Gräfenberg  —  Corona ist längst nicht vom Tisch. Damit nach den Sommerferien der Präsenzunterricht an den Schulen gesichert werden kann, hat der Freistaat ein Förderprogramm speziell für Luftfilter in den Klassenzimmern ausgegeben. Maximal werden 750 Euro pro Raum gefördert, auf 50 Prozent gedeckelt, wie Schulverbandsvorsitzender und Gräfenbergs Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW) mitteilte. Nun sollten die Bürgermeister der zum Verband gehörenden Gemeinden Weißenohe, Hiltpoltstein, Igensdorf und Egloffstein einen Grundsatzbeschluss fassen: Luftfilter oder Luftreinigungsgeräte in die Klassenzimmer oder nicht?

Die Diskussion haben sich die Verbandsmitglieder nicht leicht gemacht, denn gesicherte Erkenntnisse von Staatsseite gab es nicht. Unmut kam bei den Politikern insofern auf, als die Kommunen zwar ein Förderprogramm in die Hand bekommen, die Gemeinden für die Wartung und Nebenkosten selbst aufkommen müssen und die Kommunalpolitik in die Schusslinie gerate, wenn es nicht laufe, wie es sich die Eltern vorstellen, meinte Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm ( CSU ). Denn dass die Geräte nicht zu Schulbeginn geliefert werden, immerhin das sei sicher, wie Weißenohes Bürgermeister Rudolf Braun (FW) anmerkte.

Die Verbandsräte mussten in allen Richtungen mutmaßen. Auch wie im Falle eines erneuten Lockdowns im Herbst von den Politikern entschieden werden könnte. Werden die Schulen geschlossen, braucht es keine Luftreiniger . „Es könnte aber sein, dass im Lockdown nur die Schulen geschlossen haben, die keine Geräte haben“, begründete Jürgen Gajowski, Igensdorfer Grüne-Gemeinderat, entweder ein mobiles Reinigungsgerät oder die teurere Variante Raumluftgerät zu kaufen, wie es Igensdorf für seine Grundschule entschieden hat.

Auch diese Geräte würden wohl nicht mehr 2021 geliefert werden. Die Kosten: 6000 bis 7000 Euro pro Gerät , zusätzlich Einbau und Nebenkosten , was für 22 Geräte an der Grundschule in Igensdorf einen Eigenanteil von 50 000 Euro ausmache. Doch diese stationären Raumluftreiniger haben einen Luftaustauscher, merkte Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm ( CSU ) an. Sein Ratskollege betrachtet die mobilen Geräte als zweckverfehlt, da sie die Aerosole nur filtern. „Es ist skurril. Wir wissen nicht, ob die Geräte helfen, die Infektion wirklich zu bannen, ob es Auswirkungen auf den Distanz- und Präsenzunterricht hat und wann wir die Geräte bekommen“, fasste Hiltpoltsteins Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer zusammen.

Wie viele der Luftreiniger für die Mittelschule gebraucht werden, muss noch genau ermittelt werden. 26 nannte die Schule. Die Kosten dafür bezifferte Kämmerer Ernst Steinlein mit 104 000 Euro. Die Eigenbeteiligung des Schulverbands betrüge dann 58 500 Euro. „Das Förderprogramm wurde den Kommunen angeboten. Wir müssen nun entscheiden“, sagte Kunzmann. Und das Risiko eingehen, dass im Winter trotzdem kein Präsenzunterricht stattfinde.

Die Erfahrungen mit dem Distanzunterricht wurden ebenfalls abgefragt und von Werner Hammerand als Stellvertretung für die Schulleitung als gut beschrieben. Stefan Förtsch ( CSU ), Egloffsteins Bürgermeister , erinnerte, dass nur ein Gerät gefördert werde. Bei größeren Räumen, brauche es mehr Geräte . Das Problem an der Entscheidungsfindung: „Es sprechen keine sachlichen Argumente dafür und keine dagegen. Es wird eine Entscheidung aus dem Bauch heraus werden, eine Herzensentscheidung“, meinte Förtsch. Ob eine Minimierung des Risikos in den Distanzunterricht gehen zu müssen, das wert ist? Andererseits: „Die Geräte filtern auch Grippeviren heraus. Wenn man das Infektionsrisiko damit minimieren kann, ist das ein angenehmer Effekt. Wir sollten investieren“, plädierte Förtsch für die Luftreiniger . Für mobile, da diese auch in die Aula getragen werden könnten, wenn dort Veranstaltungen stattfinden würden. Angebote werden nun eingeholt, mit der Bedingung, die Luftreiniger spätestens bis Ostern zu liefern. Die beiden Igensdorfer Verbandsräte stimmten dagegen. Sie befürworteten ein Raumreinigungsgerät mit Luft- und Wärmeaustausch.