der Größe eines VW T5 oder T6.

"Also der konkrete Fall: schwerer Pferdeanhänger, aber zehn bis 15 Jahre altes dieselbetriebenes Zugfahrzeug, und das für wenig Geld – da wird es schwer, ein entsprechendes E-Auto zu finden", erklärt der Energieberater.

Das liege aber nicht ausschließlich am "E" des entsprechenden Autos: In diesem Fahrzeugsegment seien die Anschaffungspreise für Neuwagen – egal ob Verbrenner oder Elektroauto – generell sehr hoch. Ein Umstieg auf Elektro erfordert hier also mehrere Zehntausend Euro.

Neue Modelle mischen auch den Markt der Großraum-Vans langsam auf

Dafür mischen auch neue Modelle vor allem asiatischer Hersteller langsam den Markt für Großraum-Vans auf: Mit dem Kia-PV5-Siebensitzer und dem Hyundai Staria Elektro gebe es nun auch deutlich günstigere Neuwagen-Alternativen für Großfamilien zu VW, Ford, Mercedes und dem Stellantis-Konzern (Fiat, Opel, Citroen, Peugeot - und beim Pro Ace Electric auch in Kooperation mit Toyota). Weitere Hersteller möchten entsprechende Modelle in diesem Segment herausbringen, sagt Eisel. Am Gebrauchtwagenmarkt werde sich ihm zufolge daher in den nächsten Jahren ebenfalls einiges tun.

Sommerurlaub im Elektroauto mit zwei oder mehr kleinen Kindern – geht das?

Für manche Eltern mit kleinen Kindern ist ein Szenario unterdessen noch unvorstellbar: Mit einem gebrauchten Elektro-Großraum-Van 800 bis 1000 Kilometer in den Sommerurlaub fahren und dafür mehrmals einen Ladestopp einlegen. Das Diesel-Pendant würde dieselbe Strecke schließlich mit maximal einem Tankstellenbesuch schaffen.

"Da muss man wohl in Zukunft etwas umdenken", sagt Energieberater Daniel Eisel. Möglich ist es. Wie der Experte erzählt, ist er selbst Ende 30 und Vater von zwei kleinen Kindern und er sei schon mit einem Renault Zoe – also sogar einem für längere Reisen eher untypischen elektrischen Kleinwagen – bis nach Ungarn in den Sommerurlaub gefahren. 

Dass man Hunderte Kilometer am Stück fährt, sei wohl ohnehin die Ausnahme. Gerade mit Kindern  an Bord seien ohnehin mehrere Stopps für kleine und große Geschäfte sowie zum Essen und Toben nötig. "Das kann man dann gut mit einer Ladepause kombinieren", sagt er. Selbst suche er dann beispielsweise nach Ladesäulen, bei denen es in der Nähe einen Spielplatz gibt. Danach ist der Akku des Autos wieder gut gefüllt – und der der Kinder gut "ausgeleert" und ebenfalls bereit für die Weiterfahrt.

Vorschaubild: © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv