„Buy now, pay later“: Neue 200-Euro-Grenze betrifft Millionen Online-Shopper

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Noch in diesem Jahr treten strengere Regeln für Kleinkredite bei Zahlungsanbietern wie PayPal und Klarna in Kraft. Die Reform betrifft vorwiegend Käufe via Rechnung oder 'Buy Now, Pay Later'-Funktion.

Ab dem 20. November 2026 gelten in Deutschland neue Vorschriften für bestimmte Verbraucherkredite. Die Bundesregierung informiert in einem aktuellen Beitrag über die geplante Reform, die unter anderem spezielle Kleinkredite bis 200 Euro, zins- und gebührenfreie Angebote, kurzfristige Finanzierungen sowie zahlreiche "Buy now, pay later"-Konzepte (BNPL) stärker regulieren wird. Im Fokus stehen dabei auch digitale Bezahldienste und innovative Finanzierungsmodelle, die künftig strengeren Regeln unterliegen.

Durch die Änderungen erhalten Verbraucher einerseits mehr Schutz, müssen sich beim Online-Shopping jedoch auf umfangreichere Prüfungen einstellen. Entscheidend ist, ob ein Zahlungsaufschub oder eine Ratenzahlung vorliegt, die als Verbraucherkredit eingestuft wird – nicht jede Zahlung über Anbieter wie PayPal oder Klarna fällt automatisch darunter.

Kleinkredite: Neue Regeln für Paypal und Klarna ab November 2026

Gemäß dem im Bundesgesetzblatt, der amtlichen Verkündungsplattform des Bundes, veröffentlichten Umsetzungsgesetz beschloss der Bundestag das Gesetz am 17. April 2026. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Das Gesetz trägt das Datum 12. Mai 2026 und wurde am 18. Mai 2026 verkündet. 

Dem Rechtsportal der Europäischen Union EUR-Lex zufolge musste die Richtlinie (EU) 2023/2225 bis zum 20. November 2025 in nationales Recht umgesetzt werden. Die neuen Regelungen sollen dann ab dem 20. November 2026 angewendet werden. Für Kreditverträge, die an diesem Stichtag bereits bestehen, gelten nach den Übergangsregelungen grundsätzlich weiterhin die bisherigen Vorschriften, bis der jeweilige Vertrag beendet ist. Hinweis: Die sogenannte "200-Euro-Regel" ist kein offizieller Gesetzesbegriff. Gemeint sind damit neue Verbraucherkreditregeln, die künftig auch bestimmte Kleinkredite bis zur gesetzlichen Schwelle von 200 Euro erfassen. Amtliche Übersichten sprechen teilweise von Krediten bis 200 Euro, während einzelne gesetzliche Formulierungen an einen Nettodarlehensbetrag von weniger als 200 Euro anknüpfen. Welche Regel greift, hängt deshalb von der konkreten gesetzlichen Einordnung und der Vertragsgestaltung ab.

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Verbraucher über Finanzprodukte und damit verbundene Risiken informiert, gibt zu bedenken, dass mehrere kleine Zahlungsaufschübe dazu führen, dass offene Beträge und Fälligkeiten aus dem Blick geraten. Die Folge: Bei einem erfassten Verbraucherkredit kann künftig eine Kreditwürdigkeitsprüfung erforderlich sein. Das kann bestimmte Angebote von PayPal, Klarna und anderen BNPL-Anbietern betreffen. Nicht jede Zahlung über diese Plattformen ist jedoch ein Kredit.

200-Euro-Regel: Welche Kreditmodelle ab November 2026 betroffen sind

Die Reform betrifft grundsätzlich neu abgeschlossene, erfasste Kreditverträge ab dem 20. November 2026. Für Verbraucher ergeben sich je nach Vertragsmodell insbesondere zusätzliche Informationspflichten und Anforderungen an die Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit.

  • Vor dem Vertragsschluss können umfangreichere Informationen über Kosten, Laufzeit und Rückzahlung erforderlich sein.
  • Der Kreditgeber muss bei erfassten Finanzierungen die Kreditwürdigkeit des Verbrauchers prüfen.
  • Die Prüfung kann Angaben zu Einkommen, Ausgaben und anderen finanziellen Verpflichtungen einbeziehen.
  • Bei einer automatisierten Kreditwürdigkeitsprüfung kann unter bestimmten Voraussetzungen eine menschliche Überprüfung verlangt werden.
  • Die konkreten Pflichten hängen vom jeweiligen Kreditmodell und den gesetzlichen Ausnahmen ab.

Wenn du Kleidung, Konzerttickets oder Elektronik auf Rechnung oder in Raten kaufst, kann der Zahlungsaufschub künftig unter die Verbraucherkreditregeln fallen. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Zahlungsdienstleister oder ein anderer Anbieter die Zahlung finanziert oder als Kredit vermittelt.

Rechnungskauf und Zahlungsaufschub: Wichtige Unterschiede

Ein gewöhnlicher Rechnungskauf wird dagegen nicht automatisch zu einem Verbraucherkredit. Räumt ein Händler lediglich eine kurze Zahlungsfrist ein, ohne einen gesonderten Kredit zu finanzieren, kann eine andere rechtliche Einordnung gelten. Entscheidend sind die konkrete Vertragsgestaltung, die Zahlungsfrist und die Frage, wer den Zahlungsaufschub finanziert.

Bei erfassten Kreditmodellen kommt es nicht allein auf die Höhe des Kaufpreises an. Auch ein zinsfreier oder kurzfristiger Ratenkauf über 50 oder 100 Euro kann dann bestimmte Prüfungen und Informationspflichten auslösen.

Bei einer zinsfreien Zahlung fallen zwar keine Kreditzinsen an. Trotzdem kann der Zahlungsaufschub unter die neuen Verbraucherkreditregeln fallen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei einem klassischen Rechnungskauf kommt es dagegen darauf an, ob tatsächlich ein Kredit oder lediglich eine kurze Zahlungsfrist vereinbart wurde.

Buy now, pay later: Was sich bei Klarna und PayPal ändert

Bei einem erfassten Verbraucherkredit muss der Kreditgeber prüfen, ob der Verbraucher die Rückzahlung voraussichtlich leisten kann. Das kann bestimmte Angebote von PayPal, Klarna und anderen BNPL-Anbietern betreffen. Nicht jeder Anbieter ist bei jedem Modell selbst der Kreditgeber.

Die Kreditwürdigkeitsprüfung kann Angaben zu Einkommen, Ausgaben und anderen finanziellen Verpflichtungen einbeziehen. Welche Informationen konkret benötigt werden, hängt vom Finanzierungsmodell, vom Kreditgeber und vom jeweiligen Prüfverfahren ab.

Kreditwürdigkeitsprüfung: Längere Wartezeiten möglich

Wenn bereits mehrere Ratenkäufe oder Zahlungsaufschübe laufen, kann die Kreditwürdigkeitsprüfung länger dauern oder zu einer Ablehnung führen. Der bisher schnelle Bezahlvorgang bei PayPal und Co. kann sich dadurch verzögern.

Eine Ablehnung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Kreditwürdigkeit dauerhaft beeinträchtigt ist. Ob Daten an eine Wirtschaftsauskunftei übermittelt werden und wie sich ein Vertrag auf eine Bewertung auswirkt, hängt vom jeweiligen Anbieter, Vertrag und Zahlungsverhalten ab.

Kaufst du beispielsweise zweimal für 80 und 90 Euro ein und nutzt jeweils einen separaten Zahlungsaufschub, entstehen zwei offene Zahlungsverpflichtungen. Werden beide Käufe von einem Anbieter zu einer Finanzierung über 170 Euro zusammengefasst, kann daraus ein einheitlicher Kleinkredit entstehen. Entscheidend ist nicht allein die Summe, sondern die konkrete Vertragsgestaltung.

Ratenkauf richtig nutzen: Tipps für Verbraucher

Wenn du häufig Bezahldienste wie PayPal oder Klarna nutzt, solltest du die 200-Euro-Regel kennen. Auch wenn der Betrag niedrig ist oder keine Zinsen anfallen, solltest du einen "Buy now, pay later"-Kauf ab dem 20. November 2026 als finanzielle Verpflichtung behandeln.

Kalkuliere vor dem Kauf, ob du die Rückzahlung sicher leisten kannst. Wenn mehrere verzögerte Zahlungen oder Ratenkäufe parallel laufen, solltest du die Summe aller offenen Verpflichtungen prüfen. Entscheidend ist nicht nur die einzelne Monatsrate.

  • Prüfe den Gesamtbetrag, den du einschließlich Zinsen und Gebühren zurückzahlen musst.
  • Notiere dir Fälligkeiten und Laufzeiten, damit keine Zahlung übersehen wird.
  • Rechne alle offenen Raten und Zahlungsaufschübe zu deinen monatlichen Fixkosten hinzu.
  • Vergleiche den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten mit anderen Zahlungs- oder Finanzierungsangeboten.
  • Lies vor dem Abschluss, ob und unter welchen Voraussetzungen Daten an eine Wirtschaftsauskunftei übermittelt werden.

Händler-Ratenkauf oder Bankfinanzierung:derr Unterschied

Beim Händler-Ratenkauf wird der Kaufpreis in mehrere Teilbeträge aufgeteilt. Je nach Modell finanziert der Händler den Kauf selbst oder vermittelt die Finanzierung an eine Bank beziehungsweise einen Zahlungsdienstleister. Bei einer separaten Finanzierung schließt der Verbraucher einen Kreditvertrag mit dem jeweiligen Finanzierungsanbieter.

Die Kosten können sich je nach Anbieter und Vertragsmodell deutlich unterscheiden. Verbraucher sollten deshalb den effektiven Jahreszins, mögliche Gebühren, die Laufzeit und die gesamte Rückzahlungssumme vergleichen. Eine Finanzierung kann günstigere Konditionen bieten, muss es aber nicht.

Überdenke außerdem dein Kaufverhalten und kaufe bewusster ein. Überlege vor jedem "Buy now, pay later"-Kauf, ob die Anschaffung wirklich notwendig ist oder ob eine klassische Zahlung per Überweisung oder Kreditkarte möglich wäre. Gerade bei kleineren Beträgen kann das helfen, den Überblick zu behalten und unnötige Schulden zu vermeiden.

PayPal-Ratenzahlung und Später-zahlen-Angebote im Vergleich

In einem separaten Artikel zu PayPal-Ratenzahlung und Später-zahlen-Angeboten vergleichen wir verschiedene Zahlungsmodelle, darunter die einmalige Zahlung nach 30 Tagen und die Ratenzahlung. Er zeigt außerdem, warum Verbraucher Laufzeit, Gebühren, effektiven Jahreszins und Gesamtkosten vor dem Abschluss getrennt betrachten sollten.

Wie die Verbraucherzentrale erklärt, kann "Buy now, pay later" je nach Modell einem modernen Rechnungskauf oder einer Kreditfinanzierung ähneln. Entscheidend ist deshalb, wann die Zahlung fällig wird, ob Gebühren anfallen und ob aus dem Zahlungsaufschub eine Ratenzahlung wird.

Ein weiterer Überblick zu den neuen Regeln für den Rechnungskauf stellt die Unterschiede zwischen einem einfachen Rechnungskauf, einer Ratenzahlung und einer Finanzierung dar. 

Vor BNPL: Kreditwürdigkeit mit Schufa-Check verbessern

Bevor man "Buy Now, Pay Later"-Dienste nutzt, ist es sinnvoll, einen Blick auf die eigene Kreditwürdigkeit zu werfen. Ein guter Ausgangspunkt ist eine Selbstauskunft von einer Wirtschaftsauskunftei wie der Schufa. Diese Auskunft gewährt einen detaillierten Einblick in die aktuelle finanzielle Situation und zeigt, welche Daten gespeichert sind. Man sollte stets darauf achten, dass alle Informationen korrekt und aktuell sind, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Es ist auch ratsam, bestehende Kredite und finanzielle Verpflichtungen zu überprüfen und sicherzustellen, dass keine überfälligen Zahlungen existieren. Eine pünktliche Zahlungshistorie kann sich positiv auf die Kreditwürdigkeit auswirken.

Um die Kreditwürdigkeit zu verbessern, kann man auch versuchen, bestehende Schulden zu reduzieren oder Kreditkartenlimits niedrig zu halten. Auch das regelmäßige Überprüfen der Kontoauszüge hilft, den Überblick über deine Finanzen zu behalten und ungewollte Abbuchungen oder Fehler frühzeitig zu erkennen.

Automatisierte Bonitätsprüfung: Recht auf menschliche Überprüfung

Wenn die Kreditwürdigkeitsprüfung auf einer automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beruht, können Verbraucher bei erfassten Kreditverträgen eine menschliche Überprüfung der Entscheidung verlangen. Dadurch soll eine automatisierte Entscheidung nachvollziehbarer werden und nicht ohne weitere Prüfung das alleinige Ergebnis bleiben.

Das Recht auf menschliche Überprüfung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Kredit bewilligt werden muss. Der Anbieter kann nach der Prüfung weiterhin zu dem Ergebnis kommen, dass die Finanzierung nicht angeboten wird.

Bei ausschließlich automatisierten Entscheidungen können zusätzlich die Datenschutzregeln zu automatisierten Entscheidungen relevant sein. Ob und in welchem Umfang daraus weitere Rechte entstehen, hängt vom konkreten Verfahren und der jeweiligen Rechtsgrundlage ab.

Vorschaubild: © Sebastian Kahnert/dpa